Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 98
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gefallen. — Im Jahr 1728 hat der Prälat mehr als 5000 fl. für Paramente
ausgegeben. Denn vom 1. März an haben wochenlang fünf Schneider und fünf
Näherinnen am neuen goldenen Lyoner Ornat gearbeitet; es hat
gegeben drei Pluvialen, zwei Levitenkleider, zwei Meßgewänder famt Zugehör,
eine Inful, ein Antependium, Altarkissen, vier Privatstolen. Es wurden auch
verwendet dreierlei bestgoldene Borten, drei Sorten feingoldene Fransen, schöne
Lothringer Spitzen; sechs andere brokatene Meßgewänder. Dieser Ornat war
recht sehenswert. — Dann hat Prälat Didakus auch noch für neue Para-
menten schränke gesorgt. Am 14. September 1728 sind die vier Schränke
in der oberen Sakristei fertig geworden; zwei davon wurden mit verschiedenem
silbernen Kirchenschmuck völlig angefüllt, was einen prächtigen Anblick bot; in
den dritten Schrank sollte der neue Ornat kommen und in den vierten die
schönsten Meßgewänder. — Von dem erkrankten Kamerer Karl Wech von
Braunenweiler erhielt Abt Didakus einen goldenen, mit kostbaren Steinen
besetzten Ring.

Sein Nachfolger Siard Frick (1733—50) kaufte im Monat August 1745 von
den Klosterfrauen zu Ennendach den sogenannten Wiener Ornat. Der
Stoff dieses Ornats war zuvor ein Prachtkleid der Kaiserin Elisabeth von
Oesterreich gewesen. Diese hat das Gewand den Nonnen als Almosen geschenkt,
den armen Klosterfrauen aber hat es der Prälat um 600 fl. abgekauft. Die
kostbare Garnitur dazu, die über 1000 fl. kostete, hat den Ornat verteuert, welcher
der Wiener genannt wurde, weil er aus dem österreichischen Kaiserhaus stammte.
— Dem gleichen Prälaten hat der Klosterkonvent auf seinen Namenstag vier
silberneStatuen verehrt, nämlich zwei große B r u st b i l d e r des heiligen
A u g u st i n u s und des heiligen Norbert und zwei etwas kleinere Ganz-
b i l d e r des heiligen Magnus und des heiligen Siard. Diese Silber-
statuetten waren kostbar gearbeitet; sie langten am 13. November 1746 aus
Augsburg in Soreth an.

Der Erbauer des neuen Klosters, Abt Magnus Kleber (1750—56), trug bei
der am 25. Oktober 1755 stattgehabten Beerdigung des Paters Karl Rodi den
von ihm käuflich erworbenen kostbaren schwarzen Ornat zum ersten-
mal. So haben auch die nachfolgenden Prälaten immer wieder für den Kirchen-
und Silberschatz ihres Reichsstiftes wertvolle und bedeutsame Neuanschaffungen
vollzogen. Allerdings hat die Erbauung des neuen Klosters (der jetzigen Heil-
anstalt) große Geldsummen verschlungen, so daß für die Beschaffung von
Paramenten und heiligen Gefäßen (aus Edelmetall) nicht mehr so viel Geld wie
früher zur Verfügung stand. Uebrigens war und blieb bis zur Aufhebung der
Norbertiner-Reichsabtei die Sorge für die Zierde des Hauses Gottes ein Haupt-
anliegen der Reichsprälaten von Soreth. Was an feuersprühenden Edelsteinen,
an von Gold und Diamanten strotzenden Pektoralen und an prangenden,
leuchtenden Magnusstäben vorhanden war, kann zum Teil auch ersehen werden
aus unserem Aufsatz über die „Reliquien und Reliquiare der Klosterkirche
Schussenried". (Siehe „Archiv für christliche Kunst", Jahrgang 1897, Nr. 4 ff.)

Namentlich aber ist uns ein Rückschluß auf die früher vorhandenen großen
Reichtümer an Gold, Silber und Edelsteinen leicht möglich, wenn wir bedenken,
daß sogar nach der Aufhebung des Klosters noch überaus beachtenswerte
Ueberreste der früheren Pracht und Herrlichkeit vorhanden gewesen sind. So sind
dem letzten Prälaten Siard II. verschiedene Wertsachen zum lebenslänglichen

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