Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 84
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Abb. 1: Inneres der Kirche in Baienfurt.

Die ganze Oede neugotischer Stilimitation schaut heute aus diesem Kapellenbau,
der quantitativ wie qualitativ der neuen Zeit nicht mehr genügen konnte, auch
der Lage wegen einer Vergrößerung nicht fähig und würdig war. In nächster
Nähe davon, ungefähr im Mittelpunkt des Dorfs, befindet sich der Bauplatz für
die neue Kirche, dessen Erwerbung die Gemeinde durch Schenkung eines Grund-
stücks ermöglichte. Obwohl die durch Expositurvikar Schwenger (jetzt Stadt--
pfarrer in Wiblingen-Ulm) und Pfarrverweser Dreher in und außerhalb
der Gemeinde gesammelten Gelder der Inflation wie überall zum Opfer gefallen
waren, gab der 1917 installierte Pfarrer ohne Pfarrkirche, Max H o p f e n s i tz,
die Hoffnung nicht auf, das Linder'sche Bauprojekt nach neuer Sammeltätigkeit,
besonders auch im Ausland, zur Ausführung bringen zu können.

Durch feine bisherigen Kirchenbauten, Um- und Neubauten in Gosbach,
Schweinhausen, Oberndorf a. N. und Mühlacker, hatte der aus Weißenstein
stammende Architekt Otto Linder seine Fähigkeit gezeigt, nicht nur in die
Landschaft und die traditionelle Bauweise sich meisterhaft einzufühlen, sondern
auch die neuen Konstruktionsformen mit Geschick und Geschmack anzuwenden
und auf den Sakralbau zu übertragen. Insbesondere ist es das Verdienst
Linders, eines Schülers Fiechters und Bonatz', als erster in der Diözese
Rottenburg die Parabelwölbung zur Einführung gebracht zu haben. Die
Marienkirche in B a i e n f u r t, 1925 begonnen, 1927 vollendet, ist ein E i s e n --
betonrahmenbau von reizvollem Grund- und Aufriß. Das Aeußere wie
das Innere der Kirche macht den Eindruck einer maßvollen Neuschöpfung aus
dem Gebiet kirchlicher Architektur. Das Hauptschiff bildet eine weitgespannte
Halle von 32 Meter Länge und 16 Meter Breite. Diesen prächtigen Innenraum

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