Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 79
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neuer kirchlicher Graphik warten noch auf geeignetere Unterbringung nach den
Grundsätzen heutiger Museumsverwaltung.

Bei der Neuordnung, Katalogisierung, Aufstellung und Konservierung
der alten Sammlung ist seit Jahren ein Fachmann wie der Karlsruher Galerie-
direktor Dr. Rott dem eifrigen Sachwalter heimischer Kunstschätze, Pfarrer
Pfeffer, zur Seite gestanden.

Nach solch langer und gründlicher Vorbereitungsarbeit kann nunmehr
unser Rottenblirger Diözesanmuseum den Schritt in die große Öffentlichkeit
wagen.

Wohl wird unser neues Rottenburger Diözesanmuseum hinsichtlich der
Quantität der für ein solches Institut heute erforderlichen Kunstgegenstände
wie auch der Zahl der qualitativ hochstehenden Objekte aller Gattungen von
christlicher Kunst und kirchlichem Kunsthandwerk nicht konkurrieren können
mit den älteren deutschen Diözesanmuseen und selbst dem jüngst eröffneten
Brirener"), der Schöpfung auch eines einzigen Mannes, Kanonikus Adrian
Egger. Solche bestehen seit kürzerer oder längerer Zeit vor allem in den alten
Bischofsstädten Deutschlands, etwa 20 an der Zahl, in Köln, Breslau, Frei-
burg i. Br., Hildesheim, Mainz, Osnabrück, Paderborn, Trier, Freising
(Klerikalseminar), München (Georgianeum) in der Art kleiner Schatz-
kammern auch in Bamberg, Fulda, Paffau"). Wo alte reichsstädtische oder
landesfürstliche Einflüffe die Bedeutung des Bischofssitzes überragten oder
mit dem kirchlichen Kulturzentrum in Personalunion vereinigt waren, ist
vollends bei dem Mangel an finanziellen oder organisatorisch-fachmännisch
vorgebildeten Kräften leinein kommunalen oder staatlichen Museum der Vor-
tritt gelaffen worden, so in Würzburg, Mainz, Köln, wo bezeichnenderweise
einer der größten Sammler des 19. Jahrhunderts, Domkapitular Schnüt-
gen, seine einzigartige Galerie christlicher Kunst der Vergangenheit der rhei-
nischen Metropole überlaffen und in städtische Verwaltung übergeben bat;
oder in Augsburg, wo das Diözesanmuseum iu das städtische MaximilianS-
museum als geschloffener Raum eingefügt ist").

Ob auch unser neues Rottenburger Diözesanmuseum den von Georg Lill
bei Einführung deS Brixener Museums aufgestellten Anforderungen an
Werden und Wachsen, Zweck und Einrichtung, Konservierung und Zugäng-
lichmachung in allweg entspricht? Jedenfalls wird der treue Mentor deS In-
stituts, wenn seine Pläne und Wünsche nicht daö oben mitgeteilte Schicksal
des vor fast 4O Jahren von Universitätsprofeffor vr. Keppler ausgestellten
Programms teilen sollen, auf die auch in Brixen, Salzburg u. a. vorbildlich
eingereihte kirchliche Volkskunst sein museales Augenmerk richten müssen,
wie Lill eS von den Diözesanmuseen fordert"). Ein verheißungsvoller Anfang
ist mit alten Beicht- und Kommunionzetteln sowie Heiligenbildchen gemacht.

Daß eS einige Qualitätsstücke in spätgotischer Plastik und besonders

14) Vgl. das ihm gewidmete Sonderheft der Münchener „Christlichen Kunst" XXIV * 1928.

16) l. Lill in „Chr Kunst" 24, 1928, «5. 21.

16) In diesem Mär,Heft der „Chr. Kunst" 1928, S. 21, wird Rottenburg als Sitz einer „bifchöf.
lichen Galerie", nicht eines Diözesanmuseums erwähnt.

17) Ebenda S. 21.

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