Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 57
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Anno 1661 ließ Abt Augustin ein A n t e p e n d i u in in das Kapitel malen,
auf dem die heilige Familie zu sehen war. Der Preis für dieses Bild war sehr
niedrig, die Malerei selbst aber auch nur unbedeutend. Im Refektorium über
dem Tisch des Abtes ließ er eine Kreuzigungsgruppe anbringen, die der
Bildhauer fabelhaft billig geliefert hatte. — Als der Ravensburger Kaufmanns-
sohn Pater Karl Zarle am 21. Dezember 1661 primizierte, verehrte ihm sein
Vater ein schönes Meßgewand samt einer feinen Albe (<5. 246). — Weil
man aber in der Klostersakristei mit Paramenten immer noch recht schlecht ver-
sehen war, kaufte der Prälat Anfang Mai 1663 von Kaufmann Pfälzer in
Augsburg drei Ornate, einen silberfarbigen mit Blumen zu 430 fl.,
einen roten mit Gold um einen etwas höheren Preis und einen rot -
d a m a st e n e n für 206 fl. (S. 253). — Unter Abt Vinzenz Schwab (1673—83)
war die Kaufkraft und der Kredit des Klosters wieder bedeutend gewachsen.
Der Silber sch atz bestand damals aus folgenden Stücken'. Ein aufrechtes
silbernes Marienbild in eoolos assumptae; ein silberner Pontifikalleuchter samt
Butzschere, item drei ganz goldene Schalen von getriebener Arbeit; zwei silberne
vergoldete Tischbecher von erhabener Arbeit samt den Deckeln, item ein silberner
Becher samt Deckel von glatter Arbeit, eine halbe Maß fassend; ein ganz
goldener Becher samt Deckel von glatter Arbeit, einen starken Schoppen fassend;
15 silberne Tischbecher samt zwei Deckeln; ein besonderer silberner Becher, eine
Maß fassend; drei silberne Salzbüchslein; ein ganz goldenes Känntlein glatter
Arbeit, eine halbe Maß fastend; zwei silberne Kannen glatter Arbeit, jede eine
Maß fassend; St. Sebastiansbildnis von Silber, aber klein; ein ganz goldenes
flaches Bild oder osculum pacis, ein langer silberner Pokal von erhabener
Arbeit, dessen Fuß einen Kavalier vorstellt; ein silbernes Lavoir samt der
Platte; zwei Paar silberne vergoldete Opferkänntchen samt zwei Plättchen; sechs
goldene Kelche; ein großes goldenes Ziborium; ein silbernes Rauchfaß samt dem
Schifflein; ein silberner Pontifikalstab; ein anderer von schwarzgebeiztem Holz,
mit Silber gefaßt, dessen Kopf aber ganz von Silber ist; eine lange silberne, nach
alter Manier gearbeitete Monstranz; ein silbernes Brettspiel mit sechs Löffeln
und ebensoviel Messern und Gabeln. — Leider mußten von diesem Silberschatz
zum Versetzen ausgesucht werden: sechs silberne vergoldete Schalen, ein ver-
goldetes Känntlein, ein ziervergoldetes Känntlein, zwei Salzbüchschen, drei
Becher mit Deckeln; sodann fünf Deckel ohne Becher, zwei Pokale mit hohen
Füßen. Dieses ausgelesene Edelmetall wog 395 Lot; es wurde dem Aulendorfer
Wirt Michael Christ versetzt, der darauf 348 fl. herlieh. Als Pater Innozenz
iGroßkeller geworden war, löste er diese Versatzstücke mit 360 fl. wieder ein
(S. 278). Als die Untertanen dem neugewählten Abt Tiber Mangold (1683 bis
l 710) huldigten, überreichten sie ihm eine s i l b c r n e K a n n e. Am 28. Januar
1684 erhandelte dieser Prälat von einem Israeliten ein goldenes Brust-
kreuz mit C h r y f o I i t h st e i n e n. Der Kaufpreis bestand in einem ge-
mästeten Ochsen, in einem silbernen Känntlein und in einem kleinen silbernen
Halsührlein. Denn, schreibt der Chronist, „die Juden können alles brauchen"
(S. 289). — Als ein neuer Einfall der Franzosen drohte, wurde das Schusten-
rieder Archiv und der Kirchenschatz zusammen mit dem weingartischen nach
St. Johann zu Feldkirch anno 1688 geflüchtet. — Am 25. Mai 1696 brachte
man aus Augsburg den St. Norbertskelch mit sieben geschmelzten Blätt-
chen nach Schussenried. Er kostete 182 fl. und war noch um die Mitte des

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