Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 75
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ist ein kleines, anmutiges Bild der Madonna, die dem Jesuskind die Brust reicht
lauf Lindenholz gemalt, 0,35 X 0,25 in), als Werk Baldungs gepriesen oder
angepriesen ob ihrer unverkennbaren Verwandtschaft mit des Meisters Hell-
dunkel-Art. Engen Zusammenhang mit der 1519 datierten Zeichnung, die der
Herausgeber der Baldung'schen Werke (Nr. 207), G. v. Terey, Baldung zu-
schreibt, die aber in der Albertinapublikation einem oberdeutschen Meister
(Nr. 1342), im Versteigerungskatalog der Sammlung Lanna einem Meister in
der Art Baldungs (Nr. 35), von H. A. Schmid dem Hans Frankenburger zu-
geschrieben wurde, will auch der oftgenannte Forscher Riesfel zugeben, jedoch
erklärt er sich der Urheberschaft Baldungs nicht gewiß und läßt das Bild entfernt
an Hans Fries gemahnen.^) Jedenfalls ganz baldungisch mutet das vom Lichten
zum Dunkeln ätherisch fein abgestimmte Blau, das sich um das schleiergeschmückte,
gekrönte Haupt und die langen, offen herabwallenden Haarsträhnen und das
zarte, aber breite majestätische Gesicht der Madonna gießt, ebenso die Gestalt
des Jesuskindes an der Mutterbrust und der Putto, der von oben der Szene
zuschaut; die Lanna-Zeichnung, die Maria stehend ohne Kind in Vollgestalt zeigt
und 1519 datiert ist, stimmt besonders in Krone, Haupt und Haaren mit
unserem Sigmaringer Brustbild überein.

Vielleicht noch unsicherer ist die Verknüpfung zweier Sigmaringer Galerie-
bilder mit dem Namen des anderen großen Meisters vom Oberrhein, Martin
Schongaue r.") Ein kleineres Weihnachtsbild und eine größere Darstellung
der Aufrichtung des Kreuzes (nicht „Kreuzerhöhung", womit die Wiederauf-
fmdung und Erhebung des jahrhundertelang verborgenen Kreuzholzes stets
gemeint ist). Jenes stellt die Anbetung des Kindes in der Krippe durch Maria
und die Hirten in eine heimatliche heimelige Winterlandschaft. Ob der Kol-
niarer Meister selbst, oder sein Nachfolger, oder einer seiner vielen Schüler das
dem Berliner Kleinbild ähnliche Weihnachtsidyll geschaffen, ist mehrfach um-
stritten, nicht nur wegen des einen von Rieffel angegebenen Grundes: „Die
knauschelige Gewandung Mariens und Windel des Kindes gehen in ihrer wirren
Musik über Schongauers vieltöniges Faltenspiel hinaus". Noch problematischer
ist die Zuschreibung an Schongauer bei der figurenreichen Kreuzauffindung, wo
mit Seilen und Sparren das Kreuz mit dem angenagelten Heiland in lotrechte
Stellung durch Schergen gebracht wird und zwei Gruppen von Zuschauern,
Freunde und Feinde Jesu, das Kreuz umstehen. Diese Zweiteilung, die Art des
landschaftlichen Hintergrundes, die Ausfüllung des langen Vordergrundes mit
den Schächerkreuzen, Totenschädel, Tieren und Pflanzen u. a. hat das früher
Wohlgemut, dann Schongauer, noch leiser und loser Dürer zugeschriebene Kreu-
zigungsbild mit einem kleinen ähnlichen Gemälde in der Kloster-Neuburger
Sammlung^) gemeinsam, Typen aus Schongauers Werkstatt sind es ohne
Zweifel, die wir in mehreren der zahlreichen Gestalten der Szene sehen.

Stilistisch einwandfreier ist die Zuweisung einer Madonna mit Jesuskind und
Katharina, die diesem eine Traube anbietet, ob ihrer nächsten Verwandtschaft mit
dem Altenburger^) und Darmstädter Marienbild, sowie einiger Bildnisse (Ulrich
Lindecker von Leipzig und Frau 1518) an Lukas Cranach den Aelteren.

18) S. 61, Abb. 56. Tfl. XIX a.

19) Tafel XXI; bei Rieffel Seite 62, Tafel XX Text S. 62. Uebermalung bezrv. schlechte
Ausbefserunq soll schuld an diesen „Knauscheln" sein.

20) Rieffel Abb. 57.

21) Tafel XIX und Abb. 58.

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