Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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mußte man damals veräußern ein Dutzend silberne Tischbecher, ein
doppeltes silbernes B e st e ck, zwei Paar silberne Opferkänntchen samt
Plättchen, ferner alle korallenen, mit Silber gefaßten, wie auch einen ganz
silbernen Rosenkranz vom Erbteil des Paters Ferdinand Frey, einen
silbernen großen Tischbecher mit einem Deckel. Aus all diesem Edelmetall
wurden nur 1100 fl. 25 kr. erlöst. Denn in der Münze zu Konstanz bezahlte
man für das Lot Silber bloß 10 Batzen, wenn es vergoldet war, 11 Batzen.

Weil der Erlös die Höhe der ^atisfaktionsgelder bei weitem nicht erreichte,
trafen Exekutionsdrohungen ein am 2. Oktober 1049. Ja es erschien sogar eine
Reichsexekution von 56 Mann, die ganz verpflegt werden mußte. In dieser
Bedrängnis wurde Pater Augustin Arzet nach Konstanz beordert mit der
Weisung, aus den dortigen schussenriedischen Verschlügen die noch vorhandenen
Kelche, Ziborien, Ri o n st r a n z e n und den Prälaten st ab zu
nehmen und diese heiligen Gefäße in Schasfhausen zu versetzen für 1000 fl.
Diese Summe mußte mit 5 Prozent verzinst werden. Als Zeit des Versatzes
wurden drei Jahre in Aussicht genommen. — In der entsetzlichen Geldnot mußte
man auch noch Glocken verkaufen, aus Schusfenried, Steinhaufen, Reichen--
bach, Otterswang und Attenweiler. Ganz besonders schmerzlich war auch die
nötig gewordene Veräußerung des herrlichen, aus Erz gegossenen Epita-
phiums des 1505 gestorbenen Abtes Heinrich Oesterreicher. Aus all diesem
Metall konnte man nicht viel über 1000 fl. Erlös erzielen. — Anno 1650 hat
Abt Rohrer die Uhr auf dem Tor dem Uhrmacher um 16 fl. bis Johann-
Baptifti-Tag zur Reparatur vergeben. — Am 31. August 1651 fand das Trans-
lationsfest des Leibes des Märtyrers St. Vinzenz statt, und zwar so feierlich,
als es nur immer die große Armut des durch die Schweden in Asche gelegten
Klosters zuließ. Auf dieses Fest wurde eine neue rote Kirchenfahne
nngeschafft.

Abt Matthias Binder (1653—56) vermochte trotz großer Schulden und
geringer Einnahmen die in Schaffhausen versetzten Silbersachen wieder ein-
zulösen, dagegen mußte er ein g o l d e n e s P e k t o r a l e für 124 fl. und ein
goldenes Kruzifixchen samt Agnus Dei für 160 fl. veräußern; in
Konstanz ließ er 2 2 Goldstücke, die Abt Rohrer hinterlassen, für 400 fl.
59 kr. auswechseln. Dem Pater Markus Rumachius als Großkeller befahl er,
einige kleinere Silbersachen zu verkaufen; derselbe erhielt dafür 94 fl.
57 kr. (S. 191). — Sein Nachfolger, Abt Augustin Arzet (1656—66) bezeugt,
daß bei seinem Amtsantritt der Kirchenschatz noch teilweise geflüchtet,
teilweise in der Schweiz versetzt gewesen sei, in Schusfenried selbst habe er nur
altes, verbrochenes Silber, drei Becherlein, ein Känntlein, zwei
Dutzend silberne Löffel und ein silbernes B e s ch l ü g von einem Zeremonial-
buch an Edelmetallen vorgefunden. — Von den Biberachern wurde dem neu-
gewählten Abt Augustin zum Einstand ein silbernes Trinkgeschirr
verehrt. Vier Männer haben dieses Geschenk anno 1656 überbracht. — Im April
dieses Jahres starb die Aulendorf'sche Gräfin Maria Anna Eusebia, die an den
Grafen Montfort verheiratet war. Sofort machte Abt Augustin einen Kondo-
lenzbesuch bei der hochgräflichen Familie. Am Dreißigsten pontifizierte er in
Aulendorf das Lobamt de trinitate. Graf Wilhelm verehrte ihm ein kostbares,
mit guten Steinen besetztes goldenes Brust kreuz, das vor
dem Schwedenkrieg zu mehr als 100 Dukaten Wert geschätzt worden war.

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