Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 77
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zugeschrieben wurde, jetzt von Rieffel'') anfänglich dem Augsburger Leonhard
Beck, zuletzt Burkmair, zugewiesen. Leonhard Beck soll nach neueren Unter-
suchungen H. A. Schmids der Maler der beiden Halbfiguren des hl. Nikolaus
und der hl. Barbara sein, nach anderem auch nicht ohne gute Gründe Weiditz.

Früher sehr umstritten, jetzt wohl allgemein als Werk des Meisters der
Donauschule Altdorfer anerkannt, ist das herrliche Dreikönigsbild aus dem
Jahre 1520, der reifsten Zeit des Meisters, der auch die Folge aus der Florians-
legende angehört. „Er schildert den biblischen Vorgang als farbenfunkelndes,
sonniges Märchen von phantastischer, heiterer Pracht".^) Vor einer Renaissance-
Ruine spielt sich hier der Vorgang ab. Juwelen an Goldschmiedekunst überreichen
die königlich gekleideten Weisen, aus des ältesten vornehmsten (Kaspars) Hand
empfängt das Christkind eine Prachtkassette mit Goldstücken, in die es greift wie
im Sterzinger Altar. Eher oberbayrisch dürfte eine andere Anbetung der hl.
Dreikönige sein, weit trockener, bürgerlicher spielt sich hier der Vorgang unter
einer holzgedeckten Bretterhütte ab, im Hintergrund einer steilen Felsenburg.
Roch ungedeutet ist der Meister einer Geburt Christi (0,50 X 0,34 m), die 1518
datiert ist und die Signatur SW oder WS trägt. Er gehört wohl auch nach
Rieffel einer Donauschule an.

Oesterreichischer Herkunft sind u. a. die zwei köstlichen Kinderporträts
mit alten Landschaften im Hintergrund, das Bildnis eines Knaben und Mäd-
chens, Wappen der Thenn auf dem Rahmen, wohl die Kinder des erzbischöflich-
sulzburgischen Münzmeisters Marx Thenn, der 1552 gestorben ist. Ein Sohn
dieses Marx Thenn, Georg, geboren 1517, ist von einem Maler I. S. 1540 im
Alter von 23 Jahren porträtiert worden, es ist Jakob Seisenegger, Hofmaler
Kaiser Ferdinands I. (1509—1567), der Meister entzückender Bilder österreichi-
scher Prinzessinnen, jetzt im Mauritshuis. Das Bildnis des jungen Salzburgers
fällt nach dem farbigen Ueberschwang des vorhergehenden Geschlechts durch seine
vornehm wirkende Zurückhaltung und die selbstbewußte Bescheidenheit des
auftretenden Nobile auf/")

Das Urteil Salomos/") ein Gemälde mit reicher Renaissance-Architektur, früher
Tobias Stimmer zugeschrieben, hat jüngst H. Koegler unter Zustimmung Riefsels
dem jüngeren Hans Holbein als Werk der Jahre 1521 oder 22 zugeschrieben.

T i r o l i s ch e s Kunstgut mag unter manchem Tafelbild oder sicherer unter
einzelnen Skulpturen stecken. Tirolisch ist nach Rieffel der heilige Stephanus,
eine altbemalte Lindenholzstatue, früher der schwäbischen Schule zugeteilt, und
noch wahrscheinlicherer die Figuren der Mutter Gottes und der hl. Barbara, die
aus Kloster Salem stammen.^)

Rheinischen Charakter zeigen z. B. ein Kölner Familienepitaph brabanter
Schule mit Roger v. Weydens Einschlag; eine Kreuzigung, Art der Soester,
mit einer Masse von Einzelszenen wollen manche der Donauschule zuschreiben.
Mehr stofflich als künstlerisch interessiert manchen die Doppeldarstellung der
Katharina-Legende, die Enthauptung der Heiligen von Alexandrien und die
Ilebertragung ihres Leibes durch Engel auf den Berg Sinai, wohl auch das
Werk eines rheinischen Malers vom Ende des 15. Jahrhunderts.

27) S. 70, Abb. Tfl. XXlYa.

'") Rieffel S. 70 Tfl. XXVI.

29) Tfl. XXVII und XXVIII, Rieffel S. 71.

30) Abb. 66, S. 71.

") Tafel XXXI a und b. Rieffel S. 74.

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