Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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den starren Gesichtern hineinlasen, hat der
Verfasser bisweilen schonungslos satirisch
zurückgewiesen. Bezüglich der neugermani-
schen Phantastereien Jungs, der sich auch an
den Gmünder romanischen Skulpturen und
am Salvator seine Sporen verdienen
wollte, und ähnlicher Mythologisten, wird
Wiebel durchaus recht behalten; ob auch
gegenüber allen literarisch besser fundierten
Aufstellungen des trefflichen Kenners mit-
telalterlicher Quellen und Literatur, kann
und wird erst eingehendste Nachprüfung und
Neuuntersuchung zeigen. Es hat immer
seine besonderen Schwierigkeiten, wenn es
gilt, „die Figuren zu fragen, nicht den Figu-
ren zu sagen, was sie bedeuten", wie W.
nüt Recht einmal bemerkt. Jedenfalls spre-
chen sowohl die methodischen Grundsätze wie
die für die Ikonographie bedeutsamen Er-
gebnisse zugunsten der Wiebelschen These.
Manche werden das wohl beabsichtigte Bei-
seiteschieben aller bau- und kunstgeschicht-
lichen Probleme der so rätselvollen Schot-
tenkirchc mit einigem Bedauern bemerken.
Kein neuer Deutungsversuch kann an dem
beim Filserschen Verlag gewohnten, typo-
graphisch trefflich ausgestatteten Werk künf-
tig ohne Gewinn vorübergehen. Wickel hat
der Reihe der vielen Deutungsversuche, die
nach Karlinger „für sich ein Kapitel Kunst-
geschichte" bilden, zweifellos ein neues wert-
volles Kapitel angefügt. A. N.

Leiber, R., KonnerSreuth. Tatsachen und
Grundsätze. 12°. 48 S. 1928. Frei-
burg, Herder. Brosch. 0.80 Mk.

Mit dem Auge eines kritisch geschulten,
an kritische Tätigkeit gewöhnten Historikers
und eines in der mystischen wie in der me-
dizinisch-psychologischen Literatur wohl be-
wanderten Theologen untersucht der Je-
suitenpater Leiber die KonnerSrcuther Vor-
gänge. In einem erweiterten Sonderabdruck
eines Artikels der „Stimmen der Zeit"
beurteilt er mit äußerster Vorsicht die Tat-
sachen unter steter Berücksichtigung der im-
mens angewachsenen Literatur über die
stigmatisierte Therese Neumann. Welch
weite Kreise das freilich oft gegensätzliche,
widerspruchsvolle Interesse an den wunder-
samen Erscheinungen der Jungfrau von
KonnerSreuth zieht, konnte Ref. selbst
auf der Überfahrt von Europa nach Ägyp-
ten feftstellen, wo auf dem italienischen

Schnelldampfer die Deck- und Salondeck-
gespräche und selbst eine eigene gedruckte
„KonnerSrcuther Zeitung" sich mit der Be-
gnadeten beschäftigten. Leiber ist ein guter
Führer auf den sehr „steilen und abschüssigen
Gebirgspfaden, auf denen Ekstatische und
Stigmatisierte gehen müssen". Des Ver-
fassers Vorsicht ist eher zu groß als zu
klein. Er glaubt, durch seine zum Abwarten
mahnenden Worte der Sache zu dienen.
Therese Neumann werde die letzte sein, die
ihm diese Vorsicht verüble, wenn alles an
ihr ganz lauter und ganz echt sei. „Wenn es
das aber ist, schließt das treffliche Schrift-
chen, und wir hoffen cs, dann spricht K.
mit Macht für die religiöse und katholische
Weltanschauung."

Herwig, F., Deutsche Heldenlegende. 3. A.

Lex. 8°. 188 S. 1928. Freiburg,

Herder, geb. Lw. 6 M.

Wenn ein Dichter wie Franz Herwig seine
sprachgewaltige, phantasiebeschwingte Feder
in den Dienst der Heimatgeschichte stellt,
dann müssen Lebensbilder deutscher Helden
von packender Größe entstehen. Seine
„Deutsche Heldenlegende", in dritter Auf-
lage eben erschienen, enthält eine Samm-
lung von 8 Lebensbilder von der germani-
schen Urzeit bis zum Dreißigjährigen Krieg,
die auch einzeln neben vier anderen z. T.
mehrere Auflagen erlebt haben (12
Hefte ä 60 Pfg.). Vor eine noch nicht ganz
in Sportfererei oder Kinosensation verdor-
bener Jugend werden Kraftnaturen, ver-
schieden nach Herkunft und Wirksamkeit,
nach Landschaft und Zeit, gestellt, nicht in
trockener Charakterbeschreibung, sondern
in dichterischer Erlebniskunst, Helden, die
reden und handeln, als ständen sie vor uns,
auf einer Wanderung durch die deutsche
Landschaft in Nord und Süd Halt machend,
zu neuem Leben erweckt, neues Leben in
begeisterungsfähigen Herzen weckend. Auf
solch „weiter Fahrt durch die deutsche Ver-
gangenheit mitten in die deutsche Zukunft
hinein" den Dichter und Geschichtschreiber
zu begleiten, mag ein besonderes Ergötzen
für Jugend und Alter fein. Wir lernen
an Herwigs Hand den Führer auf germa-
nischen Wanderzügen (German), den na-
menlosen ersten christlichen Glaubensboten,
Widukind, Kaiser Otto, Barbarossa, Ma-
ximilian, Dürer und zu guter Letzt Johann

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