Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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Aus Der Lorenjkapelle in Aottmeil.

Von Prof. Dr. A n t o » N ä g c l c in Gmünd.

I.

Wie ein Echo der letztjährigen Herbsttagung des Rottenburger Diözesan-
kunstvereins, die, in den Mauern der altehrwürdigcn Reichsstadt Rottweil
Mitte September abgehalten, Einheimischen und Fremden die Schätze kirch-
licher Kunst aus romanischer, gotischer und Barockzeit durch drei dort zum
Wort gekonrmenen Redner wieder näherbrachte, erschien Ende des Jahres ein
wertvoller gedruckter Beitrag zur Rottweiler Kunstgeschichte. Es war ein
wohl durch diese eindrucksvolle Bezirksversammlung geweckter Gedanke des
kunstbegeisterten Volksvereinssekretärs vr. Heinrich Getzeny, aus den so
wenig bekannten Bildwerken der St. Lorenzkapelle zu Rottweil eine Auswahl
in Wort und Bild herauszngeben und diese erste Ausgabe cuif die mit beson-
ders vorzüglichen Stücken vertretene Zeit der Spätgotik zu beschränken'). Aus
zwölf Tafeln, darunter eine farbige mit der trefflichen Wiedergabe der ur-
sprünglichen Fassung, wird uns ein Dutzend der hervorragendsten Skulpturen
dieser wertvollen städtischen Sammlung vor Auge und Herz geführt. In kur-
zen, bisweilen fast allzu kurzen Worten beschreibt der Herausgeber die zwölf
Bilder, auch deutet er die wichtigsten Stilwandlungen der schwäbischen Holz-
plastik mn die Wende des 15. znm 16. Jahrhundert an. Dabei stützt er sich
hauptsächlich auf IuliuöBau m, den besten Kenner der schwäbischen Gotik,
der selbst ein kurzes Vor- und Geleitwort zu der Getzenyschen Publikation
geschrieben hat. Im ganzen umfaßt der Text drei Seiten, dein die zwölf Tafeln
folgen, die erste in farbiger Wiedergabe, die elf weiteren in Doppeltondruck.

Der aufstrebende Verlag Emil Fink in Stuttgart, der auch die aus-
gezeichneten Getzenyschen Kirchenkalender „Das Jahr der Kirche" und „Werke
der Meister zum Jahr des Herrn" seit 1926 mit köstlichen Reproduktionen
altdeutscher Meisterwerke herausgibt, hat sich durch diese neue Publikation
aus dem Gebiet heimischer Kunstgeschichte ein bleibendes Verdienst erworben.
Nicht weniger als der Verfasser der zweieinhalbseitigen Tafelbeschreibung ver-
dient es Dank und Anerkennung der württembergischen Kunstliebhaber, dasi
kein Geringerer als der bewährte Neugründer des Ulmer Museums, der
Schöpfer des bahnbrechenden Werks „Gotische Bildwerke Schwabens"
(Augsburg 1921, vr. Benno Filser), Professor vr. Julius Baum, dieser
kleinen Schrift über Rottweiler Kunstbesitz das Geleite gegeben hat.

Die Getzenysche Publikation ist, man muß es fast mit beschämendem Be-
dauern hervorheben, angesichts der seit fast einem Jahrhundert regsamen
KunftvereinSbestrebungen der Schwarzwaldstadt eigentlich der erste beschei-
dene monographische Beitrag zur Rottweiler mittelalterlichen Kunst. Und
doch umfaßt diese nur einen kleinen Teil der in der kleinsten ehemaligen Stadt-
kapelle untergebrachten Kunstschätze, ganz zu schweigen von den kunstgeschicht-
lich hochbedeutsamen Denkmälern der beiden gotischen Stadtkirchen, der Ka-

g Aue der ?orenzkapelle zu Rottweil. Fol. 3 S., 12 Tfl. Stuttgart, Fink. Mappe 3 Mk., Lwbd.
4.50 Mk.

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