Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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in englischer Sprache. Die leider wenig illu-
strierte, mit Belegen und Anhangsnoten
versehene, in der Oxford University Press
zu London vornehm gedruckte Broschüre
enthalt einen der im „Henriette Hertz Trust“
jährlich gehaltenen Kunstvorträge über ein
hochbedeutsames, auch für die deutsche
Kunstforschung interessantes Thema: Mit-
telalterliche Malereien in der Westminster-
abtei. Der Vortragende, Herr W. R. Lethaby,
hat sich schon vor zwei Jahrzenten als einer
der besten Kenner dieses Londoner altehr-
würdigen Bauwerks, der großen gotischen
Kathedrale, Krönungskirche der englischen
Könige und Grabstätte der größten Männer
der britischen Nation, erwiesen (1906 gab
L. ein Werk über Westminster heraus). Sein
neuer Beitrag zur Kunstgeschichte dieser
ursprünglichen Benediktinerkirche (980 er-
baut, 1065 erneuert, Neubau von Chor und
Querschiff 1269 geweiht) behandelt die
ältesten Gemäldespuren im Kapitelshaus,
jenem späteren Anbau, der so manche Tragö-
die der englischen Geschichte gesehen, Sze-
nen aus dem Leben Eduards des.Bekenners
und Heinrichs III. sieht man auf den Steinflie-
sen, die nach einer Rechnung um 1250 datiert
sind. Dem Meister Peter von Spanien, der
1272 in einer Altarrechnung vorkommt, wird
sodann die Retable eines Altars im Süd-
gang der Kirche zugeschrieben und dabei
der von den Franzosen wie Viollet le Duc
und auch von den deutschen Kunsthistori-
kern wie Weltmann und Wörmann ange-
nommene französische Ursprung des stark
verletzten, aber hochgotisch meisterhaften
Werks abgelehnt auf Grund eines Verglei-
ches mit Miniaturen einer Handschrift der
Boeiana vom Jahr 1270. Eine dritte Abhand-
lung betrifft die Untersuchung eines an-
deren, dem 13. Jahrhundert ungehörigen
Gemäldes in der Kapelle der hl. Faith (Fides)
„the rnost romantic work of art in London“
(p. 12) nach Ansicht Lethabys. Diese und
ebenso die Schlafzimmermalereien im Kö-
nigspalast (bedchamber) mit einer wahr-
haften „Bestiary“ (Tierfriese) werden dem
1267 nachweisbaren Meister Walter zuge-
schrieben. Auch die beiden letzten Bespre-
chungen der Krönungsstuhlbilder, etlicher
Grabdenkmäler u. a. des französisch-schwei-
zerischen Ritters Otto von Grandson unter
Eduard I. und der Sedilien im Presbyterium
sind wahre Kabinettstücke einer strengster
deutscher Wissenschaftlichkeit entspre-
chenden, archivalisch aufgebauten kunsthi-
storischen Detailforschung. Herzlichster
Dank mit Handschlag und Farewell dem
Altmeister englischer Archäologie und sei-
nem Verleger Mrs. Milford. A. N.

Collodi-Grumaim, Die Geschichte vom höl-
zernen Bengele. 25.-28. Auflage.
8°. (XII und 258 S.) 1927. Frei-
bürg, Herder. Geb. 3,50 Mk.

Ein Kenner der Kinderseele und geborener
Jugendschriftsteller hat diese für kleine und

große Kinder gleich spannend dargeftellte
Geschichte in schlichter und verständlicher
Sprache geschrieben. Mir köstlichem Humor
und feiner Phantasie läßt er aus einem
Holzscheit sein hölzernes Bengele erstehen,
einen Zauberhampel voll lustiger Einfälle
und Streiche, der nach vielen bösen Erfah-
rungen aber doch noch einseben lernt, daß er
dumm gehandelt, und sich nun fest entschließt,
ein braver Knabe zu bleiben. - Die vielen
kleinen, kindertümlichen Zeichnungen (77)
darin vermögen den Eindruck der feffelnden
Erzählung noch zu vertiefen. Möge das
Buch zu den vielen Freunden, die es sich
unter der Jugend schon erworben hat, noch
recht viele neue hinzugewinnen!

Großeislingen. B. Naegele.

Thiel, I., Zwei Zwerge und ein großes Ei.
Eine luftige Bildergeschichte mit Ver-
sen von H. B. Gr. 8°. 28 Bl. mit
56 Bildern. 1928. Freiburg, Herder.
Geb. Halbl. 3.80 Mk.

Wollen wir „Kunst dem Volke" bieten,
müssen wir schon bei den Kleinen anfan-
gen, ihr den Weg zu bereiten. Hatte der
Freiburger Verlag mit dem im „Archiv für
christliche Kunst< 1927, S. 144, empfoh-
lenen Bilderbuch I. Thiels: „Strupp der
Zwerg" einen guten Griff getan, so ist von
dem gleichen Malerdichter mit der lustigen
Bildergeschichte von dem Ei der Zwerge ein
neues ideales Bilderbuch für kleine und
große Kinder geschaffen. In Bild und
Wort blüht die blaue Blume des Mär-
chens. Da tollen drollige Zwerge, Hafen,
Hühner, Füchse und allerlei Getier aus
Gottes Garten und Märchenwäldern, zeich-
nerisch meisterhaft dargeftcllt, in 56 drei-
farbigen Szenen widergespiegelt, mit Ver-
sen des anonymen Dichters im Silbenfall
der Kindervorleserin begleitet. Fast jedes
Bild und beinahe jeder Spruch ist der Art
eines W. Busch ebenbürtig, nur daß dann
und wann der Rhythmus etwas holprig
klingt. Die köstlich erfundenen und bemal-
ten Geschichten von dem Maler Osterhas,
der das Ei der Zwerge bemalt, von dem
durch der Zwerge Schläue überlisteten
Schupomann Fuchs und noch viele andere
der 56 Versbilder müssen nicht nur die
Kleinen, auch Vater und Mutter zum
herzhaften Lachen bringen. Eine gesunde
Kost für jung und alt in guter Aufmachung
zu mäßigem Preis!

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