Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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ergrauten Mann der Zukunft ungeheuer sich weiten, so hat er doch gründlichste
Kenntnis des gesamten Quellenmaterials sich angeeignet und hat auch für
besten Interpretation durch seine Beobachtungen an den Bauwerken ganz
neue Resultate erzielt. Und er besitzt vor allem den Mut eigener Überzeugung
und freier Aussprache.

In jedem Falle darf die wissenschaftliche Welt diese Veröffentlichung, die
eine längst schon fällige Aufgabe so wacker löst, mit Freude und Dankbarkeit
entgegennehmen und Erkenntlichkeit auch dem Verlage zollen, der sie in so ge-
diegene, buchtechnisch meisterhafte Gewandung gekleidet hat.

Die Wamalion Oer jfleresljeimer Staötpfarrfirrfje.

Von Ludwig Z im nur, Superior in Gmünd.

Das Zurückrestaurieren einer Kirche mit dem Ziel der Wiedergewinnung
des alten Stilcharakters ist immer eine schwierige Aufgabe. In Neresheim
handelte es sich darum, diese in größerem Ausmaß zu lösen. Die Stadtpfarr-
kirche verlor in den Jahren 1884 — 85 ihren gewaltigen barocken Hochaltar,
Nebenaltäre und die Kanzel, später auch das Orgelgehäuse. An die Stelle
traten die bekannten neuromanischen Altäre, ein solches Orgelgehäuse, stillose
Stationentafeln. Farbige Fenster in Tapetenmustern vollendeten den „neuen
Stil".

Bei dieser Sachlage entschloß man sich im Einklang mit dem Vorstand
des DiözesankunstvereinS für möglichste Wiederherstellung des Alten unter
Ausscheidung der fremdartigen Zutaten, wobei der Kostenpunkt nicht die letzte
Rolle spielte. Glücklicherweise hatte man für die Kanzel das gute Barockftück
aus der GotteSackerkirche zur Verfügung. Zwei vorhandene, in der Kirche auf-
gehängte Gemälde mit selten schönen Barockrahmen in reichem Schnitzwerk
nahin man als Retabeln für die Nebenaltäre über je einer stilgerechten, in
rotem Stuckmarmor hergestellten Mensa. Beim Umbau des Hochaltars ent-
schloß man sich für eine Versetzung nach der Ostwand. Kunstmaler Schenk
aus Gmünd, dem die Leitung der Arbeiten übertragen war, uralte ein Groß-
freskogemälde als Altarbild, das von der Stuckmensa bis zum Gewölbe reicht.
Es stellt die Himmelfahrt Mariä dar, klingt, ohne des Künstlers Eigenart zu
verleugnen, in seiner Komposition an Barock an, jubelt in seinen Farben. Die
Madonnengestalt ist in ihrer Innigkeit hoheitsvoll, umgeben von einem Rei-
gen reizvoller Engelköpfe, verbindet das Erdhafte, die um das Grab ver-
sammelte Apostelgruppe mit ihren ausgeprägten Charakterköpfen, mit dem
Himmel. Das Gemälde beherrscht die Kirche nach der Vertikale.

Die neuen bilderlosen Fenster iu Antikglas verleugnen jeglichen Selbst-
zweck, um ganz dem Kirchenraum mit einer Fülle von Licht dienen zu können.
Da leuchten die alten, farbenfrohen, gereinigten Fresken des I o h a n n
Michael Zink, dessen Kunstfleiß auch im benachbarten Utzmemmingen und

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