Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 86
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Frankfurt, den 7. November 1840.

.Wie gerne möchte ich dem Zuge, der in Ihrer freundlichen Ein-
ladung, Sie noch einmal auf dem fchönen Stifte") zu sehen, liegt, folgen kön-
nen. Die paar Tage, die ich bei Ihnen zugebracht, ich gestehe eS, sie waren zu
kurz; gehören zu den schönsten und erquicklichsten, die mir der nun verfloffene
Sommer und Herbst brachten. Eine unternommene Arbeit aber, die ich nun
schon einmal durch eine Reise nach Würzburg, das Porträt des liebenswürdi-
gen Bischofs dort zu zeichnen, unterbrochen habe, kann ich nun wohl ohne be-
denkliche Gefahr für sie nicht noch einmal unterbrechen. Zudem haben die ver-
floffenen Tage mir Sie auch wieder näher gebracht, und sie waren von einer
Witterung begleitet, die in mir die Hoffnung, Sie um so eher hier Wieder-
eintreffen zu sehen, gar sehr belebte.

Was unser Unternehmen mit dem Officium anbelangt, so gestehe ich
Ihnen, daß Herr Domdechant Weis mir aus der Seele gesprochen hat, wenn
er zur Übersetzung des Ganzen rät —alles übrige, hoffe ich, wird sich ermitteln
lasten. Ich habe nun zwar noch nichts dafür begonnen, aber manches gesam-
melt, und vielleicht kann ich Ihnen bei Ihrer Ankunft hier schon etwas mehr
als Pläne Vorbringen. —

Ov erb eck hat seinen Kampf gekämpft, und sich, wie ich sicher glaube, im
Himmelreich ein Kränzlein mehr hinterlegt. Es scheint, Gott wolle ihn ganz
zu sich ziehen. Sein AlphonS starb wie ein heiliges Kind am 28. September.
Overbeck hatte die letzten Wochen feines Lebens die Erlaubnis erhalten, in sei-
nem Zimmer die heilige Meffe lesen lasten zu dürfen, und die jungfräuliche
Leiche wurde mit Blumen und Lilien geschmückt, am Tage des Erzengel Mi-
chael in die Kirche gebracht, die denn auch an diesem Tage nicht im Trauer-
gewande, sondern im freudigen Schmucke war.

Es wird Ihnen lieb sein zu hören, daß sich die unangenehmen Mißver-
ftändniste mit Veit ausgeglichen haben. — Es hat sich nun doch ein Studium
für mich gefunden, Veit ist freundlicher und, wie mir scheint, überhaupt hei-
terer.

Wie stark dieser Streit die Gemüter der künstlerisch interessierten Kreise
weit über Frankfurt hinaus ergriffen hatte, zeigt der folgende Brief Felix
Mendelssohns an seinen Freund, den Freiherrn Franz von BernuS,
der damals Vorstandsmitglied des Kunstvereins war.

Leipzig, 13. Februar 1843.

Lieber BernuS. Haben Sie tausend Dank für Ihren lieben freundlichen
Brief, der mir eine vollkommene Freude bereitet hätte, wenn die V e i t s ch e
Angelegenheit, über die ich schon manches gehört hatte, aber durch Sie erst
alle Details erfuhr, nur nicht als eine für uns alle, für Deutschland recht be-
klagenswerte erschiene. Daß Veit nichts verliert, wenn ein Institut ihm den
Gehalt von so und so viel Gulden nicht mehr giebt, daß das Institut unwie-

*) Es ist das durch Schlosser und Göthe in der Literaturgeschichte bedeutsam gewordene ehemalige
Benediktinerstift ober Heidelberg, dessen Besitzer, ein Nachkomme des im Briefwechsel genannten Freiherr»
von Bern»«, kürzlich der Crzabtci Beuro» fast das ganze Anwesen übergeben hat. Das Priorat ist 1928
zur Abtei erhoben worden und soll demnächst seine» ersten Abt erhalte». D. Red.

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