Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

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dessen Chronik er als 8tutuuriu8 et pictor (Standbildner und Maler) bezeich-
net wird, sondern auch diejenigen des HutzaltarS im Münster und des Wasser-
alfinger Altars eigenhändig geschaffen habe, vielleicht auch den Hagnauer
Altar im städtischen Museum zu Ulm und denjenigen zu Merklingen. Daniel
Manch (genannt 1501 — 1530), wohl der jüngste unter den namhaften Bild-
schnitzern der Ulmer Schule, wird übereinstimmend mit Baum als Urheber
des Hochaltars zu Geislingen an der Steig anerkannt; auch wird ihm u. a. das
Altarwerk zu Wippingen zugeschrieben. Von Christoph Langeise n, der nach
den Klosterannalen von Zwiefalten die dortigen Altäre in Arbeitsteilung mit
Sprlin dem Jüngeren geschnitzt hat (1509—1516), vermochte die Ver-
fasserin keine weiteren Werke nachzuweisen, ebenso von Nikolaus Weck-
m a n n.

Wenn auch im einzelnen viele der von Otto beantworteten Urheberfragen
streitig und zweifelhaft bleiben mögerst), ^ ^iefe bewunderns-

werten: Fleiß gegebene Gesamtdarstellung des Stoffs nicht nur für den Fach-
mann der heimatlichen Kunstgeschichte ein grundlegendes und unentbehrliches
Hilfsmittel, sondern eignet sich durch seine flüssige Sprache und seine schöne
Ausstattung auch für die Hand des Laien. Zur Vorbereitung auf Kunst-
wanderungen ist ihm das Buch als Nachschlagewerk unentbehrlich. In häus-
lichen Mußestunden aber mag es ihm dienen als ein Bilderbuch edelster Art,
auS dessen Blättern zu seinem Gemüt ein hochstehendes Geschlecht seiner Vor-
fahren spricht, denen Religion und Kunst noch eine Einheit bildete.

Die Lücke, welche Gertrud Ottos Schriften noch offen ließen, ist inzwischen
zu einem wesentlichen Teil ausgefüllt worden durch ein 1928 erschienenes
Werk eines anderen Forschers, Dr. Kurt Gerstenberg von Halle a. d. S.,
das nicht weniger prächtig ausgeftattet und nicht minder glänzend geschrieben
ist. Das im Inselverlag Leipzig in der „Bücherreihe Deutscher Meister"
herausgekommene Buch (266 Seiten mit 175 Abbildungen, fein geb. 18 M.)
behandelt den ersten der beiden Großen, die der Ulmer Kunst ihren führenden
Platz in der Bildschnitzerei erobert haben: Hans Multscher, der von 1427
bis 1467 als steuerfreier Bürger und „geschworener Werkmann" wirkte,
geboren vor 1400 in Reichenhofen bei Leutkirch, st 1467. Während SyrlinS
des Älteren Name durch alle Jahrhunderte mit Verehrung genannt wurde,
ist Multscher von der Wissenschaft erst zu Anfang dieses Jahrhunderts wieder
entdeckt worden und ist weiteren Volkskreisen auch heute noch fremd. Um so
mehr dürfen wir uns über dieses würdige Denkmal für einen genialen Schwa-
ben freuen.

Schon im Vorwort betont der Verfasser, der als Nichtschwabe gewiß
von dem Verdacht der Schönfärberei frei ist, daß seit Multscher Ulm an der
Spitze der gotischen Plastik Deutschlands stehe und sogar Nürnberg überrage.
Von der Art deö Meisters Hartmann, dessen träumerisch müde Figuren mehr
als Andachtsgegenftände und bauliche Zierstücke gedacht als zur Darstellung
menschlicher Persönlichkeiten bestimmt waren, hatten schon zwei seiner Ge-

8) Vgl. die Berichtigungen und Ergänzungen von I. Christa im Ulmer Tagblatt vom 23. bis
28. Marz und von I. Schott! im „Schwäbischen Museum" 192S S. 60 f.

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