Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Seit der Augsburger Domdekan I.
Stadler sein fünfbändiges „Vollständiges
Heiligenlexikon" (1857 — 1862) herausge-
geben, hat niemand sich an die zeitgemäße
Erneuerung des für jene „alten Tage" be-
deutsamen und verdienstlichen Werks, das
heute längst vergriffen ist, gewagt. Wenn
einer, dann hätte nur P. Hildebrand
Bihlmeyer 0. 8. B., der Herausgeber
des leider bald wieder abgebrochenen hagio-
graphischen Jahresberichts (1901 bis 1905)
mit seinem gründlich eingeschulten Mit-
arbeiterstab diese eines Mannes Kraft
übersteigende Aufgabe übernehmen können,
und er hat auch, wie der zu früh (15. Sep-
tember 1924) fern der irdischen und klö-
sterlichen Heimat hinweggeraffte Beuroner
Mönch dem Freunde verraten, diesen
gigantischen Plan ins Auge gefaßt. In eng-
lischer Sprache ist inzwischen ein Werk,
das auch die französischen Bollandiften nicht
unternehmen wollten, erschienen, F. G. Hol-
wecks Biographical Dictionary of the
Saints (St. Louis 1924). Aber auch die-
ser dem Namen nach wohl deutsch-amerika-
nische Verfasser eines biographischen Heili-
genlexikons konnte nur eine kompilatorische
Leistung mit seinen Mitteln erzielen. Um
nun nicht länger die deutsche katholische Öf-
fentlichkeit auf ein ähnliches Verzeichnis
aller kanonisierter oder überhaupt verehrten
Heiligen und Seligen warten zu lassen, hat
ein Laie, der in Marienbad (Böhmen bezw.
Tschechoslowakei) lebende schlesische Schrift-
steller Franz von SaleS Dope den nicht hoch
genug anzuschlagenden Mut gefaßt, ein we-
niger umfangreiches, aber ausreichendes Ge-
samtverzeichnis aller Heiligen der römisch-
katholischen Kirche in zwei Bänden heraus-
zugeben und zwar in Lieferungen zu je
96 Seiten. Aus Hunderten von Sammel-
werken und teilweise auch Monographien
hat der von Welt- und Ordenögeiftlichen,
auch Baron P. F. v. Kettenburg in Kopen-
hagen laut Siglenverzeichnis beratene Ver-
fasser die wichtigsten Lebensdaten jedes Hei-
ligen mit Angabe der Attribute und Patro-
nate zu erforschen gesucht, bisweilen nur in
einer Zeile nach Martyrologienart, öfters
auch und mit gutem Recht bei den in Welt-
und Kirchengeschichte bedeutsameren Heiligen-
geftalten etwas ausführlicher. Die Volks-
kunde und Kunstgeschichte bezw. Ikonogra-
phie wird aus diesen in Kleindruck beigege-

benen Notizen sicher manchen Gewinn zie-
hen. Als praktisches, bequemes Nachschlage-
werk wird Doycs Heiligenlexikon für pri-
vate und öffentliche Bibliotheken willkom-
men sein, zumal in der gediegenen Ausstat-
tung. Möge dem wagemutigen Vierquel-
lenverlag seine anerkennenswerte Aufwen-
dung entsprechend gelohnt werden durch
Subskription (billigeren Preis jeder der ca.
12 Lieferungen a 3.60 Mk.) oder Be-
stellung vor der nahen Vollendung des
2. Bandes, dem ein Überblick über die Or-
denstrachten und die deutschen Heiligen als
beachtenswerter Anhang beigegeben werden
soll.

Als Zeichen des Interesses an dem verdienst-
lichen Werk seien einige Ausstellungen und Vor-
schläge für den zweiten Band oder eine wünschens-
werte Neuauflage gemacht. Ausfallen muß, daß
erst mitten im Buch bei S. 135 (Betto) plötzlich
die Literatur- bezw. Quellenangaben mit Siglen
einsetzen. So willkommen diese für Erweiterung
der begreiflich oft dürftigsten Lebensbeschreibung
find, so sollten sie doch über die allgemein bekann-
ten, stets wiederholten Sammel- und Nachschlage-
% werke wie Buchberger oder die Ordensmartyrolo-
gien hinausgehen und wenigstens einzelne große
Monographien z. B. bei hl. Anna, Benedikt, Ma-
ria u. a. heigeben müssen. Sogar im Verzeichnis
fehlt die allererste Quelle, die Acta Sanetorum
der Bollandiften! Dahin gehören auch statt ein-
zelner unbedeutender Einzelarbeiten von Bitschnau.
Walter u. a. Werke wie Suevia, Badenia, West-
phalia Sancta usw., Delehaye und Güntters Le-
gendenftudien, ebenso statt oder neben den eben-
falls stark kompilatorischen Zusammenstellungen der
Heiligenpatronate von Kerler, Pfleiderer, Schub-
ring vor allem die Hauptwerke der Ikonographie
von Detzel u. Künstle. Warum fehlen in kurzen
und vollends langen biographischen Angaben fast
immer gerade die des Geburtsorts der Heiligen,
warum z. B. bei Maria S. 761 auch der viel um-
strittenen Stätte des Todes Jerusalem oder Ephe-
sus? Ausfallen muß auch mehrfach eigentümliche
Unsicherheit im deutschen Satzbau, oder in der De-
klination oder in deutscher Übersetzung z. B. S. 129
(St. Bernhard); die unnötig häufigen nichtssagen-
den Füllsel („mir ist näheres nicht bekannt, kann
nicht erschöpfend behandelt werden; N. N. konnte
darüber nichts finden, T. hat diesen Umstand nicht
berücksichtigt" u. ä.) bei der sonst zu programmati-
schen lexikalischen Kürze. S. 793 (Martin) fehlt
beinahe ein ganzer Satz mit I — 2 Zeilen, falsch
gesetzt bezw. unterbrochen S. 74 (Antonius).
Naiv ist die Erklärung des Patronats für Verlo-
renes beim hl. Antonius angeblich durch den hl.
Franziskus (S. 76). Hagiographisch wie ikonogra-
phisch besonders dürftig trotz des Umfangs ist der
mit Kneller Unterzeichnete Artikel: hl. Anna S. 65.

A. N.

Hoch, Katechetifche Einführung in das erste
Kinder-Meßbüchlein: „Das Kind bei
der heiligen Messe" von Schott-Bihl-

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