Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 80
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antwerpisches Werk, verwandt mit der etwas älteren Magdalenafigur im Kaiser-
Friedrich-Museum in Berlin (7072) und des Passionsaltars in der Votivkirche
in Wien?')

Die schwäbischen Skulpturen unterbrechen etliche italienische. Ein eigen-
artiges Madonnenrelief aus Pinienholz, aus der Mailänder Schule vom
Anfang des 15. Jahrhunderts, zeigt das Jesuskind auf dem Schoß der Mutter
nach Vogel und Frucht greifend.")

Italienisch, näherhin toskanisch, um 1440 ist die Tonstatuette: Maria
thronend, das Kind stillend, ein Werk aus dem Umkreis Ghibertis (Tfl. 44),
etwas später der an einem Felsblock angelehnte Johannes der Täufer,
Statuette in gebranntem Ton (Tfl. 45). Drei reizende Iesuskindfiguren
zwischen 10 und 30 cm hoch, 1510 und 1515 datiert, in Elfenbein das kleinste
und die andern in Lindenholz, sind ganz unbekleidet. Zu den selteneren
St. Veitbildern gehört die Darstellung des Märtyrers, der den Kessel mit
beiden Händen selbst hält. Die Sigmaringer Figur, Wandstatuette aus Linden-
holz, 66 cm hoch, bekleidet mit rotem Rock, grünem Ueberwurf und rotem Barett,
soll aus der Schule des Christoph von Urach nach Sprinz stammen, der sie um
15t 5 datiert.")

Als s ü d t i r o l i s ch e s Werk nach Herkunft, Schule und Gegenstand fesselt
unser Interesse die Gruppe: Tod des hl. Simon von Trient (Abb. 38),
worüber an anderer Stelle eine längst geplante Mitteilung erfolgt. Ergreifend
sind die zwei Hochreliefs: Kreuzschleppung und Grablegung Christi, die jetzt dem
vielgenannten M ei st er von Ottobeuren zugeschrieben werden, ca. 1515
bis 1520,") dessen Art auch das figurenreiche Martyrium der hl. Katharina
(Tfl. 56) trägt.

Es wäre für unsere schwäbische Heimat ein seltener ikonographischer Gewinn,
wenn- die köstliche Bischofsbüste (Lindenholz, 27 cm hoch) mit Pektorale und
feinem ledergebundenem Buch, das der eifrig lesende, würdevoll gestaltete Bischof
mit beiden Händen festhält, die Bezeichnung: Albertus Magnus mit
vollem Recht tragen würde. Die Arbeit gehört dem Meister des Mindelheimer
Altars um 1520 (Tfl. 57).")

Erwähnenswert ist unter den vielen auserlesenen Skulpturen die nach neuesten
Forschungen Leitschuhs wohlbezeugte Wandgruppe aus Lindenholz (1,41 m hoch,
100 cm breit), eine Kreuzabnahme, vor steil ansteigender Berglandschaft
stehen die drei Kreuze, vom mittleren nehmen Joseph und Nikodemus den Leich-
nam Christi ab, links unten Maria zusammengesunken, gestützt von Johannes
und einer hl. Frau, rechts Magdalena und zwei weitere Frauen. Die Relief-
tafel ist ein Teil des Altars, den die Kantone Bern und Freiburg in die
Franziskanerkirche in Grandson zum Gedächtnis des Schweizersieges stifteten:
in den Jahren 1515—17 wurde er fertiggestellt von Hans Geiler (von
Ravensburg?), die Seitenflügel lieferte Nikolaus Manuel Deutsch.") Die

42) Münzenberger-Beissel II S. 146. XVI. 5. Sprinz Tfl. 41, datiert 1490.

43) Sprinz Tafel 43.

44) Abb. 35 S. 26 und 29.

45) Baum, Die deutschen Bildwerke 1917 S. 53; Leisching, Fiqurale Holzplastik I
Nr. 67 ff., Sprinz Nr. 9516 S. 28 Tfl. 54. 55.

46) Sprinz Nr. 99 S. 30.

47) Rahn, Geschichte der bildenden Künste in der Schweiz S. 747, Sattler M., Frei-
burger Bildwerke des 16. Jahrhunderts, Diff. Zürich 1913; Sprinz Nr. 102 S. 32 Tfl. 58.

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