Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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stellte (S. 21), bedingt durch die Ähnlich-
keit der Struktur der Form des Denkens
mit der der Kunst (S. 22), durch „eine
Willensrichtung" (a. a. £).). Zum Vergleich
aus früherer Zeit zieht er das klaffizistifchc
und idealistische Urteil über die gotische
Welt bei Kant (S. 27 f.) und das über
die gotische Malerei bei Dehio (S. 71)
l eran. Der wenig schmeichelhaften Wertung
der modernen Kunst (S. 75) können die
Freunde christlicher Kunst ohne weiteres zu-
stimmcn, und in ihr liegt dann auch bereits
der Grund, warum „die neue künstlerische
Bewegung ohne eine entsprechende katho-
lische Beteiligung vor sich gegangen ist"
(S. 77). Es ist nicht nur „etwas Klassi-
zistischeS in seiner unfruchtbarsten Weise".
Nennt doch Weiß selber unmittelbar vor-
her mit großer Hochachtung den Namen dcS
Münchner Künstlers Karl Caspar (S. 76).
Er wird dem modernen Katholizismus auch
nicht gerecht, wenn er „die bloße ethische
Mitstimmung in der Zeit" als sein Charak-
teristikum ansicht (S. 78). Und wenn er
als den „eigentlichen Besitz der Welt" nicht
den „vernünftigen Glauben", sondern „die
tätige Hoffnung" anstebt, so darf man doch
fragen, woher eine Hoffnung den Tätigkeits-
drang nehmen soll, die keinen „vernünfti-
gen Glauben" zur Grundlage bat. — Wer
also die nötige Ausdauer besitzt, um sich in
die Gedankengänge und namentlich auch in
die Ausdrucksweise des Verfassers einzu-
arbeiten, der wird mannigfache Anregung
erfahren, aber bei manchen, gerade vom
katholischen Standpunkt aus wichtigen Äu-
ßerungen eine zwingende Begründung ver-
missen. Robr.

Nissen, B. M., Der Rembrandtdeutsche.

8°. 758 S. 1927. 21.- 27. Tausend.

Freiburg, Herder. Orig. Lw. 7.50 Mk.

Langbehn, I., und Nissen, M., Dürer als

Rührer. 8°. 16 S. 81 Vollbilder.

München, Joseph Müller. 2.40 Mk.

Die beiden Bücher gehören ebensogut wie
ihre Verfasser zusammen, auch wenn jene
aus verschiedenen Verlagen stammen. Der
Mann, der im Jahre 1904 den Anstoß zur
Gründung des Dürerbundes und seines
Organs, von Avenariuö' „Kunstwart", gab
und in seiner Denkschrift gemeinsam mit
seinem Freund Momme Nissen, den Nürn-

berger Meister als Führer für deutsches
Leben und deutsche Kunst mit begeisternden
Worten aufftellte, der gottbegnadete Schrift-
steller, der seit 1890 durch sein Buch
„Rembrandt als Erzieher", das deutsche
Gewissen in den wichtigsten Kultur- und
Lebensfragen aufrüttelte, der wird nun end-
lich in seiner einzigartigen Lebensführung,
um nicht zu sagen in seinem Führerleben,
und in seiner Führerrolle dargestellt. Der
wie kein anderer Mensch ihm nahestehende
Freund, Momme Nissen, Maler, Konver-
tit wie Langbehn, und jetzt Dominikaner-
mönch, zieht den Schleier, der Name und
Herkunft, Leben und Sterben des „Rem-
brandtdeutschen" bis vor kurzem selbst den
Eingeweihtesten verhüllt hat. Daß in der
Biographie, die ein Künstler einem eben-
falls wm der Kunst ausgegangenen, zur
Geistes- und Geistcrbildung einer ganzen
Nasson übergegangenen Führer schreibt,
gar vieles für einen Liebbaber der Kunst,
nicht am weniasten religiöser Kunst zu
suchen und zu finden ist, ließ eigene und
fremde Bekanntschaft mit dem eigenartigen
Leben und der ebenso eigenartigen Lebens-
beschreibung bald erkennen, und so erbat der
Schriftleiter die neue, unwesentlich umge-
arbeitete Auslage von Momme Nissenö
Buch über den Rembrandtdeutschen vom
Verlag. Die in nicht wenigen Städten
Württembergs gebaltenen Vorträge des
Verfassers und besonders die der ersten und
zweiten Auslage mitgegebcncn warme»
Worte der Empfehluna seitens unseres
hochseligen Bischofs P. W. v. Keppler, müs-
sen mehr als unsere raumbeschränkte, kurze
Anzeige dem seltenen Buch über einen sel-
tenen Menschen den Weg bahnen. An seiner
bischöslichen Osterbotschaft, einer seiner letz-
ten verrückten Aeußerungen, hat der geist-
volle Wegbahner der Konversion Langbehns
ein Geteitswort zu NissenS Buch geschrie-
ben und ausdrücklich gegen den Schluß des
zehnseiligen Vorworts erklärt: „Ich wün-
sche, daß das Rembrandtbuch, sowie dieleS
Lebensbuch sich bei den Katholiken einbür-
goz-e". Mögen recht viele unserer Leser und
VereinSmitglicdcr diesen Wunsch erfüllen
und dem Verfasser seine auf ungeheures
Schrift- und Druckmaterial gegründete
Arbeit und dem Verlag die opferbereite
Ausstattung (darunter fünf Bilder) danken!
So beginnt zwanzig Jahre nach seinem cin-

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