Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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der Enkelin Gottes, Vom Reichtum der
Seele u. a., wie in seiner Zeitschrift reli-
giös-kulturelle Fragen voll Geist und Kraft,
voll Verständnis für die moderne Seele be-
handelt und in fein abgewogenen Worten
zum heutigen Menschen gesprochen. Von
befreundeter Hand sind aus diesen Werken
die markantesten Sentenzen, Goldkörner in
schöner Faffung, gesammelt worden; der
Verlag gab der empfehlenswerten Samm-
lung, in der das Herzblut von Kühnels
Bücher» nach seinem eigenen Geständnis
lebt, ein schönes Gewand und einen sinni-
gen, vcr- und erklärenden Bilderfchmnck
(acht Kupfertiefdruckbilder von Dürer, Hol-
bein, Rubens, Licvensz, Sandberger, Stein-
haufen u. a.) mit auf den Weg.

Wolker, C., Der Religionsunterricht in der
Fortbildungsschule. 2. Aufl. 8°.
166 S. 1927. Herder, Freiburg.
Broschiert 2.60 Mark.

Für die vom Erzbischöfl. Missionsinfti-
tut in Freiburg herausgegebene Sammlung
„Hirt und Herde, Beiträge zu zeit-
gemäßer Seelsorge", hat der Gencralpräses
der kath. Jugendvereine Deutschlands, Lud-
wig Wolker, eine „Wegweisung und Hand-
reichung" für die Katecheten an Fortbil-
dungsschulen verfaßt, die schon bei ihrem
erstmaligen Erscheinen vor kaum einem
Jahr als „befreiende Tat" fast allgemein
gerühmt wurde. Ohne uns auf die jede»
jetzigen und einstigen Katecheten wie den
Laien interessierende Stellungnahme zu Re-
ligion und Religionsunterricht, auf das Pro-
blem der Ersetzung des Systems durch das
Leben hier einzulasse», sei nur auf die Ver-
wendung von Kunst, Bild und Lichtbild,
auf Themen wie Religiöses Volksleben
und Heimatgeschichtc in dieser „vorbeugen-
den und rettenden" Untcrrichtsseelsorge bin-
gewiesen.

Trubctzkoy, Fürst E. N., Die religiöse
Weltanschauung der altrussischen Jko-
ncnbilder. Deutsch von N. v. Arse-
niew. 8". 99 S. 1927. Paderborn
Schöningh. Brosch. 3.79 Mark.

Nicht bloß für Russen ist die geistige
Persönlichkeit und das literarische Werk des
1920 verstorbenen Fürsten Eugen Trubctz-
koy interessant. Vor wie nach dem grauen-
vollen Umsturz der staatlichen und kirch-

lichen Verhältnisse im Zarenreich hat die-
ser wahrhaft tieffromme Edelmann und
christliche Philosoph von vollkommen euro-
päischer Bildung die Gedankenwelt der
Kirche des Morgenlandes im modernen Gei-
stesleben Rußlands in Wort und Schrift ver-
kündet. Nach Arscnicws Schilderung war's
ein Mann von tiefem sittlichen Ernst und wun-
derbarem geistigen Adel, organisch verwach-
sen mit seinem Volkstum, liebevoll sich ver-
senkend in die Schönheiten der national-
kirchlichen Tradition und in die Geheimnisse
der russischen Seele, dabei von echt ökumeni-
schem Geiste. Dieser feinsinnige Stilist von
dem Talent eines Dostojewski und Solwjoff,
ohne die radikal-schwärmerische Art eines
Tolstoi, deutet in zwei im katholischen Pa-
derborner Verlag deutsch herausgegebenen
Essays den religiösphilösophifchen Sinn der
allrussischen Bildkunst. Verklärung der Welt
durch das Leiden und den Sieg über die
Welt durch das Kreuz Christi erklärt er für
den Sinn des wahren Lebens und auch der
allrussischen Kirchenfrömmigkeit. Aszese und
Freude, Weltüberwindung und dadurch
Weltverklärung, Kreuz und Auferstehung,
diese zwei Pole im innersten Wesen der
slawischen Religiosität, sieht Fürst Trubctz-
koy in der farbenprächtigen, leuchtenden und
doch so streng aszetische» Kunst der allrussi-
schen Ikonenmalerei. Die Linien, die Far-
ben, den geistigen Sinn dieser in der Welt
einzig dastehenden Kirchen- und Hausbilder,
und was auch für die Entwicklung okziden-
taler römisch-katholischer Bildcrkultc inter-
essant ist, Sinn und Unsinn der in Rußland
erst Ende des 16. Jahrhunderts aufkommen-
den „frommen Geschmacklosigkeit, die völlige
Umwertung der Werte, die Gold- oder
Silbereinfassung, welche die Ikone ver-
deckte ...", weiß der geistvolle russische
Glaubensphilosoph in beredter Sprache zu
erklären. Schade, daß der Verlag nicht ein-
zelne auch bei uns besonders seit der Kriegs-
gefangenschaft so vieler Russen in Deutsch-
land bekannt gewordene Vertreter dieser
Ikonenmalerei in Abbildung beigefügt hat.
In gleicher Weise führen in den Geist dieser
Himmel und Hölle, Gott und Teufel, Mnstik
und Intellekt, Tod und Triumph und andere
Gegensätze überbrückenden Kunst die zahl«
reichen liturgischen Bücher der russischen
Kirche ein, die so viel noch vom Geist alt-
hellenisch-platonischer Weisheit und altchrist-

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