Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 34
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Kunsthistoriker umgewandelt wurde (I85O), seine Ernennung zum Stadt-
pfarrer an der Heiligkreuzkirche, 1854 die Herausgabe seiner „Ästhetik der
christlich bildenden Kunst des Mittelalters in Deutschland", und ein dauern-
des Andenken und zugleich eine rettende Tat die Vereinigung einer stattlichen
Reihe wertvoller mittelalterlicher Skulpturen in der Sammlung der Lorenz-
kapelle.

Die Blüte der mittelalterlichen Kunst in Rottweil ist kein Zufall. Der
Orpheus der städtischen Sammlung, ehedem ein römischer Fußboden der
Niederlassung auf Hochmauren, läßt ahnen, welche Kunsteindrücke unfern ale-
mannischen Vorfahren sich boten, als sie in die römischen Siedlungen ein-
drangen. Dazu kam der rege Verkehr der alemannisch-christlichen Kultur-
zentren, der Klöster St. Gallen und Reichenau, mit Italien, der gar mannig-
fache Architekturbilder bot — Bilder, die unter ähnlichen Verhältnissen zur
Tat werden konnten und tatsächlich auch geworden sind. Es sei nur erinnert
an die Basilika (ein „königliches", also rein weltliches Gebäude, bestehend aus
einem hohen Mittelschiff und zwei niedrigen Seitenschiffen, an der einen
Schmalseite mit einem Halbrund sApsisO als Abschluß, an der andern der
Eingang), für Verkaufszwecke bestimmt. Hier brauchte man nur einen Strick,
ein Latten- oder Brettergerüst oder eine Zeltbahn von den Trägern des Mittel-
schiffs zu den Außenschiffwänden zu spannen, und man hatte Verkaufsraum
neben Verkaufsraum. Bei Streitigkeiten war der Richter nicht weit. Er hatte
seinen Sitz im Halbrund der vorderen Schmalseite.

Schon frühzeitig wandelte man in Italien Basiliken in christliche Kirchen
um. Später geschah eS auch in Deutschland, z. B. in Trier. ES brauchte dabei
keine großen Veränderungen. DaS Langhaus war der gegebene Raum für die
Gemeinde, die Apsis für den Altar. Für den Klerus schob man einen erhöhten,
mit Schranken abgeschlossenen Platz in den vordersten Teil des Mittelschiffes
ein oder ein Pfeilerviereck zwischen letzteres und die Apsis. Erhöhte man den
Chor, so konnte man ihn mit einer Gruft unterbauen für die Stifter oder die
heiligen Leiber der Patrone der Kirche. Legte man zwischen Chor und Schiff
ein -Querschiff, so bekam der Grundriß die Kreuzesform. Bereicherungen des-
selben waren es, wenn man auch die Seitenschiffe mit Apsiden versah, oder sie
um den Hauptchor herumführte und durch Kapellen erweiterte, oder Quer-
schiff und Chor auf der entgegengesetzten Schmalseite wiederholte (Doppel-
chöre), oder auf derselben eine Vorhalle (Paradies) oder gar einen offenen
Raum mit Brunnen in der Mitte und Säulengang ringsum vorlegte, oder

Verein entrisse», ohne ein eigentliches Manuskript des mit Meisterschaft beherrschten, schon vor der Rott-
weilcr Tagung mehrfach behandelten Themas zu hinterlaffcn. Des dritten Vortragenden Manuskript ist
trotz mehrfachen Versprechens auch zum äußersten Termin, nicht eingegangen. Und doch sollte der altehr-
würdigcn Kunststadt am oberen Neckar wie dem ihr entstammten kunstbegeisterten, um unseren Verein
hochverdienten Juristen August Brcucha mit dem Sonderheft ei» kleiner Tribut des Dankes und Andenkens
entrichtet werden. Dies ward a»ck> in dem in Kairo geschriebenen Gedcnkblatt auf Breuchas all;» frühes
Grab („Archiv f. chr. Kunst" >928, Heft l, S. 8) von dem Schriftleiter zugesagt. So mußte denn nach
Torschluß der Redaktion post exitum de Aegypto aus einem älteren Vortragsmanuskript und neueren
Randbemerkungen sowie neueste Literatur betreffenden RedaktionSzusätzen die Druckvorlage geschaffen
werden. Mit einer Abhandlung über die St, Lorcnzkapcllc in Rottweil und deren jüngste literarische
Würdigung sprang die Redaktion in die Lücke. Möge dieser erste Sonderheftversuch der alten Rottwciler
Kunst nicht unwert sei» !

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