Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 63
DOI Heft: 10.11588/diglit.15947.10
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15947.15
DOI Seite: 10.11588/diglit.15947#0075
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1929/0075
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Doms, Lochners Dreikönigsbild, beher-
bergen durfte. Zu den S. 20 genann-
ten, im einzelnen nicht mehr verstande-
nen satirischen Miniaturen des Rathaus-
saals wie Bergils und Aristoteles Frauen-
abenteuer mag der Verfasser eine Ab-
handlung im Städeljahrbuch 1924 zu
quellenmäßiger Aufklärung beiziehen.

Von einem Domschaß gibt uns der
Trierer Domvikar Msgre. P. Weber
Kenntnis, dem ganz Süddeutschland, ge-
schweige denn das kleine in Refor-
mations- und Säkularisationszeiten
zweimal ausgernubte Württemberg nichts
Ebenbürtiges an die Seite zu stellen hat.
Fast alle christlichen Jahrhunderte vom
4. bis 18. Jahrhundert sind glanzvoll
vertreten durch Arbeiten in Gold, Sil-
ber, Elfenbein, Email, Seide, Perga-
ment. Auf 19 Tafeln und 25 Textseiten
können wir die Hauptkleinodien des
Trierer Domschatzes bewundern, wie es
Referent vor 24 Jahren an der Seite
des gelehrten einstigen Dreifacher Bene-
fiziaten, dann Trierer Divisionspfnrrers,
Dr. Adolf Ott (aus Hechingen, gestorben
1927 als Domkapitular in Köln) an den
Originalen auf der Heimreise vom Ber-
liner Universitätsstudium zum philo-
logischen Staatsexamen in Stuttgart
reichlich getan. Der griindliche gedruckte
Führer, der merkwürdigerweise seinen
ersten und einzigen wissenschaftlichen
Vorgänger an zwei französischen Archäo-
logen Palustre und Montault (Le tresor
de Treves 1886) hatte, vermag noch tie-
fer als der einstige Augenschein, zumal
nach manchen neuen Untersuchungen
erster Fachautoritäten wie Falke, Creutz,
Schneider, F. T. Kraus, u. a., in die teil-
weise einzigartigen nltchristlichen und
merowingisch-karolingischen Kleinkunst-
schätze einzuführen. Ob nicht ein Wort
über die von Mark Rosenberg mono-
graphisch behandelte uralte Technik der
Granulation, bisweilen verwechselt oder
subsumiert unter Filigran, zu sagen
wäre angesichts mancher Meisterwerke
der verschiedensten Goldschmiedtechniken,
an denen wenigstens nach den Abbil-
dungen diese Wunder kleinster, feinster
Goldkornverzierungen angebracht schei-
nen? Die TXrrstellung auf dem litur-

gischen Elfenbeinkamm (S. 15, Abb. 4)
erinnert an die dutzendfach besonders
auf koptischen Bleigegenständen tm
ägyptischen Museum zu Kairo u. a. ab-
gebildeten Delphinen (Strzygowski,
Catalogue general du Musee du Caire
XII (koptische Kunst) 1904 S. 24, 33, 38,
173, 189 ff., 204, 210 ff., 296, 301, 308,
328). Ebenso erinnert die griechische In-
schrift auf der Gemme des Buchdeckels
(Abb. 25, S. 22 f.): Hei» theos Ein Gott
an das hundertfach auf koptischen Denk-
mälern in Stein, Bronze, Holz usw. an-
gebrachte Bekenntniswort, das aber
nicht „eine christliche Betonung gegen-
über der Vielgötterei der Heiden" (Weber
S. 22), sondern die Betonung des mono-
physitischen Credos des 5. Jahrhunderts
gegenüber der katholisch - orthodoxen
Lehre von zwei Naturen in Christus
sein sollte. Mit dem wohlgemeinten Vor-
schlag, die oftmalige katalogmäßige Wie-
derholung des „Nr. X, X, X, ist, ist,
ist ..." literarisch niedriger stehenden In-
ventarverzeichnissen zu überlassen, bittet
Res. die kleinen Ausstellungen am ver-
dienstvollen Werkchen als Zeichen alten
und neuen Interesses an Geschichte,
Kunst und Klerus von Rhein und Mosel
zu betrachten.

Beiß, E., Das heilige Trier, gr. 8", 64

S. 124 Abbildg. 1927. Augsburg,

Filser. Kart. 6 Mark.

Die Moselstadt Trier ist im kunstge-
schichtlichen Schrifttum des aufstrebenden
Filser-Verlages mit drei Werken vertre-
ten, dem vorhin angezeigten kleineren
Domschatzführer von P. Weber, der
großen, die romanische Bauperiode auf-
hellenden Monographie N. Irschs über
die Abteikirche St. Matthias und der
alle Kunstperioden und Kunstschätze zu-
sammenfassenden Sammelarbeit „Das
heilige Trier" von Egid Beitz. An der
Hand dieses bewährten Kenners rheini-
scher Kunst verfolgen wir die Entwick-
lung der Moselstadt von der heidnisch-
römischen Zeit in die christlich-römische
und srühgermanische Epoche, die ja alle,
wie in keiner einzigen deutschen Stadt,
bedeutende Kunstdenkmäler zurückgelas-
sen haben. Man denke nur an Kaiser-
palast und Porta Nigra, oder an die

63
loading ...