Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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schmuck, den neben photographischen Re-
produktionen hier nur Kunstmaler Josef
Braun von Wangen i. A. bestreitet.
Jetzt stößt Fährmanns Schiff nicht so
weit vom Ufer ab; ins Leben des Alltags
will er die Jugend hineinführen, den
Stoff durch Geist beherrschen lehren und
die Wege zu geistiger und körperlicher
Gesundheit weisen, Wandern, Sport,
Industrie, Technik, Wunder der Natur
und menschlichen Schaffens und Str.e-
bens liefern die Fracht des zweiten
Fährmannsschiffleins, zu der Meister
unterhaltender und belehrender Prosa
ihr Bestes beigesteuert haben, so Dessauer,
Pflüger, Klamroth, Ruegg, Bölcke, Vil-
linger, Dörfler, Köll, Linhardt, Mohr,
Federer, Oberkofler, Schweisheimer u. a.
Langweile und Trägheit, zwei böse Ge-
schwister, wissen die Verfasser dieser gut-
geschriebenen, mit feinem pädagogischem
Takt ausgearbeiteten Aufsätze bei Alt
und Jung zu vertreiben. Nicht nur als
Jugendbuch, als probehaltiges Familien-
buch wird der Fährmann I. und II. reich-
sten Segen stiften. Vielleicht bringt wie
der erste Band (Dom von Schwarzkops
und Neue Malerei von Roselieb und
das Ergreifendste eine Kiinstlernvvelle:
Anstieg von Jakob Kneip) der angekün-
digte dritte (Bon Zeit zur Ewigkeit) wie-
der ähnlich köstliches Frachtgut aus dem
weltweiten Gebiet der Kunst, auf die der
fast ganz technisch eingestellte II. Band
leider verzichtet hat. Sonst wüßte ich an
dem sicher preiswerten Jugendbuch nur
eines auszusetzen: der etwas hohe Preis,
zumal bei der farblosen Ausstattung von
Fährmann II.

Herwig F. Deutsche Heldenlegende. II.

Band, Das Werden des Reuen Reichs,

Heft 6—14. Be. 8". 122 S. 1628

,Freiburg, Herder. Lw. Mk. 5.40.

Was Matthiestens Erzählerkunst durch
seine Abenteuergeschichten, das will Her-
wigs Feuergeist durch sein Helden-
b uch bei der Jugend, überhaupt bei
Jung und Alt erreichen: das Leuchten
der Augen, das Entflammen der Herzen,
echte Begeisterung für das Heldische im
Charakter historischer Gestalten. Von den
0 neuen Lebensbildern aus der deutschen
Geschichte, die je 18—20 Seiten stark

auch in Einzelheftchen zu haben sind (zu
00 Pfg. kartoniert mit je einem Bild-
nis): Friedrich der Große, Klemens Hof-
bauer, Andreas Hofer, Port von War-
tenberg, Bismarck, Der deutsche Mensch
im großen Kriege, will mir besonders
die packende Schilderung des Tiroler
Helden Andreas Hofer gefallen.
Wie mit Herzblut ist da jede Zeile ge-
schrieben und packt ans Herz, zumal beim
Gedanken an die heutige Zerreißung des
„heiligen Landes"; da werden wieder
jedem die Augen naß wie beim Singen
des Hoferlieds am Jselberg oder beim
Anschauen des ebenfalls streng verbote-
nen Wolfschen Volksschauspiels: Der
Held von Tirol. Nur eines vermißte ich,
einen Zug im Leben dieses Bauernhelden
und Heldenbauers, aus dem ein Künst-
ler wie Herwig Feuerfunken schlagen
könnte, die letzten Abschiedsworte im
Schreiben an die Gattin aus dem Ge-
fängnis in Mantua, das früher im Ori-
ginal im Hoferhaus bei St. Leonhard im
Passeier aufbewahrt war: „Ade, du
schnöde Welt... usw." Doch auch aus
der lebensvollen, mehr dramatisch als
biographisch nufgefaßten Darstellung der
übrigen Helden, so verschieden nach Zeit,
Landschaft und Sinnesart, Feldherrn,
Staatsmänner, Helden und Heilige bis
zu den Opfern des Weltkriegs spricht dem
Leser immer wieder der eine gemeinsame
Zug zum Herzen: deutsche Kraft und
deutsche Zuversicht. In diesem Bändchen
steht der Zeichner weit hinter dem
„Schreiber."

Luschnat, D., Abenteuer um Gott. 8".

168 S. 1628. P. Stangl, München.

Lwd. 5 Mk.

Derselbe Verlag, der das köstliche
Schmidkunzsche Christuslegendenbuch her-
ausgebracht hat, ist auch der Verlag der
Jstist-Bücher, der Vertreter und Verkün-
der einer neuen Abart von Theosophie,
die dem Halbhundert organisierter Welt-
anschaungen in Deutschland die einund-
sünfzigste anreiht. Es sind wohl manch
ehrliche Gottsucher darunter, ebenso
sprachgewaltige Propheten der neuen
Religion, wie Adam Abel und David
Luschnat, kühne Forscher in den weiten,
unentdeckten Gebieten der Seele. Das

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