Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 74
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der Verfasser hofft, überall mit Freuden ausgenommen werden würde. Dessen
Gründung sei schon seit langer Zeit von vielen sehnlich gewünscht und dringend
empfohlen worden. Die auf Errichtung eines solchen Museums gerichteten
Bestrebungen seien auf einmal rasch zum Ziel gefördert worden, dank dem
Interesse des Bischofs Wilhelm von Reiser, der sofort nach Besitzergreifung
der bischöflichen Wohnung die Erlaubnis zur Gründung eines Diö-
zefanmufeums gegeben habe. Ueberzeugt von der Wichtigkeit einer solchen
Gründung, habe er alsbald, nachdem er den Hirtenftab der Diözese zur Hand
genommen — es ist offenbar die sieben Jahre nach seiner WeihbischofS-
ernennung (1886), bald nach dem Tod des Bischofs Karl Joseph von Hefele')
(5. Juni 1893) erfolgte Übernahme des bischöflichen Amtes (I I. Juli 1893
bis I I. Mai 1898) — für das zu gründende Diözesanmuseum mit hoch-
herziger Liberalität geeignete Räume im oberen Stock deö bischöflichen Palais
angewiesen und als Grundstock desselben die von Bischof Joseph von Lipp
auS des Kirchenrats Dursch Galerie angekauften, durch Vermächtnisse deS
Bischofs Karl Joseph von Hefele vermehrte Sammlung altdeutscher Schnitz-
werke überwiesen.

Nach diesem kompetentesten Zeugen, dem Tübinger Professor Paul Kepp-
ler, gebührt also der Gründerruhm, das erste Verdienst an der Errichtung
eines „Diözesanmuseums" dem Bischof Wilhelm von Reiser, und wäre
1893 oder 1894 dessen Geburtsjahr. Das zweite große Verdienst an seiner
Gründung schreibt er einem „edlen und kunstsinnigen Geistlichen unserer
Diözese" zu, der seine eigene bedeutende Kunstsammlung für das Museum in
Aussicht gestellt und auch sofort die schöne Summe von 1000 Mark für Er-
richtung und Einrichtung des Museums dem Vorstand des Kunstvereins über-
geben habe.

Es wäre von hohem geschichtlichem oder biographischem Wert, den ano-
nymen Stifter und das Schicksal seiner Sanunlung kennenzulernen, zumal da
offenbar die versprochene Bildergalerie und das zusagegemäß bedachte Diö-
zesanmuseum verurteilt waren, das gleiche Schicksal teilen zu müssen. llabenk
sua fata libelli und, fügen wir hinzu, auch die oft genug Bücher an Wert über-
ragenden Bildwerke. War eS vielleicht Prälat Hofele, Pfarrer von Ummen-
dorf, der eine beträchtliche Altertümersammlung besaß (ch 1903), oder sein
Nachbar in Unteressendorf, Pfarrer Dr. Joseph Probst, oder etwa einer der
damaligen älteren Domherren an der Kathedrale zu Rottenburg? Vielleicht
gelingt es, durch Aufspürung der Rechnungsbelege in der bischöflichen Regi-
stratur vom Jahre 1893 oder 1894 mit dem Namen deS Stifters der Geld-
summe fürs neugegründete Diözesanmuseum auch den Besitzer der demselben
versprochenen Bildersammlung ausfindig zu machen.

Als Zweck deS neugegründeten Diözesanmuseums, das räumlich und
finanziell wie nach dem Bestand der Sammlungsobjekte auf festen Boden ge-
stellt ward, bezeichnet der Verfasser später die Einführung der akademischen
theologischen Jugend, der den heiligen Weihen entgegengehenden Alumnen des

Ü Für eine Neuauflage des trefflichen Pfefferfchcn Buches S. 5 empfiehlt sich, die Vornamcngebung
bei Bischof Hefele zu verbessern, ebenso GetzenyS Arbeit über Dursch und seine Lorcnzkapellensammlung
aus dem gleichen Verlag von 1927 zu erwähne».

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