Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Welt. Naturklänge und himmlische Har-
monien fließen ineinander in seinen mit
peinlicher Sauberkeit gezeichneten und
gemalten Blumen und Bäumen, Bergen
und Felsen, Kristallen und Gestirnen.
Alle Gegenstände in ihren Farben sind
ihm Träger einer Stimmung. Tiefstes
Inwendiges im Menschenwesen sucht und
versteht Franke klarzumachen, ohne in
die Verstiegenheiten modernster Kubistik
und Abstraktion zu verfallen. Nur ein-
mal, in der „Kristallenen Nacht" streift
er daran, doch bewahrt den Maler des
Mystischen, Magischen, sein gesunder
Realismus DUrerscher Schulung, die
stilistische Feinheit und Anmut Holbein-
scher Herkunft, die religiöse Innigkeit
und Märchenseligkeit von der Art eines
Steinle oder Thoma vor dem Fall ins
„Absolute", dem Abgrund der Unver-
ständlichkeit. Aus den rein religiösen
Bildern Frankes leuchtet mehr als ein
Funke des ewigen Lichts, das in fein
Herz fiel und in anderer Menschen Her-
zen widerleuchtet.

Kalender Bayerischer und Schwäbischer
Kunst 1929. Begründet von Joseph
Schlecht. Herausgegeben von Hans
K i e n e r. Gesellschaft für christliche
Kunst, Kunstverlag GmbH., München
(Wittelsbacher Platz 2a). 4" 24 S.

25. Jahrgang. Preis RM. 2.—.

Den Reigen der von Jahr zu Jahr zu-
nehmenden Kunstkalender erösfnete heuer
der stets mit Spannung erwartete Ka-
lender bayrischer und schwäbischer Kunst,
dessen letzter Jahrgang der neuen Archiv-
redaktion nicht zukam oder nicht über-
schrieben wurde. Wir begrüßen mit dop-
pelter Freude das neue Jahrbuch der Ge-
sellschaft für christliche Kunst als Jubila-
rin. Entsprechend dem silbernen Jubi-
läum seines erstmaligen Erscheinens, das
sein Gründer, der Freisinger Kirchen-
und Kunsthistoriker Schlecht nicht mehr
erleben sollte, hat der 25. Jahrgang des
Almanachs ein Festgewand von M.
Schiestls Meisterhand erhalten. Als Um-
schlagbilder dienen die farbenprächtigen
Wiedergaben: der Kardinal mit dem

gotischen Münster und die hl. Iulinna
von Lüttich. Im Innern führen berufene

Kenner des schwäbisch-bayrischen Kunst-
guts der Vergangenheit das Wort und
führen köstliche Proben aus diesem rei-
chen Bilderbuch an der Hand treff-
licher Illustrationen vor Aug und Herz
des Gegenwartsmenschen. Die roman-
tische Burg Trausnitz bei Landshut (F.
Mader), das Prämonstratenserstift Rog-
genburg (I. Christa), die Kapplkirche zum
hl. Blut bei Unterammergau (A. Bauer),
die Wandgemälde von H. M. v. Heß in der
Münchener Allerheiligenhofkirche (H. Kie-
ner). Ein zweifarbiges Kalendarium füllt
die inneren Umschlagseiten. Der alte
Kalender bayrischer und schwäbischer
Kunst ist unter Kieners Führung ein
neues Kunstwerk geworden in Form und
Gehalt.

Keckeis G. und Schmid I., Der Fähr-
mann. Ein Buch für werdende Män-
ner. Lex. 8", l. Band 412 S., II. Bd.
828 S. Lw. Mk. 9.—.

Glücklich die Jugend, die für die Wan-
derung durch die Jahre des Reifens einen
solchen „Fährmann" zum Führer nimmt
oder bekommt! Ein ideales Jugendbuch
schaffen zwei erprobte Schriftsteller mit
einem auserlesenen Stab bedeutender
Mitarbeiter in Kunst und Wissenschaft.
In die ganze weite Welt, die sich dem
werdenden jungen Manne öffnet, geleitet
der kundige Fährmann, die Welt der
Reisen und Abenteuer, der modernen
Geistesbildung und Technikschöpfungen,
der Geschichte und Sage, der Körper- wie
der Seelenpflege, die Welt der Iugend-
sehnsucht und des tätigen Mannes. Das
ist kostbare Fracht, mit der das Lebens-
schifflein des Jünglings hier vom „Fähr-
mann" beladen wird, ohne Schiff und
Ladung mitsamt dem Fergen zu gefähr-
den oder vom letzten Ziele in Strudeln
und Strömungen des modernen Lebens
abzutreiben. Zu dem schon vor .einigen
Jahren erschienenen ersten Band, der
vornehmlich dem Menschen gewidmet
war, Seele und Sehnsucht, Natur und
Heimat, Körperpflege und Geistesbildung
m kurzweiliger und ernster, durch Bilder-
reich verschönter Art behandelte, ist eben
ein weiterer „Fährmannsband" gekom-
men, nicht weniger reich an Inhalt,
weniger abwechslungsvoll in dem Bild-

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