Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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LämmerS Grabmal im Breslauer Gottes-
acker schreiben zu dürfen. Ohne Zweifel ver-
dient der gottbegnadete Breslauer Hochschul
lehrer, ein geborener Ermlandcr und Enkel
eines Salzburger Emigranten, eine so
gründliche Lebensbeschreibung, auf die eilt
Möhler gerade hundert Jahre warten
mußte. Ein gut Stück Kirchengeschichte der
zweite» Hälfte des 19. Jahrhunderts zieht
an unserem Auge vorüber. Fast zwei Men
schenalter arbeitete Lämmer an der Heran-
bildung „eines wissenschaftlich und afzetisch
gediegenen Klerus" der großen schlesischen
Diözese. Durch seine archivatischen For-
schungen auf dem Gebiet der Reformations-
geschichte arbeitete er den Monumentalwer-
ken Ianffens und Pastors als Babnbrecher
voraus. Offenkundig zeigt sich die Hand der
Vorsehung in der Konversion des Privat-
dozenten der protestantische» Theologie an
der Universität Berlin, dem die Bearbei
tung der Preisaufgabe über die vortriden
linifche katholische Theologie und die katho-
lischen Gegner Luthers die Augen über die
Reformation und den Weg zur Muttcr-
kirche geöffnet. Dem Zauber der bei aller
kirchlichen Strenge milden, harmonischen
Persönlichkeit konnten sich selbst außerkirch-
liche Kreise wie Althoff nicht entziehen.
Hochinteressante Einblicke in die kritischen
Zeiten vor und nach dem Vatikanum ge-
währen manche Blätter dieses Patriarchen
unter den deutschen akademischen Theologen.
Lämmers Beziehungen, geistige oder per-
sönliche, zu Möhler, Hefelc, Probst und
anderen Württembergern, machen das Lebe»
dieses Ostdeutschen auch uns im Süden be-
sonderer Beachtung wert.

Bilder auö dem Lebe» der sei. Gute» Betha.

I 2". Baderschc Verlagsbuchhandlung,

Rottenburg a. N.

Noch vieles hat unsere Geberbuchtechnik
von der Buchkultur der deutschen Vergan-
genheit, der Gotik, Renaissance, selbst deü
Klassizismus zu lernen, und zwar sowohl die
liturgischen wie die Privatgebetbuchauöga-
bcn. Man denke nur an die Kleinodien der
sog. Stundenbücher, livres d’heures.
Jüngst haben die Münchener Verlage Ars
sacra und Theatiner, ebenso Grünewald-
Mainz an diese alte Tradition angeknüpft.
Auch unser heimatlicher Verlag Ad. Bader-
Rottenburg bat mit der Herausgabe des
ohne Autornamen, Seitenzäblung und

Jahreszahl (Imprimatur des hochscl. Bi-
schofs Paul Wilhelm vom 3. III. 25) ge-
druckten Gut-Bethabüchleins nach Art des
oben angezeigten Franziskusbüchleins von
Hildebrand einen guten Griff getan. Jeder
der >5 fei» gestimmten Reproduktionen von
Gemälden, die das Leben der oberschwäbi-
schen Seligen in der Pfarr- und Kloster-
kirche zu Reute, OA. Waldsee, schildern, ist
eine Textseite mit Bibelspruch, Bildcrklä-
rung und religiös-sittlicher Anmutung gegen-
übergeftellt. Wird es wohl Pfarrer Baicr
sein, der seinen vielen Verdiensten um die
Verehrung der Seligen in Wort, Schrift
und Kirchenzier ein neues mit diesem schmuk-
ken Büchlein zugefügt halt

Marienlob. Des Bruder Egidius Büchlein
von unserer Lieben Fraue. 8". In Büt-
tenumschlag 1.25 Mk. 1927. „ArS
sacra" Joseph Müller, München 23.

Den zwei in Heft 2 empfohlenen Büch-
lein des Bruder Egidius, „Unser Herr im
Elend" und „Christ ist erstanden", ist im
gleichen Verlag ein neues reizendes Schrift-
chen gefolgt: „Marienlob, Des Bruder Egi-
dius Büchlein von Unserer Lieben Fraue".
Wir finden hier dreißig klug auögewählie
Lieder und Gedichte, auf schwerem Bütten-
papier in markantem Offsetdruck mit blauen
Initialen. Was im Mittelalter und in
neuerer Zeit gottbegnadete, feingestimmte
Seelen wie Jacopone da Todi, Hildegard
von Bingen, Bernhard, Gottfried von
Straßburg, Wernher vom Niederrhei»,
Franz von Assisi, Dante, Eichendorff, Luise
Hensel, Fr. W. Weber, Droste usw., an
inniger Marieminne empfunden und ge-
sungen, sammelte der rührige Verlag und
band es zu einem wunderlieben Blumen-
strauß. Acht vorzüglich wiedergegeben:
Kupfertiefdruckbilder (Fra Angelico, Alber
tinelli, Francia, Grünewald, Duccio, Ti-
zian, Schaffner, Murillo) erhöhen »och die
Wirkung der zarten Gesänge von Mutter-
liebe und Mutterleid.

Kleine Schulbibel für das Bistum Bres-
lau und feinen Delegaturbezirk. Amt-
lich herausgegeben vom Fürstbischöf-
lichen Ordinariat Breslau. Freiburg
i. B. Herder 1927. 93 S. Tert und
53 Tertbilder. Geb. 1 Mark.

Die „Kleine Schulbibel" erscheint im
Format der Schusterschen Biblische» Ge-

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