Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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'.'i'n Deutz um 1120 entstand und sein
Hauptschmuck, die spätromanische Madonna
mir Jesuskind, einem Kölner Meister der
sog. Maasschule um 1240 zugebört, ein
neues Marienideal spezifisch kluniazcnsisch-
benediktinischen Typs. Der ChriftuStNpuS
auf dem S. 65 abgebildeten Exvoto des
>7. Jahrhunderts findet sich übrigens auf
anderen Wallfahrtsmedaillen, z. B. auch
auf einer in meinem Besitz befindlichen
Anno Santo-Denkmünze aus dem Rom des
17. Iah. Hunderts, es scheint der Typus des
französischen Le beau Dien.

Ercuh, Dr. Max, Johann Thorn-Prikker.
8^. Mit 52 Abbildungen. Führerver-
lag München-Gladbach. 1625.

Der Wert dieses dünnen Bändchens liegt
darin, dasi sein Verfasser nicht kunsttheore-
tisch schulnieistert, sondern in Kürze und
Frische erzäblt und aufzeigt, was an dem
Leben und an den Werken des Künstlers
wegbahnend ist. Die beigegcbcnen 32 farb-
losen Abbildungen greifen jeweils Entwick-
lungsstufen feines Schaffens auf. Dev
Künstlers Name Thorn-Prikker-„Dorn-
ritzer" ist Sinnbild seiner ganzen Kunst, die
abhold aller schwammigen Gefühlsromantik
das Reine, Starke und Schreckliche groß
erfaßt und groß verkörpert. Die Glut fran-
zösischer Kathedralfenstcr und die Wucht
mittelalterlicher Einlegwerke wecken seinen
ausgeprägt nordisch-strengen Formensinn zu
zuchtvoll aufgebauten Schöpfungen. Damit
wird er zu einem Erneuerer des uns längst
verloren gegangenen christlichen Monumen-
talstils. Sein eigener Schmelzofen in Düs-
seldorf, wo der Künstler seit 1925 als Leh-
rer tätig ist auf der dortigen Akademie, bie-
tet seinem schöpferischen Wirken weite Mög-
lichkeiten auf dem Gebiet der Glasmalerei,
die ebeirso wie seine Wandmalerei (vergl.
Krefelder Museum) unter Hintansetzung der
sklavischen Wiedergabe der äußeren Erschei-
nungswell Jnnenkünft in» Gewände gebun-
dener und vergeistigter Sinnenkunft sein
will. Gedanklich wurzelt der bald Sechzig-
jährige in» Mittelalter, für dessen Mystik
er begeistert ist. Bcigegcbene Briefauszüge
zeigen Thorn-Prikker als Ringenden und
Reifenden. In einer Zeit, die vielfach von
den süßen Abziehbildern einer sich christlich
gebenden Schcinkunst lebt, kann vorliegen-
desBändchen Botschaft,sogar Befebl werden.
Heilbronn a. N. Erich Endrich, Vikar.

Am Wallfahrtsort. 19 Vierfarbendruck-
bildcr von Karl Stirne r. Ein-
führung von F. Stärk, Schwaben-
verlag Ellwangen. 1927. Mappe
4.50 Mark.

Karl Stirner hat schon vor anderthalb
Jabrzebnten durch die Illustration von
MörikeS „Stuttgarter Hutzelmännlein"
für seine eigenartige und gemütvolle Kunst
in ganz Deutschland Begeisterung geweckt.
Jetzt ist ihm wieder ein ganz großer Wurf
gelungen. Die von F. Stärk nrit feiner
Einfühlung geschriebene Einleitung erläu-
tert trefflich die 19 Bilder aus den, Um-
kreis der Stiftskirche und Schönenbcrg-
Wallfahrt. Bild und Text wecken die Sebn-
suchl nach einem Ellwanger Wallfabrtö-
büchlein, das unter de» vereinten Händen
von Stirner und Stärk das Ideal eines
Wallfahrtsführers werden kann.

Wilhelm Schmidtbonn. Band 7 der
Sammlung „Die Auswahl aus »eue-
rer Dichtung und Kunst", herausge-
geben von Dr. Heinrich Saedler.
1926. 118 S. Mit Bildnis des
Dichters. Preis geb. 3 Mk. Führer -
Verlag München-Gladbach.

Der siebente der zehn Bände, die im
Führerverlag zu München-Gladbach als
„Auswahl" bis jetzt herausgekommen sind,
ist Wilhelm Schmidlbonn, dem „gotischen
Menschen", dem glücksuchendcn, sinnieren-
den Dramatiker, Erzähler und Lyriker, ge-
widmet. Mit trefflich unterrichtender Ein-
führung von Dr. Saedler versehen, sind in
demselben die schönsten, einen langen Nack-
hall lünterlaffenden Partien aus Schmidt-
bonns Prosa und Poesie enthalten. Es ist
hervorzuheben, daß die Jnhaltssichtung sich
auch auf vollständige Weglassung aller der
Stellen erstreckte, in denen der Dichter zu
zügellos in den Nachtseiten des Lebens
wühlt. Die Ausstattung in Papier, Druck
und Einband ist geschmackvoll.

Großeislingen. Benno Nägele.

Schwarz, K., Ich in Ihm. 1. Bändchen,
2. Auflage. 12°. 455 S. 1927. Frci-
burg, Herder. Geb. 5 Mark.

Ein Berrachtungsbuch für alle Tage des
Jahres gibt der im Dienst der Mariani-
schen Kongregation ergraute Wiener Pfar-
rer Karl Schwarz heraus, wärmstens cmp-

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