Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 43
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sich Vater und Sohn Dr. Merz durch Beratung von evangelischen Kirchen-
gemeinden bei Errichtung von Bauten oder Anschaffung künstlerischen Schmucks.
Biel „Modewesen und Ungejchmack", weiß eine autoritative Stimme nach des
Kirchenpräsidenten Tod zu rühmen (Schw. Merkur Nr. 209 0. Mai 1929), ist
durch sein sachverständiges und weitherziges Wirken im Verein mit anderen
Männern von evangelstchen Kirchen erfolgreich abgewehrt worden. Auch im
Ausschuß des Natur- und Heimatschutzes, im Amt für Denkmalspflege wußte
sich seine Stimme Gehör zu verschaffen. Es mag dem literarisch und praktisch
eifrigen, feinsinnigen Kunstfreund kein geringer Schmerz gewesen sein, als er
dem unter seines Vaters Redaktionsstab jo lange blühenden „Christlichen Kunst-
blatt" ins Grab sehen mußte, ein Grab, das die schwere Not der Kriegszeit,
aber auch mangelndes Interesse berufener Kreise schaufeln half. Unsere in
Kriegsnot zum Quartalheft übergegangene jüngere Monatsschrift für christliche
Kunst, die freilich keinen über ganz Deutschland verbreiteten Kunstverein als
Rückendeckung hatte, dafür aber sich des Vorrechts fast ununterbrochener, jahr-
hundertlanger Kunsttraditionen in Welt und Kirche und Kloster erfreuen durfte,
sollte wohl das Bruderorgan überleben; es wird ihm aber das gleiche Schicksal
nach den Erfahrungen mehrerer früherer Redakteure unabwendbar beschieden
sein, wenn dieselben Mächte der Indolenz, geistiger, literarischer und materieller
Insolvenz auch auf unserer Seite am Werke bleiben — nur daß der Fall unserem
reicheren und altehrwürdigeren Kunsterbe gegenüber gewiß verantwortungs-
reicher und noch weit unrühmlicher sein wird als bei den nach ihrem verlorenen
Organ schon wieder rufenden, an neuzeitlicher Kirchenkunst stark interessierten
evangelischen Kirchenkreisen. Wer wie der Schreiber dieser Zeilen ohne, ja gegen
sein Zutun an das Sterbelager einen ähnlichen Existenzkampf führenden christ-
lichen Kunstzeitschrift gerufen ward, kann es dem verewigten Vorkämpfer für
religiöse Kunst in Gegenwart und Vergangenheit jetzt nachfühlen, was bei aller
Begeisterung für die hehre Sache von Kunst und Religion aus manchen Zeilen
seiner Zeitschrift laut oder leise anklingt.

An dem Grabe, das jüngst das Sterbliche an Prälat Dr. Merz gottlob nicht
so allzufrüh wie bei dem eine Woche später verstorbenen lieben Landsmann,
der Lerche der „schwäb. Dorfkapelle", Pfarrer Hofelich — bergen mußte —, und
über das verfrühte Grab des nach seinem Namen lange betitelten „Merzschen
Kunstblatts" hinaus sei dem edlen Kunstfreund, der das Banner der Ars sacra
in Wort und Schrift in besseren Tagen, wenn auch nicht mit immer großem
Gefolge vorangetragen, ein herzliches Have anima pia zugerufen, und auf den
frischen Grabhügelstein des Pragfriedhofs hingeschrieben, umrahmt von den
ältesten christlichen Symbolen der ihm so teuren Katakombenkunst: Oelzweig
und Christusmonogramm — ein kleines Denk- und Dankeszeichen für die großen
Dienste, die Prälat Dr. Merz auf einem uns gemeinsamen Kulturgebiet so vor-
bildlich in seinen Kreisen und darüber hinaus geleistet hat!

Anton Nägele, Gmünd.

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