Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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18. Jahrhunderts einer von den vier schönsten Kelchen der Schussenrieder
Sakristei und würde später wohl zirka 400 fl. wert gewesen sein. — Der neue
Ornat, erstmals am Norbertifest 1697 gebraucht, wubde, weil von Abt Tiber
um 2000 fl. erworben, noch in späteren Jahrzehnten der Abt - Tiberi -
Ornat genannt. — Auf den Tag des Ordensstifters langte im Juli 1698 die
in Augsburg bei Goldschmied Johannes Zeck bestellte große silberne
Muttergottes st atue mit dem Jesuskind ein. Sie wurde feierlich im
Klosterhof benediziert, prozessionsweise in die Kirche getragen und über dem
Tabernakel des Hochaltars aufgestellt. Anderen Tags kamen viele Fremde, welche
das Kunstwerk bewunderten (S. 391). — Den 6. Mai 1701 langte die vom Abt
in Augsburg bestellten Silberarbeiten ein, nämlich ein rares, aus Silber
geschlagenes A n t i p e n d i u m (es hatte 2100 fl. gekostet und wurde nach Prag-
Strahov auf den St. Norbertsaltar verehrt), ferner ein großer, schöner, mit ge-
schmelzter Arbeit und mit dem Stichel künstlerisch gezierter Kelch, welchen
Prälat Tiber nach Graditz bei Olmütz ad. montem Praemonstratum dem dor-
tigen Muttergottesbild schenkte. Diese Freigebigkeit des Klostervorstandes
scheint den Mönchen nicht gefallen zu haben; denn der Chronist klagte: „Die
arme Sakristei in Soreth aber mußte mit dem neuen rotdamastenen Baldachin,
welcher 130 fl. gekostet, vorlieb nehmen und am Fronleichnamsfest damit pran-
gen." Damals starb auch der Kaplan von Winterstetten, Adam Kornelius Küh-
horn, der zur Beschaffung eines Kelches 100 fl. nach Schufsenried vermacht
hatte (S. 403). — Am 5. Juni 1702 kaufte Abt Tiber zwei Altarblätter
„vom Maler zu Weingarten". Das eine stellte den heiligen Norbert dar, wie
er von Maria den weißen Habit empfängt, aus dem andern war zu sehen der
heilige Joseph Hermannus, wie ihm die Muttergottes das Jesuskind in den
Arm gibt. Beide Bilder kosteten zusammen 150 fl. — Am 1. Dezember 1704
überbrachte der Beuroner Kanzleiverwalter einen silbernen Pokal als
Geschenk des dortigen gnädigen Herrn an Abt Tiber für die Assistenz bei dem
hohen Benediktionsakt. — Am 1. Januar 1706 wurden die sechs neuen M e s -
s i n g l e u ch t e r, um 65 fl. aus Nürnberg bezogen, erstmals auf dem Chor-
altar aufgestellt. — Dem Abt Innozenz Schmid (1710—19) dedizierten die sechs
Gerichtsmänner auf Neujahr 1712 ein goldenes Kettchen an das Brust-
kreuz. Dem Prälaten Didakus Ströbele (1719—33) widmete auf Neujahr 1720
der Konvent ein silbernes Kruzifix samt silbernen Kanontafeln.
Die Bauernschaft aber offerierte ein schönes, goldbrokatenes Meßgewand, das
220 fl. gekostet hatte und das Baurenmeßgewand genannt wurde. —
Um die Schussenrieder Kirchweihe 1721 feierte Pater Bernhard Waizenegger aus
Bregenz seine Primiz. Seine „Freundschaft" verehrte ihm ein in rotem Samt
gebundenes und stark mit Silber beschlagenes römisches Misfale; es ist
noch im 18. Jahrhundert das schönste der Klostersakristei gewesen. — Anno
1723 bezog Abt Didakus aus Augsburg sechs silberne Leuchter, drei
Kruzifixe und neun K a n o n t a f e l n für die drei äußeren Altäre. Sie
kosteten 1563 fl. Im folgenden Jahr bestellte er ebenfalls in Augsburg zwei
silberne Statuen des heiligen Vinzenz und St. Valentin. Sie
sollten 800 fl. kosten, kamen aber in Wirklichkeit höher. — Im Juli 1730 kaufte
Abt Ströbele ein goldenes, mit 23 kleinen Diamanten besetztes Pekto -
rale von Wieland in Biberach um 194 fl. 51 kr. Die goldene Kette dazu
kostete 108 fl. 17 kr. (Schluß folgt.)

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