Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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fenburg und Künstlernamen wie Tilman
Riemenschneider, Matthias Grünewald,
Giovani Battifta Tiepolo, Balthasar Neu-
nrann, Johann Dientzenhofer u. a. An den
Ufern des weinfrohen Rheinbruders, des
Main, wandern wir unter der kundigsten
Führung des Verfaffers der „Künstlerischen
Kultur des Abendlandes", des bedeutenden
Michelangeloforschere und lernen ein Jahr-
tausend dieses in Architektur, Plastik, Ma-
lerei sich widerspiegelnden Geisteslebens
kennen, besten Bedeutung Fr. Knapp in sei-
ner ebenso kurzen als weit und hochgespann-
ten Einleitung klar darlegt. Nicht nach
topographischem Gesichtspunkt wird das un-
ermeßlich reiche Kunstgebiet Mainfranken
uns vorgeführt, sondern nach den drei
hauptsächlichsten Betätigungen künstlerischen
Schaffens und innerhalb derselben jedes-
mal nach den Hauptftufen der Stilentwick-
lung Baukunst (Kirchenbau, Burg, Stadt
und Bürgerhaus), Plastik und Malerei
von der Romantik bis zum Rokoko abge-
handelt. Wer in dieser wistenschaftlich ge-
wiß begründeten Teilung der Zersplitterung
den richtigen Ausgleich zwischen gelehrter
Sachlichkeit und künstlerischer Anschaulich-
keit in KnappS Merkchen nicht erblicken will,
der möge des Verfassers Wort bedenken,
daß der Laie sich auch in die Welt der For-
men erst hineinarbeiten muß und daß der
Gelehrte nicht Unmögliches an Allseitigkeit
und Überflüssiges an Detailweisheit for-
dern soll (S. 6). Die Wahl des goldenen
Mittelwegs, die gemütvolle Sprache, die
wissenschaftliche Zuverlässigkeit des Verfas-
sers und nicht zuletzt die prächtige Ausstat-
tung durch den Verlag Stürtz lassen auch
meinerseits hoffen und wünschen, daß das
Werk „ein wahres Volksbuch werde".
KnappS Mainfranken hat auch uns Würt-
tembergern manches Alte und Neue zu sa-
gen. Welchen Fortschritt Forschungs- und
DarftellungSkunst gemacht hat, zeigt ein
Vergleich von KnappS Mainfranken mit
unseres alten DetzelS Wanderbüchlein: Eine
Kunftreise durch das Frankenland (Würz-
burg, Wörl, 1885). Nach und neben der
einzigartigen gemeindeutschen Kunstbedeu-
tung von Bamberg, Würzburg, Aschaffen-
burg kommen fränkische Künstler und
Kunstwerke auf dem Boden des schwäbisch-
fränkischen Heimatlandes mehrfach zur Gel-
tung. So sehen wir in Wort und Bild

Schöntal, Komburg, Mergentheim, Lauden-
bach, Weikeröheim, Langenburg, Nereshrim,
Schöpfungen und Arbeiten von Anwander,
Baumhauer, Grünewald, Riemenschneider,
Kern, Zick, Mußmann und anderen großen
und kleinen Meistern, denen wir in der
Kunstgeschichte Württembergs begegnen.
Wie dem verehrten Würzburger Gelehrten
soll auch vielen schwäbischen Lesern daö
schöne kleine Buch ein willkommener Ersatz
sein für das große, durch den Zusammen-
bruch vereitelte Inventarwerk, das „Na-
tional-Denkmal: Deutsche Heimat — Deut-
sche Kunst!"

Rieß, E., und Matthießen W., Das Engel-
kind. Eine Bildergeschichte. 4". 40 S.
1928. Freiburg Herder. Hlw. 4.60
Mark.

Der Maler Ernst Rieß und der längst
bewährte Erzähler Wilhelm Matthießen
haben sich brüderlich zusammengetan und ein
Bilderbuch von dem früh gestorbenen, ein
Engelein gewordenen Kind geschaffen. Auf
18 großen mehrfarbigen Blättern und eben-
so vielen Tertseiten dem Bild gegenüber
sahen und lasen wir die Geschichte eines
Kindes, das der Herrgott wieder zu sich ge-
holt hat. Wie das Kind vom Krankenbett
auf Erden in den Himmel, durch das Tor
des hl. Petrus zum Throne Gottes geführt
wird, was es im Iahreslauf bis zu dem auch
im Himmel alle Jahre wieder gefeierten
Weihnachtsfest — auch für das als Ersatz
den Eltern geschickte Schwesterchen lut — ist
mit vollendeter Anmut und kindlicher Denk-
und Anschauungsweise von beiden Künstlern
geschildert. Erde und Himmel, Natur und
Gott, Menschenleid und Engelsfreud begeg-
nen sich hier auf wundersame, kindertümlich
ureigenste Art". Mir scheint beinahe, es
sei in dem Maler und Erzähler vom Engels-
kind ein neuer Danteumdichter für kleinste
Kinder erstanden, wie der gottbegnadete
Arztdichter Heinrich G a s s e r t (gestorben
1928 in Überlingen) in seinem Epos „Im
Land der Seligen" (1914) mit dantesker
Schaukraft Diesseitsfterben und Ienseits-
leben seines früh vollendeten Kindes geschil-
dert hat.

Doye, F. v. S., Verzeichnis von Heiligen
und Seligen der römisch-katholischen
Kirche. Band 1, Liefrg. I - 8 (A bis
M) ä 3.60 Mk. Lex. 8°. 800 S.
1928 Leipzig. Vierquellenverlag.

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