Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 80
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Tafelmalerei aufweist, zeigt die zum Jubiläum des Bistumsund zur Eröff-
nung des Museums herausgegebene Bilderauswahl. Diese erste und, wollen
wir hoffen, nicht einzige Veröffentlichung'") aus dem Rottenburger Diözesan-
museum hat neben der trefflichen bildnerischen Vorführung eines Dutzends
kunftgefchichtlicher Kleinodien d. V. die Anregung gegeben, Altes und Neues
zur Vorgeschichte des unter so bedeutsamen Auspizien eröffneten Instituts aus-
zugraben, und mit diesen Novi et vetera, vor allem den Hinweisen auf die
nichtbeachteten Kepplerschen Archivbeiträge, die dürftigen, bisher bekanntge-
gebenen Notizen über die Entwicklung des Museums zu ergänzen.

Möge dieser kleine Beitrag, der vor allem einwandfrei aus seinen eigenen,
an wenig beachteter Stätte erschienenen Publikationen das Verdienst des
Tübinger Profeffors aus seiner vorbischöflichen Zeit in helleS Licht stellt, nach
dem taziteifchen Grundsatz sine ira et studio auch von einzelnen Lesern aus-
genommen werden, wie er vom Verfasser bei der Nachforschung nach dein
Anteil seines hohen Vorgängers in der Redaktion dieser Zeitschrift betätigt
wurde — freilich nicht sine studio im Sinne der Unterlassung von Quellen-
studien, die moderne Kunsthistoriker in ihren kleinen Texten zu großen Bilder-
büchern sich und den Lesern allzu häufig ersparen zu dürfen glauben! Möge vor
allem der wiederausgegrabene Aufruf KepplerS an Kirchenverwaltungen und
sammelnde Geistliche zur Abgabe von Kunstgegenständen an das Diözesan-
museum einen kräftigeren Widerhall als vor den drei oder vier unersetzlich ver-
lorenen Jahrzehnten finden! Einer der edelsten Jubiläumsvorsätze und eines der
köstlichsten Jubiläumsgeschenke zur Zentenarfeier des Bistums wäre es wohl,
wenn die glücklichen Besitzer kirchlicher Kunftaltertümer, Domherrn, Professoren,
Pfarrer und Kapläne, die solche Gegenstände von geistlichen Prinzipalen oder
Vettern erbten, oft als Lohn von Krankenbesuchen erhielten oder mit beredtem
Mund armen und reichen Familien abzusprechen besonders begabt waren,
wenn besonders die Inhaber kirchlicher Kunstwerkftätten, Maler, Altarbauer,
Goldschmiede, Stukkateure, die Unmengen alter, unverständig beiseite gesetzter
Statuen, Gemälde, kirchlicher Altertümer jeder Art aufstapeln konnten, mit
oder ohne Tausch gegen neue Arbeiten, des neugegründeten Diözesanmuseums
gedächten in Jubeljahrsstiftungen oder im Testament. Und da exempla trahunt
und nach Augustins Exegese des EmmauSevangeliums gerade auf diesem Ge-
biet von Gastgeschenken hospites non invitandi sed trahendi sunt, will der Ver-
fasser dieses und Erneuerer des Kepplerschen Aufrufs von 1894 mit dem
guten Beispiel vorangehen und wie beim ersten Aufruf wenigstens einen
eigene SammlungSgegenftände opfernden Diözefangeiftlichen registrieren, der
einzelne Teile seiner schon in Studienjahren begonnenen „Galerie" unbedingt,
andere unter gewissen, leider nicht mehr wie vor den bösen Kriegs- und Jn-
flationöjahren leichten Herzens aufgegebenen Bedingungen dem erneuerten
Diözesanmuseum zu vermachen verspricht — wenn anders dessen Schicksal ein
besseres sein wird als vor 54 Jahren! Vivant sequentes!

’•) Die Zusendung der Vereinsgabe an die Redaktion, das Mitglied des Ausschusses und des Vereins
ist ebenso merkwürdig vergessen worden, wie bei dem im gleiche» Verlag wie das „Archiv" erscheinenden
Jubiläumsbuch über die Diözese Rottenburg und ihre Bischöfe.

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