Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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Sicherheit zuschreiben zu muffen glaubte, sind genannt: Bernhard Strigel,
Hans Burgkmaier, Hans Schühlein, Hans Holbein d.Ä., Bartholomäus
Zeitblom, Martin Schaffner, Wolf Traut, Hans Schäufelin, Sebastian
Deig, Meister von Meßkirch, Friedrich Herlin, ferner zwei italienische Re-
naiffancemaler, Strozzi und Baroccio.

3.

Was hätte aus diesen idealen Programmforderungen für Gründung,
Ausbau und Weiterentwicklung eines Diözesanmuseums werden können, wenn
sie nicht fast ausnahmslos um ihre Erfüllung gekommen wären? Woran mag
es gelegen sein, daß mit dem bald nach jenen zwei Museumsartikeln erfolgten
Weggang des Redakteurs des „Archivs" und DiözesankunstvereinSvorstandS
so gut wie alles wieder einschlief, das auö dem Dornröschenschlaf kaum er-
weckte Museumsmärchenkind alsbald wieder die Augen schloß zu langem, allzu
langem Winterschlaf von 35 Jahren? Wir sehen auch in diesem Fall — auch
einem exemplarischen „Pastoralsall"! — die Macht der schöpferischen Persön-
lichkeit, ohne die die Macht der Ideen oft genug zur Ohnmacht wird. Wäre der
Moral- und Pastoralproseffor Paul Keppler, in dem der Geist seines kunst-
begeisterten Oheims, des Pfarrers Laib, fortlebte, seinem Heimatland erhalten
geblieben, und wäre die Berufung nach Freiburg nicht erfolgt, dann hätte
wohl Rottenburg, die Bischofsstadt und Priesterseminarstätte, ein Diözesan-
museum erhalten, wie es z. B. Freising am Sitz des Priefterseminars, oder
München im Georgianeum erhalten hat; es wäre aus dem Tübinger Profeffor
der Sammler oder wenigstens Sammlungsanreger nach Art eines Prälaten
Andreas Schmid in München oder Alexander Schnütgen in Köln, wenn viel-
leicht auch kleineren Formats, geworden. Aber tragisch wirkt die Wendung des
Geschicks, daß der vier Jahre nach jenen schönen DiözesanmuseumSplänen in
die Diözese zurückgerufene ehemalige KunftvereinSvorstand nach Ergreifung
des HirtenftabS nicht mehr seines früheren Museumsprogramms gedachte. Die
Sorge für Diasporakirchenbauten, der gigantische Plan eines neuen Dom-
baus, vielseitige literarische Tätigkeit und andere bekannte und unbekannte
Umstände haben den Rottenburger Bischof leider in fünfundzwanzigjähriger
Amtsführung nicht zur Durchführung dessen kommen lassen, was einst der
Tübinger Professor voll zuversichtlicher Hoffnung von seinem bischöflichen
Vorgänger und dessen Klerus erwartet hat. Nach jenen einwandfreien lite-
rarischen Zeugnissen knüpft sich an den Namen Keppler zu den vielen anderen
Verdiensten auf künstlerischem Gebiet auch der Ruhm, der geistige Vater deö
Diözesanmuseumsgedankens gewesen zu seiu. Professor Keppler ist der ideelle
Gründer des Diözesanmuseums im Jahre 1894 geworden oder richtiger ge-
wesen. Doch den Ruhm der tatsächlichen Verwirklichung überließ der BischofS-
jubilar seinem Nachfolger, Or. Johann Baptist Sproll, der als Generalvikar
und Weihbischof lange Jahre an seiner Seite gestanden und bereitwillig im
IubiläumSjahr des Bistums auf die Erneuerung jener Bestrebungen ein-
ging, deren Seele unter stärkerer Betonung der religiösen Gegenwartskunst
der derzeitige Kunstvereinsvorstand Pfarrer Albert Pfeffer und nicht weniger

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