Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 76
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gebracht, zu elendem Preis verkauft und nach allen Richtungen verschleppt!
Möchte man doch soviel Klugheit und Pietät haben, zeitig dafür zu sorgen,
daß Kunstwerken, an welchen Auge und Herz so lange hingen, auch nach dem
eigenen Hinscheiden ein guter Platz und eine gute Behandlung gesichert sei")!"

Als Hauptaufgabe, und zwar die zunächst dringendste, formuliert
der geistige Gründer des Rottenburger Diözesanmuseums, die altdeutschen
Bilder der Lippschen Sammlung, des Grundstocks des Museums, genau zu
untersuchen und untersuchen zu lasten, soweit möglich Gegenstand, Herkunft,
Alter, Meister und Schule zu bestimmen und einen Katalog der Sammlung
anzulegen'"). Ferner sollen die vorhandenen Kunftgegenstände im Vereinsorgan
nach genauer Katalogisierung besprochen werden; der Redakteur des „Archiv"
hofft dadurch den Besuch des Museums instruktiv und nutzbringend zu machen").
Derselbe will auch alle das Museum betreffenden Anfragen an sich zunächst
nach Tübingen richten lasten und beantworten, auch vor Einsendung der den,
Museum zugedachten Objekte, die Entscheidung über Brauchbarkeit und Zu-
lastungSfähigkeit selber treffen. Im „Archiv für christliche Kunst" sollen „lau-
fende Berichte über die Fortentwicklung des Diözesanmuseums" gebracht wer-
den. So gibt er schließlich der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß als
Besucher des Diözesanmuseums die Theologen, Alumnen und Geistlichen der
Diözese „mit der Zeit hierhergeführt werden können, um hier durch wirksamen
Anschauungsunterricht sich mit den: alten Kunstleben und Kunstschaffen der
Diözese bekanntzumachen".

Noch in demselben Jahr folgte die Erfüllung wenigstens eines Haupt-
versprechenö, des einen unter den vielen Programmpunkten, aber auch des
einzigen. Im zehnten Monatsheftchen des „Archivs" wurden die 60 Tafel-
bilder der durch Bischof Lipp von Kirchenrat Dursch gekauften und der Diözese
vermachten Sammlung kurz beschrieben in Katalogform, und den einzelnen
Künstlernamen kurze Notizen und Charakteristiken nach dem eben erschiene-
nen „Grundriß der Kunstgeschichte" von Friedrich Freiherr Göler von Ra-
vensburg (Berlin 1894) angefügt"). Dazu werden noch im Anhang 25 wei-
tere Kunstgegenstände, die sich im bischöflichen Palais befinden, aber nicht zum
Diözesanmuseum gehören, angeführt. Bei dieser damals verdienstvollen, von
der heutigen kunstgeschichtlichen Forschung weit überholten Arbeit wurde eine
anerkannte Autorität, Profeffor Hauser in München, Konservator der staat-
lichen Gemäldegalerien, beigezogen, der im August 1894 Einsicht von den
Bildern nahm, ihre Provenienz bestimmte, so wie sie der Archivkatalog ver-
zeichnet, und die von der Hand unverständiger Restauratoren stammende Über-
inalung zahlreicher Bilder beseitigt. Die vom früheren Besitzer, dem Rott-
weiler Stadtpfarrer I. G. M. Dursch, und einem Maler Lang herrührenden
Notizen über die meist dunkle Herkunft der Tafelgemälde wurden teils als
unrichtig, teils als zweifelhaft erkannt. Der hohe Wert der Sammlung wurde
schon damals anerkannt. Als Meister, denen Hauser die Mehrzahl der den
schwäbischen Schulen mit Recht zugehörenden Bilder mit mehr oder weniger

d) Keppler im Archiv >894, 2. 10) Ebenda S. 1. u) Keppler im Archiv f. chr. K. 1894, S. 2.

12) Archiv 12 (1894), S. 85-91.

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