Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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kann von den Jungen verlangen, daß sie da lernen, wo dasselbe nicht zu
fürchten ist. Sie brauchen sich dabei ihrer Freiheit nicht zu begeben. In einem
von sachkundiger Seite geschriebenen Artikel des ,/Deutschen Volksblatts"
über die Ausstellung christlicher Kunst in Stuttgart wurden bei manchen von
den Jüngeren die Zusammenhänge mit ihren Lehrern oder Vorbildern nach-
gewiesen und hervorgehoben, daß zur Zeit eine neue Kunstrichtung die bis-
herige ablöst. Dies Abrücken kommt doch wohl einem Werturteil gleich, und
wohin die Jugend gehen soll, das zeigt der Gesamteindruck von über 4OO Kunst-
werken zweier Schulen in Baden-Baden: es ist ein Abrücken von den Ex-
tremen, eine Rückkehr zur Klarheit und Natürlichkeit.

Üiomsnische Kunst im Menseegebiel.

Geleitwort

von UniversitätSprofeffor Dr. Joseph Sauer, Freiburg i. Br. zu I. Hecht,
Der Romanische Kirchenbau des Bodenseegebietes').

Die kirchliche Kunst romanischer Zeit ist für das Bodenseegebiet noch nie
im Zusammenhang und vor allem nie vollständig einer wisienschaftlichen Wür-
digung unterzogen worden. Und doch treten hier entwicklungsgeschichtlich so
bedeutungsvolle Momente und Formen früh schon auf, die allein schon zu einer
gewissenhaften und umfassenden Prüfung hätten nötigen müssen; vor allem
aber begegnen uns hier fast noch unberührte Denkmäler, die uns in die Früh-
tage nordischen Gestaltens am Anfang des Mittelalters führen können, über
die aber zumeist auch eine ausgiebige frühmittelalterliche dokumentarische Be-
richterstattung vorliegt. Die Münsterbauten von St. Gallen, von Schaff-
hausen und Konstanz, die Klosterkirchen der Reichenau und Rheinau werden
fast in jeder Kunstgeschichte genannt; aber wissenschaftlich abschließend bear-
beitet ist, sieht man vielleicht von erfterem ab, die Baugeschichte noch keines
einzigen dieser frühen Monumente. Für daö Konstanzer Münster fehlt sie
gänzlich; auch die des Schaffhausener Münsters muß trotz der Arbeiten von
Henking und Wüescher-Becchi nach den Ergebnissen der jüngsten Ausgrabun-
gen neu geschrieben werden. Und auch für die Reichenauer Kirchen ist das
baugeschichtliche Bild trotz mehrfacher Versuche noch keineswegs geklärt. Daß
sich aber um diese in der allgemeinen Kunstgeschichte gebuchten Namen noch
ein größerer Kranz von stillen, einfachen Landkirchen in dieser stark zerrissenen
Landschaft legt, wissen vielfach nicht einmal die Einheimischen.

Als darum vor mehr denn Jahresfrist der Verlag Frobenius das Er-
scheinen deS vorliegenden Werkes ankündigte, war das ein Ereignis, das bei
den Fachgelehrten die gespannteste Erwartung auslöste. Eine ernste und bren-
nendste Aufgabe kunstgeschichilicher Forschung deS FrübmittelalterS sollte hier
restlos gelöst, das gesamte baugeschichtliche Material romanischer Zeit im *)

*) Band I (432 Seiten Text und 261 Tafeln mit 639 Abbildungen), Basel 1928, Frobenius A.-G.
Ladenpreis 92 Mark — 115 Franken (nach Ausgabe des Bandes). Interessenten an dem auch für uns
Württemberger hochbedeutsamen Prachtwerk mögen sich wegen Erleichterung der Zahlungsweise an den
Verfasser, St.-Rat Or. Hecht, Konstanz, Kamorftr. 3, vertrauensvoll wenden.

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