Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 43.1928

Seite: 137
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die in früheren Jahrzehnten die Grundlagen des heimatlichen Zeichenunter-
richts bildeten. Gemeinsam mit Professor Seubert schuf Kolb Vorlagen für
Dekorationsmaler in dem Werk „Der Dekorateur". Seine bedeutsamste Ar-
beit ist das Tafelwerk „GlaSmalereieu des Mittelalters und der Renaissance",
1889 veröffentlicht als Frucht vieler Reisen und Aufnahmen der herrlichsten
Meisterwerke Mitteleuropas an Ort und Stelle mit Stift und Pinsel, nicht
wie heute mit dem photographischen Apparat, 60 farbige Foliotafeln. Seit
1897 gab H. Kolb mit Vorländer und Borrmann in großen Farbendrucken
bei WaSmuth in Berlin „Aufnahmen mittelalterlicher Wand- und Decken-
malereien in Deutschland" heraus; 45 Tafeln stammen von seiner Hand").
Kleinere Aufsätze mit Reproduktionen von Abbildungen von seiner Künstler-
hand sind in alle Welt zerstreut. Auch an der Münchener Zeitschrift „Die
christliche Kunst" nahm er als Mitglied der Gesellschaft für christliche Kunst
gestaltenden Anteil. Unser Diözesanvereinsorgan „Archiv für christliche
Kunst" wie das eingegangene württembergische Organ auf evangelischer Seite,
das „Christliche Kunstblatt", haben mehrfach Kolbs Verdienste um Kirchen-
bemalung und Gemälderestaurationen gewürdigt.

Hier darf nicht unerwähnt bleiben, was sicher in weitesten Kreisen inner-
halb und außerhalb der schwäbischen Residenz unbekannt geblieben ist. Den
Kopf des Stuttgarter „Katholischen Sonntagsblatts", das heute in einer
Auflage von 100 000 über Land und Meer verbreitet ist, zierte gegen vierzig
Jahre lang ein Millionen Lesern vertraut gewordenes frommes Bild aus der
Künstlerhand Kolbs, bis es neulich „technischen Verbesserungen" weichen
mußte. Nicht umsonst hat der langjährige, fast gleichaltrige Leiter deS Blattes,
Prälat Kümmel, noch kurz vor seinem Tod H. von Kolb mit seinem Besuch
erfreut und geehrt, ebenso wie der Diözesanbischof.

Die Pietät gegen einen Künstler und Kunftlehrer, der fast wie der Nestor
F. von Schillers „drei Menschenalter sah", die Dankesschuld für alles, was
Hans von Kolb dem Diözesankunstverein und seinen vor ihm geschiedenen
wechselnden Vorständen als tätiges, an Stelle eines großen Schwaben, Hof-
baudirektors Joseph von Egle, 1899 in der RavenSburger Generalversamm-
lung gewähltes Ausschußmitglied gewesen, rechtfertigt eS, wenn im Ver-
einsorgan ein Gedenkblatt als Kranz aufs Überlinger Grab niedergelegt wird.
Wer so wie er Religion und Kunst harmonisch vereinigt im Glauben und
Leben von frühester Jugend bis ins höchste Alter, dem ist die Kunst nach
Dantes Wort zeitlebens die „Enkelin Gottes" gewesen, ein Ehrentitel, den
jüngst der gottbegnadete schlesische Schriftsteller zum Titel seines goldenen
Buches genommen bat"). Der hat gelebt für alle Zeiten, der nicht nur, wie der
Dichter es meint, den Besten seiner Zeit genug getan, sondern als Künstler
auf den Pfaden irdischer Schönheit dem Göttlichen suchend entgegengegangen.
Über solch einem Grab reichen sich Glaube und Kunst als Geschwister die
Hand, Zeit und Ewigkeit verknüpfend. Jener macht ja nach einem geistvollen
WortH den Himmel uns zur Heimat, diese macht die Heimat uns zum Himmel!

4 I» Herders und Kürschners Literaturkalender ist leider der Name H. Kolbs mit seine» literarischen
Arbeiten nicht aufgenommen.

6) Vgl. die Besprechung im Arch.f. chr. K. 1926, S. 84. 1927, S. >42.

’) Vgl. Arch.f.chr.K. 1927, S. 142.

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