Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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der drei Entwicklungsstadien (humanistisches,
universalgeschichtlich-protestantifchcS und Dif-
ferenzierungsprozeß in Profan- und Kirchen-
geschichte) und Quellenkunde der Lehrbücher
bis 1800 erweisen Scherers Buch als eine
wahrhaft enzyklopädische Leistung. Über-
raschend, wenn auch im allgemeinen nicht
völlig unbekannt ist das Ergebnis der er-
schöpfenden Einzeluntersuchung über Träger
und Hemmschuhe der Entwicklung der Kir-
chengeschichte an den alt- und neugläubigcn
Hochschulen bis zur Aufhebung des Jesuiten-
ordens. Ob nicht durch Einbeziehung der
immerhin akademischen Kreisen bisweilen
nahestehenden Klosterschulen des 17. und
18. Jahrhunderts, besonders der Benedik-
tiner, soweit sie gelehrige Schüler der Mau-
riner waren oder werden wollten, ein etwas
vorteilhafteres Bild für unsere Seite sich
ergeben hätte? Für die schwäbischen Bene-
diktinerklöfter dieser Epoche sei an die Ver-
zeichnisse schriftstellerischer Arbeiten in Lind-
ners Profeßbüchern, und da die meisten lite-
rarisch tätigen OrdenSgenoffcn zugleich auch
Lehrer an den betreffenden Klostcrakade-
mien oder Gymnasien waren, an meine Dar-
stellung in der Geschichte des humanistischen
Schulwesens in Württemberg (II. 1920,
Seite 748 — 964: Geschichte des höheren
Schulwesens an den sechs Benediktiner-
abteien im heutigen Württemberg vom An-
fang des 16. bis zum Beginn des 19. Jahr-
hunderts) erinnert. Männer wie Sulger,
Bruschius, Stengel, Bucelin, Ziegelbauer
und andere ältere und jüngere Vertreter der
Ordens-, Welt- und Kirchengeschichte ii»
Bcnediktinerhabit überragen doch mcilen
weit die viele» unfruchtbare» Träger aka-
demischer Lehrtätigkeit in beide» Lagern.
Naucler, Besold, Frischlin u. a. begegnen
tinö als bekannte Heimatgenossen. Die Ze,r
für christliche Kunstgeschichte als Neben-
disziplin der Kirchengeschichte war in jenen
Jahrhunderten noch nicht gekommen.

Styqer, P., Die altchristliche Grabcökunst.

'Gr. 8", l23 S., 16 Lichtdrucktafeln.

1927. München, Kösel-Pustct. Geb.

12 Mark.

Der Leiter der großen, aufsehenerregen-
den Ausgrabungen der Apostclgrufr an der
Via Appia geht in seiner temperamentvoll
geschriebenen Studie zur altchristlichen Se-
pulkralkunst neue Wege und schwingt wie
ein echter Nachfolger Bosios, de RossiS, de

Waals die Waffe des Fossor in den Kata-
komben teils zur Abwehr, teils zum Aufbau
einer neuen Wissenschaft der Roma Sotter-
ranea. Zuerst räumt Styger den jahrhun-
dertealten Schutt weg, der sich in der christ-
lichen Altertumskunde durch die in alle
Handbücher verschleppte symbolisch-allego-
rische Auslegung der Denkmäler angehäuft
bat und sogar vom archäologischen inö dog-
matische Gebiet sich seitdem hineinerstreckr.
Die gründliche Aufdeckung dieses Miß-
brauchs der altchristlichcn Grabeskunst er-
weist den Verfasser als Beherrscher beider
Wissenschaften, der Theologie wie der
Archäologie. An die Stelle der alten Typo-
logie und Symbolik setzt Stvger die epische
Deutung (Erzählungszweck), und führt so
eine Reihe wichtiger, seit Jahrzehnten strit-
tiger Probleme der endlichen Lösung ent-
gegen, besonders die dunkle Frage des Ur-
sprungs und der Einheitlichkeit der altchrift-
lichen Kunst.

Möge dieser Vorstoß eines gründliche»
Kenners der antiken wie der altchristlichen
Kunst auch dazu beitragen, des Verfassers
und vieler Archäologen Hoffnung zu er-
füllen, daß endlich der langersehnte Friede
unter den Hauptvertretern der christlichen
Altertumskunde einzieben wird.

Lux, H. I., Dürer als Künstler und Mensch.
12", 55 Seiten, 10 Bilder. Nürn-
berg 1928. Verlag Katb. Bücher-
stube, K. Glock. 1.20 M.

Als siebtes Bändchen der trefflichen
Schriftenreihe „Saat und Ernte, Lebens-
werte aus der Heimat" erscheint zum Ge-
dächtnis des Todesjahres Dürers (1528)
eine kleine Dürerbiographie, versaßt von
dem bekannten Salzburger Schriftsteller
Hermann Joseph Lux. Der Hauptvorzug
des bübsch auögeftatteten Bändchens ist die
bäufige Verwendung geist- und gemütvoller
Worte aus dem schriftlichen Nachlaß des
großen Nürnberger Künstlers, die Auswahl
der Bilder und ein Anbang mit wenig be-
kannten, fromm-anmutigen Gedichten des
deutschen Malerfürfte» — alles in allem
eine empfehlenswerte Jubiläumsgabe!

Der Verlag F. A. Ackermann in München
gibt in Weltpoftkartenformat 300 ausge-
zeichnete Reproduktionen von Dürerbildern
heraus, die sich auch für Lichtbildervorträge
eignen.

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