Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 132
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Inhalt, bald die Form betrifft. Denn in der religiösen Kunst herrscht nie Form allein,
sondern wesentlich Inhalt. Aber auch der religiöse Gegenstand allein sagt noch nichts über
die wirklich religiöse Haltung und ob der wahrhaft religiöse Geist in derzeitigen christlichen
Kunstausstellungen auch interkonfessioneller Art repräsentativ ist, wie einer der berufensten
Fachkritiker der letztjährigen Münchener Ausstellung christlicher Kunst, Dr. A. Wurm"),
hervorhebt. Nicht den Mangel an künstlerischer Gestaltungskraft, sondern an tiefreligiösem
Erleben erklärt er als Ursache des unbefriedigenden Ergebnisses jener Ausstellung, die große
Erdgcbundcnhcit, die durch die Masse jener Werke christlicher Kunst unserer Tage gehe,
statt heiliger Gottgcbundcnheit, die göttlichen Samen, göttliches Licht, göttliche Wärme
durchstrahlen lasse. „Die Frage der religiösen Kunst ist letzten Endes eben immer eine Frage
der Religion der Künstler" — vielleicht weniger mißverständlich gesagt, ihrer Religiosität.
Möge dieses wahre, freimütige Wort des bayerischen Kunstkenners und Kunstkritikers auch
in Württemberg auf gutes Erdreich fallen und hundertfältige Frucht bringen, etwa nach
einer reichen Befruchtung von Geist und Herz durch den in Beuron oder NereSheim auS-
zustreuenden Samen religiös-künstlerischer Freizeiten! Durch diese und andere Mittel der
Vertiefung in die göttliche Aufgabe des religiösen Künstlerberuss, in Selbstheiligung und
Volksheiligung mag eö gelingen, die von der Volks- und Glaubensgemeinschaft nur zu gut
verspürte Harmonie zwischen religiösen und künstlerischen Kräften herbeizuführen und jenes
Ideal zu erreichen, das der Kunstvcreinsvorstand Pfarrer Albert Pfeffer"') bei der Eröff-
nung der Juli-Ausstellung mit beredten Worten geprägt und gezeichnet hat: „Die religiöse
Kunst ist Spiegel der Ewigkeit, ausgeprägt in den Formen der Gegenwart."

") „Augsburger Postzeitung" 30. Oft. 1927.

,ä) Abdruck der Rede im Christliche Kunst (München) 24, 192S' Heft 11, S. 344 f.

Religion und Runft.

Der kirchlichen Runst ist von jeher die konservative Auf-
gabe der Gtilerhaltung zugefallen, sicher nicht zum lTach-
teil einer Entwicklung, die vom Individualismus allein
beherrscht, unter dem Druck materieller Verhältnisse doch
mehr und mehr dem wechselnden Modegeschmack anheim-
gefallen wäre. Die deutsche Formensprache wurzelt im
Gegensatz zu der italienischen in der romanischen und
gotischen Stilperiode, die ihrem Empfinden näherftand
als die über die Alpen gekommene Renaissance, deren
Reaktion mehr auf dem literarischen Gebiet einsetzte, ohne
in das volksbewußtscin überzugehen,
wie das Dogma den Ritus, so beherrscht die kirchliche
Architektur das Gerät des Gottesdienstes.

G. Malkorosky. Oie pariser Weltausstellung in Wort, Bild. S. 335.

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