Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 72
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seiner Existenz glücklicherweise einen
zweiten Jahrgang erlebt hat. Der Inns-
brucker Konservator Dr. I. Garber, ge-
bürtig von Feldererhos bei Lana, be-
handelt als anerkannte Kapazität auf
dem Gebiet der alten Wandmalereien im
ersten Teil die Fresken im Turm der
Traminer Grafenhäuser und schreibt
die merkwürdigen Renaissancegemälde
einem Schüler Jörg Breus zu, den
der Augsburger Patrizier Freiherr von
Langenmantel 1536 zur Dekoration
seines Ansitzes im Etschtal (heute Ter-
mins zu nennen!) berufen hat. 6. 11
wäre der Verschwägerung mit der aus
Augsburg später nach Bozen (Bolzano!)
eingewnnderten, hier dann geadelten
Patrizierfamilie Mayrl zu gedenken;
S. 25 wären als bedeutendere Vertreter
des nationalen Humanismus Ulrich Hut-
ten auf lutherischer, Jakob Wimpheling
auf altkirchlicher Seite zu nennen.

Eine zweite, ebenfalls gut illustrierte
Abhandlung des Herausgebers und
gründlichen Kenners der Vor- und Früh-
geschichte, K. Mayr, setzt Museumsdirek-
tor, legt die neuesten prähistorischen
Funde der Stein- und Bronzezeit im
oberen Etsch- und Eisackgebiet vor. Dü
finanziell und politisch erzwungene Ab-
schließung von der gerade aus diesem Ge-
biet überreichen Literatur des „Auslan-
des", der deutschen, skandinavischen, auch
der französischen und englischen prähi-
storischen Forschung dokumentiert leider
dieser neue, wertvolle Beitrag einheimi-
scher Wissenschaft.

Von der verlorenen West- und Süd-
mark führt uns „Der O b e r f ch l e -
s i e r", Monatsschrift für das heimatliche
Kulturleben, nach der stark verkleinerten
Ostmark. Einen stattlichen Band von
716 Seiten ohne die Musikbeilagen und
Bilder füllt der vom Herausgeber, Rek-
tor Karl S c z o d r o k in Colonnowfka
(Oberschlesien) mir zugesandte zehnte Iu-
biläumsband. Literatur, Heimat- und
Naturkunde finden die gleiche liebevolle
Pflege wie die bildende Kunst in diesem
vorbildlichen Heimatorgan „Der Ober-
schlesier". Bei den kulturellen Bezieh-
ungen, die Schlesien und Schwaben in
verschiedenen Zeiten enger verbunden

haben — man denke nur an den aus
Riedlingen stammenden schlesischen Fürst-
bischof Andreas von Ierin (ch 1596), an
die herzoglich württembergische Residenz
in Karlsruhe (Schlesien) oder die schwä-
bischen Theologen in Breslau: Ferd.

Probst (Domprobst), I. Rohr, L. Baur
u. a. —, wird die oberschlesische Monats-
schrift mit ihrer rühmlichen Mittelstel-
lung zwischen wissenschaftlicher und po-
pulärer Heimatforschung auch in unseren
Kreisen Beachtung verdienen und fin-
den. (Preis vierteljährlich 3.45 Mark.)
Von der Aufführung des Melodrams
„Geiger von Gmünd" in Kairo, deren
Hauptverdienst mit dem Namen Sczv-
drok verbunden ist, habe ich anderswo
berichtet („Remszeitung" 1928, Nr. 11).

A. N.

lkinführung in
die bildende Kunst

Pinleitung ;um Betrachten von Kunstwerken

iston Dr. Gottfried jstiemann

JTlit 8 farbigen Tafeln unö 116 Testbildern. £er.«Oftao
202 Seiten 10.80 stlk.,- in leinroand 12.50 ftlf.

„Wahl aus Der besten Kunst- unö öeistesatmo-
fpbäre stlünchens ist öas Werk heroorgegangen.
Niemann unterftbeiöet sich aufs stärkste oon Öen
SMichrern, aber er gebt auch weit über das
hinaus, was man eine Anleitung ;um Kunstver-
ständnis, fo sehr er sie auch gibt, nennen kann.
Ausgezeichnete Kapitel sind die über schöpferische
und handwerkliche Kunst, über farm, Inhalt,
beschmark, Stil, was über die besanderen dar-
stellungsmittel der ftialerei und Plastik gesagt
wird - wvvan Kunsthistariker zumeist wenig
misten -, ist das Neste, Klarste und Schönste, was
heute über die Seelenseiten der Technik veröffent-
licht ist. Und man kann dnrchaus von einem
ästhetischen und kunsttheoretischen Spstem Nie-
manns sprechen, wenn er in den öestaltungs-
prinjipten imlmpressivnismus und kspresstanis-
mus nur Elemente des Naturalismus und Idea-
lismus erkennt, womit auch die Grundlagen für
die einleuchtende Kritik der jüngsten Strömungen
feit dem Pointillismus gegeben sind. Niemanns
intensives und reich illustriertes Werk ist für den
Kunstgenießenden ein zuverlässiger, verantwor-
tungsbewußter stlentor und besißt kunstpäda-
gogisch höchste Bedeutung."

Professor Julius Zeitler in „Das Buch",

3./4. stest, Jabrg. 1929.

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