Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 60
DOI Heft: 10.11588/diglit.15947.10
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15947.15
DOI Seite: 10.11588/diglit.15947#0072
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1929/0072
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
rischen Vorarbeiten von Sulger und Holz.
Herr und den bau- und kunstgeschicht-
lichen Forschungen von Paulus und
Kradmann, Schurrs und Fiechter-Baums
Monographien konnte begreiflicherweise
nichts Neues geboten werden, zumal auf
den knapp 13 Textseiten; aber die kurze
Zusammenfassung des überlieferten Stof-
fes und die sachkundige, stellenweise be-
geisterte Schilderung der zum Teil ein-
zigartigen Schönheiten dieser ehemaligere
Benediktiner-Klosterkirche bedeutet neben
den im Schrifttum nicht angeführten
K e p p l e r s ch e n oberschwäbischen Klo-
sterwanderungen (Aus Kunst und Leben
ll 128—138) eine wirkungsvolle Apolo-
gie dieses lange mißverstandenen und
mißhandelten Barockdenkmals. Eine Ab-
bildung des architektonisch bedeutsamen,
S. 27 angeführten Gossenzuger Magnus-
kapellchens würde einen Schmuck der
Verlag und Verfasser zrr wünschenden
Neuauflage bilden. Erwähnenswert
wäre auch die Biographie I. M. Fischers
von A. Feulner in den Süddeutschen
Kunstbüchern Dd. 16/17.

Seinen großen Verdiensten um die
Erforschung der mittelalterlichen Klostec-
bnuten der Benediktiner und Zisterzien-
ser in Württemberg (vgl. die Besprechung
der prächtigen Monographie von 1927
in A. f. ch. K. 1927 S. 103) fügt Epho-
rus Adolf Mettler 1928 ein neues hinzu
mit Abfassung des Kunstführers aus dem
Filserverlag. Freilich gegenüber der von
Fiechter geschilderten Pracht des bis vor
100 Jahren seinem Stiftungszweck erhal-
tenen Klosterbaus kann Mettler nur
Trümmer und Ruinen darstellen, welche
die Glaubensspaltung, dann französische
Zerstörungswut und zuletzt barbarische
Gleichgültigkeit noch ine letzten Jahrhun-
dert gegenüber altehrwürdigen Denk-
mälern der Vergangenheit zurückgelassen
hat; aber der beste Kenner hirsauer-klu-
niazensischer Baukunst weiß aus le-
benslanger Beschäftigung mit Denkart
und Bauweise der Hirsauer Schule diese
Trümmer zu rekonstruieren und uns so
anschaulich in Wort und Bild (5 Grund-
risse und 24 Tafelbilder) vor Augen zu
führen, daß auch diese Steine, kärgliche
Reste einstiger romanischer und gotischer

Pracht vom älteren Aureliusmünster und
der großen Peter- und Paulskirche, noch
zu reden vermögen. Zu dem nur in
einem Satz als kaum deutbar erwähnten
Bilderfries am sog. Eulenturm vgl. die
beachtenswerten Deutungsversuche des
Freudenstadter Stadtpfarrers und Bi-
schofsbruders E. Keppler im A. f. chr. K.
1890 S. 6 ff.

Es ist eine eigenartige Fügung des
Geschicks, daß unter den vielen aufge-
hobenen Klöstern an der — bis heute
noch — schwankenden Grenze zwischen
Württemberg und Bayern es der hoch
über der Donau gelegenen Reichsabtei
E l ch i n g en allein vergönnt sein sollte,
in diesem Jahr das 8OOjährige Gedächt-
nis ihrer Gründung zu feiern, nicht als
„trauernde Witwe" in profanierter Um-
gebung, sondern als neuerstandenes,
wenn auch einem anderen modernen
Ordenszweig zugeführtes Kloster. Der
Superior, der dort seit 1921 angesiedel-
ten Oblaten, P. Franz Joseph Hagel,
hat aus diesem festlichen Anlaß dem
„jubilierenden Reichsgotteshaus" Elchin-
gen einen nach Text und Bildausstattung
(33 S., 8 Text- und 27 Tafelbilder) den
anderen Filserschen Kunstführern eben-
bürtigen Abriß der Kloster-, Bau- und
Kunstgeschichte der von der Mutter io
vieler Reformklöster, von Hirsau ausge-
gangenen Stiftung auf dem Elchinger
Berg gewidmet. An Stelle der durch
Blitzschlag und Brand beschädigten ro-
manischen, ganz dem Schema der Hir-
sauer entsprechenden Kirche wurde von
dem Wettenhauser Klosterbaumeister
Joseph Dos sende rger 1733A unter
Belastung des Mittelschiffs der heutige
Bau aufgeführt und hauptsächlich von
dem auch im nahen Wiblingen tätigen
Januarius Zick ausgemalt neben der ein-
zigen erhaltenen Arbeit Joseph Wannen-
machers (Sakristeifresko: Meßopfer des
Abtes Iah. Spägele mit seinem bluten-
den, von den Schweden abgehauenen
Ohr). Erfreulicherweise ist auch die
Kleinkunst mit Grabdenkmälern und
Silberschatz der alten Wallfahrtskirche
zur Mater dolorosa behandelt, leider das
von Hans Schaller stammende Grabmal
eines Neidhart von 1572 an der Außen -

60
loading ...