Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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DjunOert Ishre Ifiunjl unD Wiffenschgsi im lliollenburger
Diözesgnklerus.

Ein besonderes Rezensentenkapitel zur Ehrenrettung der Pflege von
Kunst und Wissenschaft durch die katholische Geistlichkeit Württembergs.

Neher, Otto u. Alfons, 100 Jahre kath.

württ. Klerus und Volk. 8". 216 und

847 S. 1928. Niedlingen Ulrich, Geb.

Mt. 10.—.

Der Name N eher hat einen guten
Klang in den Jahrbüchern der Geschichte
unserer jungen Diözese seit den: ersten
Iubiläumskatalog des Rottenburger Kle-
rus, den Stefan Neher zur Feier des
ersten Halbjahrhunderts des Bistums
1878 herausgab. Das statistische Erbgut
hat der Sprosse der nächsten Generation
als Kaplan in Oedheim und Pfarrer in
Neuburg a. D. erweitert und ausgebaut
auf der Grundlage der modernen So-
zial- und Wirtschaftsstatistik, in deren
Methode sich beide Mitherausgebers
gründlich hineingearbeitet zu haben
scheinen. Beide Arten statistischer Er-
fassung des kirchlichen Lebens der Diw
zese im abgelaufenen Säkulum wollten
Pfarrer und Handelsschulrat A. und O.
Neher vereinigen in der reichlich spät
p08t kastnm erschienenen Jubilüums-
gabe zum sommerlichen Jubelfest der
Diözese Rottenburg. Nicht bloß wie in
den bisherigen Personal- und Realkata-
logen Wurzel, Stamm mit Aesten und
Zweigen und Kronen am stattlichen Jahr-
hundertbaum des Bistum zu beschrei-
ben, sondern auch genetisch, entwick-
lungsgeschichtlich das organische Leben
und Wachstum der Aefte und Zweige in
ihren gegenseitigen Beziehungen, Her-
kunft, Tätigkeit, Sterben des Klerus,
durch Wirtschnfts-, Konfessions-, Mora-
litäts-, Mortalitätsstatistik zu erfassen,
war der große, mühevolle, lobenswerte
Plan des zweiten Jubiläumsbuchs, des-
sen Existenzberechtigung neben dem
ersten, offiziellen, rein beschreibenden
Jubiläums-Volksbuchst niemand zu be-
streiten wagen wird.

i) Aus dem Titelblatt ist Di'. 0. Neher,
to. 6. Dr. 066. publ. A. Neher, Handels-
schulrat als 1. Mitverfasser angegeben.

Vgl. die Besprechung durch Pfr. Dr.
I. Zeller im A. f. ch. K. 1928. S. 98.

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Für diese Fortbildung und Höher-
entwicklung der alten Personalstatiftik
zur kirchlichen Bevölkerungs-, Standes-
und Heimatkunde verdient der Nachfahre
des ersten „Neher" gleichen, wenn nicht
höheren Dank wie der Vorfahre, dessen
Arbeitsweise von solchen modernen Pro-
blemen unberührt und unangefochten
blieb. Eine zweifellos wertvolle Ergän-
zung der begreiflicherweise mehr von
der Iubiläumsgloriole um- und über-
strahlten Bistumsgeschichte bildet das
vorliegende Werk, das ein dort kaum
gestreiftes Neuland statistisch, nicht anna-
liftisch bearbeitet und damit wirklich ein
Ruhmesblatt in den Kranz der alma
water jubilans einfügt. Kaum eine
andere deutsche Diözese kann sich, wenig-
stens für die ganze Dauer ihres Daseins,
einer solchen entwicklungsgeschichtlichen
Gesamtdarstellung rühmen.

Doch die Lorbeeren, die der alte
„Neher" vom Baum der peinlich genau
bearbeiteten Personalstatistik ungeschmä-
lert ernten durfte, sollten dem neuen
„Neher" versagt bleiben, wo er dieselbe
Kleinarbeit an den neueren Aesten und
Zweigen desselben Lebensbaumes fort-
setzen sollte. Das den meisten Geistlichen
erst um Weihnachten zugesandte „neue
Iubiläumsbuch" ist gleich nach seiner
Geburt in die Hände eines der berufen-
sten Kritikers gefallen und noch in den
ersten Neujahrswochen vor breitester
Oeffentlichkeit — was vielen bei aller
Anerkennung der berechtigten Ausstel-
lungen in einer politischen Tageszei-
tung nicht gefallen wollte — „abge-

3) Deutsches Volksblatt 1929 Nr. 8 ff.
In den Mitteilungen d. V. k. G. W. vom
16. 5. 29 Nr. 10 hat jüngst auf eine leise
Kritik dieser langen Kritik Prälat K. Küm-
mel sich als Verfasser der Januar-Artikel im
D. V. bekannt und seine materiell nur zu
berechtigten Ausstellungen erweitert. Betr.
des Abschnittchens 6 („100 Jahre Kunst") sei
ausdrücklich betont, daß unser Artikel schon
fünf Monate vorher an die Stuttgarter
Druckerei eingesandt und teilweise gesetzt war.
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