Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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ARCHIV

FÜR CHRISTLICHE KUNST

Organ des Rottenbürger Diözesan^-Kunstvereins

Redigiert von P ro fe s f o r D r. A. N ä ge l e, Schwab. Gmünd, Vogelhof 3

Eigentum des Rottenburger Diözesan-Kunst-
Vereins e. V. / KommissionS - Verlag der
Schwabenverlag Aktiengesellschaft Stuttgart.

XLIV

1. Heft

Erscheint vierteljährlich. / Bezugspreis jähr-
lich Mk. 7.50 / Bestellungen nehmen sämtl.
Buchhandlungen sowie auch derVerlag entgegen

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kill neues IUerfchren jnr Rettung gesprungener ßlotfen.

Würdigung der autogenen Glockenschweißung der Firma Lachenmeyer in Nördlingen
Von Prof. Dr. Anton Nägele, Gmünd.

I.

Welch unschätzbare Werte nicht bloß materieller, auch geschichtlicher und
kunftgeschichtlicher Art unsere Kirchtürme bergen, hat uns nach jahrhunderte-
langem, fast ungestörtem Besitz der Weltkrieg gelehrt. Selten hat der Klang
der Glocken so tief ans Herz gerührt, als damals an der Wende vom dritten
zum vierten Kriegsjahr, wo so viele ihr Abschiedslied singen und statt Gottes
Ehre und Friede den Menschen zu künden, Tod und Verderben aus dem
Schlachtfeld zu bringen bestimmt wurden. Glocken wurden zu Kanonen, aber
auch dieses letzte VerzweiflungSmittel konnte einer Welt von Feinden gegen-
über nicht zum Endsieg verhelfen. Nur zu bald sollte die Zeit kommen, da
Kanonen wieder zu Glocken wurden, aber freilich um teureren Preis als bei
der ersten bösen Umwandlung. Der böse Krieg, der noch bösere Frieden und
die folgende allerböseste Inflation steigerten den Preis der Glocken zu fast
unerschwinglicher Höhe. Und doch war kaum eine Gemeinde in ganz Deutsch-
land und Österreich, die nicht nach Ersatz der in zweimaliger Beschlagnahme
verlorenen Friedensbotinnen sich gesehnt, kaum eine einzige auch, die nicht in
diesen zehn Nachkriegsjahren ihr Geläute ganz oder zum Teil ergänzt hätte
mit bewunderungswürdigem Opfersinn.

„Sonst wurden aus Glocken Kanonen gegossen,

So sind nun Kanonen zu Glocken geflossen,

Und was einst dröhnte mit schrecklichem Knall,

Das tönet jetzt freudig in friedlichem Schall."

So können heute Tausende von Schwestern der 1876 gegossenen Marien-
glocke in der Marienkirche zu Biebrich am Rhein singen und sagen').

') Vgl. den ersten Abschnitt: Glocken und Krieg, in meiner Abhandlung: Die Glocken des OberamtL
Riedlingen. S.A. aus Württembergische Jahrbücher 1921, S. 112 — 115.

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