Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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Literatur.

Wirbel, Richard, Kloster Jrsee (Deutsche
Kunstführer, herausgegeben von Adolf
Feulner, Bd. 9). 32 S. und 8 Bild-
tafeln in 8". Augsburg 1927, Benno
Filfer. 2 Mark.

FeulnerS Kunstführer schreiten erfreu-
licherweise rüstig voran; seit zwei Jahren
kamen bereits neun Hefte heraus, acht der-
selben sind Klosterführer, und nicht weniger
als sieben befassen sich mit württembergischen
Klöstern und Klosterkirche». Das vor-
liegende Heft greift über unser Land hinaus.
Aber Kloster Jrsee (alt Ursin, heutzutage
zwar Irrenanstalt, hat jedoch von Haus aus
weder mit Irren noch mit Sec etwas zu
tun), in Bayrisch Schwaben links der
Wertach, eine gute Stunde nordwestlich von
Kaufbeure» gelegen und von Wörishofc»
aus leicht zu erreichen, weist in seiner Ge-
schichte viele Beziehungen zum heutigen
Württemberg auf (so stammte P. Placidus
Einer, der Verfasser des handschriftlichen,
bis 1710 reichenden Chronicon imp.
mon. B. M. V. Ursinensis, aus Schw.
Gmünd, und Bernhard Beck, einer der ver-
dientesten Äbte, 1731—65, aus Ehingen
a. D.). Nicht weniger eng sind die kunst-
geschichtlichen Beziehungen zwischen unfern
oberschwäbischen Barockbauten und Kloster
Jrsee. „Mit dem Besitz und den Kirchen-
bauten seiner Nachbarklöster Ottobeuren,
Kempten und Füssen konnte sich Jrsee nie-
mals messen. Doch weiß cs in seiner An-
spruchslosigkeit den Besucher zu befriedigen
>Rez. kann dies aus eigener Erfahrung be-
stätigen! und hätte in der kunstwissenschaft-
lichen Darstellung des süddeutschen Barock,
genauer der Vorarlberger Bauschule, ein-
gehendere Berücksichtigung verdient" (S. 5).
Von mittelalterlichen Bauten findet sich
kaum mehr eine Spur. Völliger Neubau
der Kirche 1699 - 1702 durch Franz Beer
auö Bezau, ein Musterbeispiel des Vorarl-
berger Münsterschemas (S. 8), Vorbild
Obermarchtal und Hofen am Bodensce.
Franz Beer ist wohl auch der Schöpfer des
Konventbaus (1707 ff.) bzw. des Bauplans
für den ganzen Klofterkompler. Stukkator
der Kirche (1702 ff.) ist der noch jugendliche
Joseph Schmuzer von Wessobrunn, dem
auch die bereits den Charakter des Früh-

rokoko aufweisenden Stukkaturen der Prä-
latur (1727 — 29) zugeschrieben werden.
Wiebcl konnte sich auf die zwar knappe, aber
überaus gründliche Vorarbeit von Alfred
S ch r ö d e r stützen (Bistum Augsburg
6, 228 ff.), bat sich jedoch mit warmer Ein-
fühlung in seine Aufgabe selbständig ein-
gelebt, wie fast jede Seite seiner Beschrei-
bung beweist, z. B. S. 12: „Hier hat der
Architekt gebaut, der Stukkator geformt,
aber das Malen der Sonne überlassen ...
es ist ein musikalischer Raum, eine hörende
Kirche von unübertrefflicher Akustik, ein
empfindsames Musikinstrument ..." Auf
die mündliche Nachricht, die S. 12 f. für
eine schon von manchen Besuchern vermutete
Abhängigkeit der Klosterkirche in Rot
(Mönchsrot) von Jrsee beigebracht wird,
sei besonders hingewiesen. Zu S. 22: Der
Meister der hervorragenden Monstranz von
1705 (Abb. 18) ist nach Schröder a. a. O.
S. 236 Wolfgang Fesenmayer aus Augs-
burg.

Hausen o. Urspring. Joseph Zeller.

Werke der Meister zum Jahr des Herr»

1928. Verlag Stuttgart, E. Fink.

3.60 Mark.

Zun: dritten Mal erscheint in dem auf-
strebenden Stuttgarter Verlag Emil Fink
(Schlosistr. 84) ein religiöser Kunstkalen-
der, wie er in Bild und Text idealer nicht
gestaltet werden kann. In großem Format
(18X23), teils in Farben-, teils schwarze»
Doppeltendruck, wird jede Woche ei»
Bild des Hauptfestes beigegeben, wobei die
altdeutschen Meister mit ihrer Gemütsliefe
und Tiefgläubigkeit bevorzugt sind, diesmal
ausschließlich Skulpturen. Auch der Ken-
ner wird über die Auswahl oft wenig bis-
her bekannter Meisterwerke erstaunt sein.
Als Wandschmuck, als Kunstmappe, als
Jllustrationsmittel im Unterricht, als be-
quemstes Mittel der Einführung in spät-
mittelalterlicher Kunstgeschichte lassen sich
die der Aufbewahrung werten Blätter ins-
gesamt verwenden. Der von Dr. Getzeny
verfaßte Tert auf der Rückseite der 54 Bil-
der wird sowohl dem Geist des Kirchen-
jahrs, durch das er führt, wie auch der
künstlerischen Bedeutung der trefflich auö-

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