Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Illolizm.

Tiroler und Schweizer Kunstliteratur.

Zwei der Beachtung unserer Leser
besonders empfohlene Tirolens ien
wurden dem Archivredakteur dieses
Frühjahr eingehändigt aus Anlaß per-
sönlicher Besuche in Bozen-Gries
und Brixen, den zwei uralten Stät-
ten deutscher Kultur mit teilweise spezi-
fisch schwäbischem Einschlag. Ich erinnere
hier nur an den aus S ch u s s e n r i e d
stammenden Baumeister der herrlichen
Turmpyramide der Bozener gotischen
Pfarrkirche, Hans Lu tz, oder den
kraftvollen Bischof von Brixen, U l r i ch
P utsch , gebürtig aus „schwäbisch
Werth", heute Donauwörth. Am
rechten Ufer von Talfer und Eisack er-
hebt sich mitten in dein heute Bozen
(Bolzano jetzt umgetauft!) eingemeinde-
ten Dorf Gries die altehrwürdige Bene-
diktinerabtei M u r i - G r i e s , die viele
Jahrhunderte von Augustinerchorherrn
besiedelt, in der josefinischen Zeit (1781
bzw. 1807) aufgehoben und 1847 von
den aus Muri im Kanton Argau ver-
triebenen Schweizer Benediktinern über-
nommen wurde. Die Stiftung von Muri
1027 wie die Neubelebung von Gries
1845 ist eine hochherzige Tat des Hauses
Habsburg aus grauer Borzeit und
jüngster Vergangenheit. Ein kunstver-
ständiger Kapitular, einer der wenigen
südtirolischen Mitglieder des Stifts
Muri-Gries, P. Ambros Trafojer
0. 8. B. hat anläßlich der Feier des
9. Zentenars erstmals die Geschichte des
augustinifchen, bis 1163 zurückgehenden
Auenklosters und des benediktinischen
Stifts Gries bei Bozen auf Grund hand-
schriftlicher (besonders der Vorarbeit des
hochverdienten Verfassers der Geschichte
von Muri, P. Martin Kiem svon Al-
gund gebürtig, ch 1903]) und gedruckter
Quellen (besonders Beiträge des fein-
sinnigen Ordenshistorikers P. Vinzenz

Gaffer) veröfentlicht und daran eine sach-
kundige, reichillustrierte, Beschreibung
der Stiftsgebäude, der von M. K n o l -
l e r ausgemalten neuen Stiftskirche
(1769—1771) und der alten gotischen
Pfarrkirche mit dem größten Kunstschatz,
Altar von Michael Pacher, sowie der dem
Stift inkorporierten Filialkirchen ange-
schlossen (8"269S. 1927, Bolzano, Vogel-
weider geb. L. 30 - 6 Mk.).

Neben der schwäbischen Benediktiner-
abteikirche Neresheim stellt die Augusti-
nerkirche in Gries eine der größten Lei-
stungen des Malerfürsten an der Wende
des 18. und 19. Jahrhundert dar; gran-
diose Fresken und liebliche Altarbilder
schuf die Hand des von Steinach am
Brenner gebürtigen Meisters, dem der
letzte Grieser Propst Augustin Nagele
(geb. in Gries am Brenner 1753, gest.
in Gries 1815) seine besondere Gunst
zuwandte und seine zweimalige Porträ-
tierung verdankt. Hits Schwaben interes-
siert die kirchenrechtlich und lokalgeschicht-
lich merkwürdige Beziehung der süd-
tirolischen Abtei zu dem Benediktinerin-
nenkloster Habstal an der Grenze von
Württemberg und Hohenzollern, und
noch mehr die zu dem bedeutendsten
Sohn der Schwarzwaldstadt Horb a. N.,
Abt Gerbert von St. Blasien, dessen
geistvolle Züge ein Oelbild im Kapitels-
saal uns zeigt. Vielleicht widmet der
sachkundige Verfasser in einer neuen
Auflage diesen, sowie der leider dem
Verfall geweihten Wallfahrtskirche St.
Cosmas und Damian ob Siebeneich, wo
heute noch Freskenspuren und Wappen
die Zugehörigkeit zur Propstei Gries
bezeugen, und den geschichtlichen und
kunstgeschichtlichen Ergebnissen der von
mir in der Kardinal Ehrle-Festschrift
III (Documenta et monumenta Tiro-
lensia) veröffentlichten ältesten Mar-
linger Urkunde einige Zeilen; das

öS
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