Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 135
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des Verfassers durch Nachkriegs- und Revolutionsfolgen erst 1921 — im
Druck erschienen^), die zweite Beschlagnahme im Jahre 1918 ohne Mitwir-
kung deS inzwischen an das Realgymnasium in Gmünd beförderten Professors
D. A. Nägele wesentlich vermindert. Interessenten an der finanziellen Wir-
kung dieser Arbeit für das Oupitulum venerubile KuckoIinZense mögen das be-
deutsame Schlußgutachten Kolbs einsehen, daS höchst anerkennend über diesen
eigenartigen, mit einem lange folgenschweren Unfall im Glockendienst endenden
Feldzug sich äußerte und bei den Akten deS Dekanats Riedlingen jetzt liegt.
DaS Verdienst der mühevollen Arbeit, die Kolb auf diesem Gebiet geleistet
hat, scheint in keinem Nachruf erwähnt zu sein. Die Tausende von Glocken,
dieser „Nachbarinnen des Donners", dieser treuen Geleiterinnen deS Men-
schen von der Wiege bis zum Grabe, mögen ihrem treuen Sachwalter, der nack
bestem Wissen und Gewissen sie der Kirche oder aber dem Vaterland Vorbehal-
ten, ihre eherne Stimme als vielstimmigen Grabgruß erschallen lassen!

Mit dem schnellverhallenden Lob der vielen Kirchturmmonumente vereint
sich die dauerhaftere, vernehmbarere Stimme der Wanddenkmäler, die Kolbs
Malerhand in vielen Kirchen des Landes geschaffen hat. Das war ja neben der
Lehr- und Publikationstätigkeit das Hauptfeld künstlerischer Arbeiten Kolbs.
Die künstlerischen Anlagen, die zwei Söhne des Sattlermeisters und dann
Mesners Franz Kolb auszeichneten, die kirchliche und weltliche Bauten der
Vaterstadt an der Schmiechen weiterentwickelten, mehrte der ältere Bruder-
Franz Taver Kolb, der in München herangebildete Kirchenmaler, der längere
Zeit den jüngeren Bruder zu sich nahm, und entfaltete der Unterricht an der
Stuttgarter Kunstschule und an der Nürnberger Kunstgewerbeschule. Den
also tüchtig auf den Zeichenlehrerberuf vorbereiteten dreiundzwanzigjährigen
Künstler berief die Heimatstadt Ebingen im Jahre 1868 an die städtische
FortbildnngS- und Gewerbeschule. Sein hervorragendes Lehrgeschick, seine Ge-
wandtheit im Zeichnen und Malen, seine Unermüdlichkeit in der Weiter-
bildung und Vorbereitung für größere Aufgaben lenkte die Augen der Zentral-
stelle für Handel und Gewerbe in Stuttgart auf den jungen Ehinger Zeichen-
lehrer, der bald darauf an die Stuttgarter Fachschule, 1881 als Professor an
die Kunftgewerbeschule berufen wurde. Sein Hauptlehrauftrag war Aktzeich-
nen und dekorative Malerei. Eine ganze Generation von Künstlern und
Kunsthandwerkern ist in den mehr als drei Jahrzehnten seiner Wirksamkeit
an dem LandeSinftitut aus der Kolbschen Schule und Schulung hervor-
gegangen; die vielen Schüler rühmen noch beute seine Lehrbefähigung, sein
goldenes Herz, seinen erzieherischen Einfluß, seine warme Anteilnahme an der
Entwicklung seiner Schüler, sein reiches Wissen auf dem Gebiet der Orna-
mentik der Kunst aller Völker, Zeiten und Zonen, das er mit freigebiger Hand
als uneigennütziger Säemann ausstreute. Nicht mit sklavischer Nachahmung
der Stile der Vergangenheit sollen sich die Schüler zufriedengeben, sondern
zu Neuschöpfungen im Geist der alten Meister angeleitet werden. Daß er, der
ganz in der Erforschung und Überlieferung der schönen Formenwelt vergange-
ner Kunstperioden aufging, für die tastenden Versuche des damaligen Iugend-

*) A, Nägele: Die Glocken des Oberamts Riedlingen. Stuttgart, Kohlhammer 1921.

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