Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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fohlen durch' eine längere Einführung, die
P. Georg Haraffer S. J. dem Büchlein
schrieb. Für die Laienwelt, besonders die
Sodalen bestimmt, arbeiten die einzelne»
kurzen Erwägungen ohne das übliche igna-
tianische Schema die Gestalt des verborge-
nen, lehrenden, leidenden Heilands greifbar
anschaulich heraus und stellen sie dem Leser-
in edler, affektvoller Sprache vor die Seele.
Die lebensprühenden, licbcglühendcn, meist
cucharistisch gerichteten Betrachtungen stehen
hinsichtlich der Verteilung von subjektivem
und objektivem Gehalt im umgekehrten Ver-
hältnis z» Lohmannö oder Meschlers Leben
Jesu. Erstercr, fast weiblicher Zug kommt
in häufigen, an Klopstocks Messiade erin-
nernden Affektausbrüchen zum Ausdruck:
„Ich vergehe im Anblick des Geheimniffes";
„in mir schreit cs auf in wahrer Oual", be-
rückend, entzückend und ähnliche Ausdrücke
häufen sich in wenigen Zeilen.

Lcngle, I., Katholische Sittenlehre. 8".

11S S. 1927. Freiburg, Herder.

Geb. 3.20 Mark.

Mit der vom Direktor des Bcrtold-Gym-
nasiums in Freiburg, Dr. Joseph Lenglc,
verfaßten Sittenlehre ist die von badischen
Religionslehrern für die höheren Schulen
berauögegebene „Katholifche Reli -
gionslehre f ü r Schule und
H a » s" zum Abschluß gebracht. Während
der neue preußische Lehrplan die bisher
übliche systematische vollständige Darstellung
der Glaubens- und Sittenlehrc und der
Apologetik verkästen und eine von ganz an-
deren Gesichtspunkten geleitete Stoffver-
teilung .vorgeschrieben bat, bält die für ba-
dische Lehranstalten vom Erzbischöflichen
Ordinariat Freiburg vorgeschriebene Me-
thodik an dem alten System fest und er-
schwerte damit die Benützung der früber
auch in Baden gebrauchten trefflichen Lehr-
bücher von Rauschen u. a. Die neue Be-
arbeitung der Sittenlehre ordnet zwar den
gesamten Lehrstoff nach dem bisherigen Sy-
stem an, wie die früheren kleinen Miniatur-
ausgaben der akademischen Dogmatik- und
Morallehrbücher, läßt aber alle rein theo-
logischen Fragen beiseite und ist auch auf
die Bedürfnisse gebildeter Laien berechnet.
In den zwei lobenswert eingeschobenen Ab-
schnitten über Pflege der idealen Güter und
Sorge für das Geistesleben wäre wohl der

Platz für kurze Stellungnahme zur Kunst,
kirchlicher, profaner, moderner Kunst ge-
wesen. Als erfreuliche Neuerung sei die Bei-
fügung eines künstlerischen Titelbildes (Mo-
ses und die Gesetzestafeln von Raffael)
als Schmuck des ausgezeichneten Lehr- und
Lernbuchs erwähnt.

Cingria, A., Der Verfall der kirchlichen

Kunst. Übersetzt von L. Birchler.

Augsburg, Filscr 1927. 8°. 82 S.
2.80 Mk.

Der aus Ragusa stammende Genfcr
Alexander Cingria gehört zu den originell-
sten Erscheinungen der Kunst der Weft-
schweiz. Sein Kunstschaffen, ob es sich um
Bilder, Mosaiken, Kirchenfenfter, Bühnen-
und Kostümenrwürfe handelt, ist stets von
rauschender Festlichkeit und sinnlich-mysti-
schem Prunk, ganz erstaunlich reich an Ein-
fällen und Gestaltungsformen. CingriaS
Buch ..Ha Decadence de l’Arl Sacre“
hatte in der Schweiz einen großen Erfolg,
und der Künstler stellte sich damit an die
Spitze der religiösen Kunftbcwegung der
Schweiz, die sich beute vor allem in der
Societas Sancti LuCae konzentriert. Cin-
griaS Buch wird leider noch auf lange Zeit
für weite Gebiete aktuell sein. Mit Geist
und Temperament rückt der Künstler-
Schriftsteller darin all den üblen Geistern
auf den Leib, die die wahre christliche Kunst
entstellen. Wie I. K. HuySmanö sieht auch
Cingria im religiösen Kitsch eine direkte
Beleidigung Gottes und ein Werk Satans.
Die Unmittelbarkeit und Wärme der Dar-
stellung verdient höchstes Interesse, vor allem
auch die vitale, lebensbejahende Ausdeu-
tung des Katholizismus. Das Buch er-
scheint hier zum erstenmal in deutscher Fas-
sung, von Dr. Linus Birchler sorgfältig
übersetzt und eingeleitet: der große Dichter
Daul Claudel bat ein Vorwort bcigestcuert.
Das Buch wendet sich an alle Freunde der
Ars Sacra, vor allem auch an den Klerus,
an Künstler und gebildete Christen.

Kühnel, I., Gottes Fahrt. 8°. 32 S.

1927. München. I. Müller. Kart.

1.25 Mark.

Der Herausgeber des „Heliand", der
trefflichen Monatsschrift zur Pflege reli-
giösen Lebens, hat in seinen mehrfach hier
angezeigtcn Büchern, wie Von der Kunst

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