Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 20
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Zwei alte jllleiflerwerke

aus öem neuen lliotlenbnrgee Diöiefanmufeum.

Ein köstlicher Bildschmuck kann durch gütiges Entgegenkommen der rühm-
lich bekannten Verlagsfirma E. Fink-Stuttgart dem ersten Heft des neuen
Jahrgangs mitgegeben werden, nachdem leider die geplante Illustration
meines Artikels über das Diözesanmuseum einst und jetzt (A. chr. K. 1928,
H. 3, S. 69 ff.) durch finanzielle und technische Armseligkeit vereitelt wor-
den war. Zwei Kleinodien sind eö, die unter den etwa achtzig altdeutschen
Kunstwerken in der neugeordneten bischöflichen Galerie hervorragen durch
Farbengebung und Komposition, Ausdruck und Wahrheitsgehalt: ein kleines
Tafelgemälde und eine größere Holzbildgruppe. Durch ihre technisch vollendete
Wiedergabe in den Farben des Originals bildeten die beiden Reproduktionen
einen Hauptschmuck des von Pfarrer Pfeffer zur Feier des Diözesanjubi-
laums herausgegebenen, zugleich als Vereinsgabe bestimmten Buchs, das drei-
zehn Bilder aus dem Diözefanjubiläum weiteren Kreisen bekannt machte').

I.

Das erste Bild, die Hl. Dreifaltigkeit, stammt aus dem Besitz des Bi-
schofs Joseph von Lipp, der durch Ankauf der zweiten Sammlung des Kir-
chenrats Dr. G. M. Durfch in Rottweil den Grundstein zu der heutigen
bischöflichen Galerie legte und die durch etliche Stücke eigener Erwerbung
vermehrte Bildersammlung 1864 testamentarisch dem Bistum vermachte. Ob
diese merkwürdige Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit von dem Rottwei-
ler Stadtpfarrer erworben oder schon früher von dem ehemaligen Professor
an der Gmünder Lateinschule und am Gymnasium zu Ehingen, Joseph Lipp,
irgendwo gekauft wurde, ist nicht mehr feftzuftellen. Jedenfalls hing sie lange
über dem Schreibpult des Bischofs, ein Zeichen der Wertschätzung des Bildes.
Unter seinem zweiten Nachfolger, Bischof Wilhelm v. Reiser, sollten die
Schätze der auf ein halbes Hundert angewachsenen Sammlung im Palais
weiteren Rottenburger Kreisen zugänglich gemacht und nach des damaligen
Tübinger Professors Or. Paul Keppler Plan") ein Diözesanmuseum gegrün-
det werden'); aber es sollte bei dem schönen im DiözesankunstvereinSorgan ent-
worfenen Programm noch jahrzehntelang bleiben, bis aus Anlaß der Jahr-
hundertfeier des Bistums Rottenburg der Nachfolger Paul Wilhelms von
Keppler den. hochgemuten Plan in die Tat umsetzte und neue Räume für die
neugeordnete Sammlung zur Verfügung stellte. Und jetzt erst konnte mit einer-
kleinen Auswahl aus der etwa achtzig Nummern zählenden Galerie auch das
vorne abgebildete Kleinod spätgotischer Malerei erstmals ans Licht der Öffent-
lichkeit treten.

*) Das Diözesanmuseum in Rottenburg. 14 Wiedergaben mit einem Begleitwort von A. Pfeffer,
Stuttgart, E. Fink, 1928; Nr. 9 und 12.

2) Im Archiv f. chr. K. 1894 S. 1 ff.

3) Vergl. A. Nägele im Archiv f. chr. K. 1928 S. 72 ff.

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