Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Wissens chaft in der Diözese Rot-
tenburg. Hätte ein in Tübingen heran-
gebildeter Theologe sich dieser Ausgabe
in solcher nach Form und Inhalt dürf-
tigsten, die allernotwendigsten Quellen-
studien beiseitesehenden Arbeitsweise ent-
ledigt wie der in St. Maurice 1899 ordi-
nierte Verfasser des Säkularwerks über
die Diözese Rottenburg, müßten alle
unsere hochverehrten Lehrmeister an
Gymnasium und Universität sich im
Grabe noch umdrehen — facit indig-
natio versum, um mit Horaz zu reden.
Vor allem im Hinblick auf die Wirkung
des Werks bzw. Werkabschnitts auf
Außenstehende, die doch bei solch stati-
stischer Anlage eine gewisse Vollständig-
keit des Materials erwarten, muß sofort
tiefstes Erröten sich einstellen beim An-
blick der Listen der Graduierten und
Schriftsteller vom Klerus und noch mehr
der ihr vorausgeschickten „historischen"
Darstellung der Kunst- u. Wissenschasts-
pflege in dem abgelaufenen Jahrhun-
dert. Wenn der Herausgeber die Kir-
chenmusik durch einen berufenen Fach-
mann (A. Keilbach) darstellen ließ,
warum hat er für die „100 Jahre Kunst
in der Diözese und die Arbeit des Kle-
rus" nur eine halbe Seite eingeräumt
und sich nicht auch hier als unzuständig —
quod factum demonstrat — erklärt oder
aber die leicht zugänglichen literarischen
Unterlagen sich verschafft? Oder sollte
auch dieser A. R. an die berufenste Stelle
im Bewußtsein seiner Inkompetenz sich
gewandt haben, ohne wie so oft — 86p-
ties et septuagies septies! — die von
Kursgenossen eher zu erwartende Ant-
worterhalten zu haben? Dann könnte we-
nigstens für invincibili8 ignorautia Am-
nestie erteilt werden! Anständigste
Mindestforderung ist: die paar Quel-

lenbelege zitieren, natürlich mit den
elementarsten Angaben iiber Verfasser,
ob Monographie oder Zeitschrift oder —
Rehers Hauptquelle — Zeitung nicht
ohne deren Namen, Jahr und Tag oder
Nummer! Einheimischen und Fremden
an dieser Stelle des großen Iahrhundert-
buchs von 563 S. einen umfassenden Ueber-
blick über das ganze Gebiet der kirchlichen
Kunstpflege der Diözese während eines

Jahrhunderts zu geben, wäre doch un-
gleich wichtiger und für ein solches ein-
maliges historisch-statistisches Monumen-
talwerk weit erforderlicher als die gegen-
wärtigen Personalbestände im Welt- und
Ordensklerus und vollends die in den
Frauenordensgenossenschaften mit ihren
endlosen nichtssagenden Nnmenlisten.
Letztere gehören in die Kataloge der
Mutterhäuser, erstere stehen in den bei-
nahe jährlichen „Personalkatalogen".
Vollends durch ordnungsgemäßere An-
lage der von zwei zu zwei Jahren sich
unsinnig wiederholenden Personalver-
zeichnisse im „Kirchenregiment" (darun-
ter Anstalten und Schulen!) hätte man
einige Seiten wohl gewinnen können
für die im In- und Ausland unbedingt
erwarteten Aufschlüsse über jenes hoch-
wichtige Kulturgebiet. Kein Wort über
Entwicklung und Aufbau des Diözesan-
kunstvereins bis zum heutigen Stand
(dagegen die Biographien der acht Dom-
chordirektoren S. 122 f., die Vorstände
des Cäcilienvereins S. 127, die Chro-
niken der kleinsten Schwesternkongre-
gationen S. 129 ff; der caritativen und
sozialen Vereine S. 108 ff.; der Presse
S. 112—115!), kein Wort über dessen Or-
gan, das Archiv f. ch. Kunst, von dem
43 Jahrgänge von je 12 Monats- und
seit 1915 von 4 Quartalhesten erschienen
sind, von dessen Redakteuren wie bei den
Zentrumsblättern wenigstens die hervor-
ragendsten und auch sonst verdienstvoll-
sten Männer wie Prälat Dr. Schwär z,
Bischof Dr. P. W. v. Kepple r, Univ.-
Prof. Dr. L. Bau r, von den Pfarr-
redakteuren und den Hauptmitarbeitern
ganzabgesehen,einPlätzchen im„Iahrhun-
dertklerusbuch" verdient hätten (vgl. da-
gegen die wegen einzelner Liicken stark
kritisierte lange Liste der Redakteure des
K. Sonntags- und Deutschen Volksblatts
S. 113 f.!), kein Wort endlich von den
durch Wort und Schrift, theoretische und
praktische Kunstpflege, durch Anlegung
und Beschreibung von Kunstsammlungen,
durch Beratung und Ausführungen von
Bauten und Restaurationen, bewährten
und berühmten Trägern der christlichen
Kunst in der Diözese Rottenburg keine
Spur von Andeutung oder gar Namens-

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