Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 106
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die erschöpfende Kenntnis seiner Werte.
Er rückt die in den Vordergrund der Be-
trachtung, die sich mit der „biblischen
Historie" befassen, greift aber doch ge-
legentlich über den Kreis derselben
hinaus. Dagegen bietet er in den Mit-
teilungen über des Künstlers Person,
Charakter, Anschauungen und Kunst-
auffassung wertvolle Ergänzungen zu
den Ausführungen feiner Vorgänger. Sie
sind wohl subjektiv gehalten, geben je-
doch interessante Aufschlüsse über den
Zusammenhang zwischen der Person und
der Kunst Gebhardts. Eine reiche und
geschickte Auswahl von Illustrationen er-
möglicht dem Leser, die Ansichten des
Verfassers nachzuprüfen, sich sein eigenes
Urteil zu bilden, und führt ihn in die
Periode der Düsseldorfer Schule ein, da
sie von den Nazarenern abrückte. Er
braucht dabei nicht alle Ausführungen
Burckhardts zu unterschreiben, z. B. die
über die Nazarener — B. nennt selber
ein halbes Dutzend „ernster Vertreter"
der Richtung — oder die von dem „ver-
hängnisvollen Einfluß" der römischen
Kirche „aus die Gestaltung der christlichen
deutschen Malerei bis in unsere Zeit"
— es ließen sich noch ganz andere „ver-
hängnisvolle" Einflüsse nennen — oder
die über Gebhardts Maria unter dem
Kreuze, die, weil nicht Schmerzensmut-
ter, sondern „Vertreterin der gläubigen
Gemeinde", „hoch über die allermeisten
sonstigen Mariengestalten der Kunstge-
schichte" gestellt wird — ist doch Geb-
hardts Maria in seiner Kreuzigung von
3884 wieder die Schmerzensmutter. Der
Kunstkenner wird sich durch solche Ein-
seitigkeiten nicht beirren lassen und ihnen
die genannten Vorzüge des Buches
gegenüberstellen; der Anfänger aber wird
sich an der Hand desselben leicht orien-
tieren und von selber zu einläßlicherem
Studium gedrängt fühlen. Nur hätte
man wünschen mögen, daß ein kurzer
Ueberblick über die Fachliteratur beige
geben worden wäre.

Tübingen. I. Rohr.

Die künstlerische Hebung der Gebet-
und Erbauungsbücher macht zusehends
erfreuliche Fortschritte. An frühere
bessere Zeiten der Gebetbuchkunst erin-

nern neueste Ausgaben der Verlage
Pustet, Kösel, Müller und Herder, so vor
allem die prächtige Ausgabe der Laure-
tani scheu Litanei von Franz
Baltin (München, Kösel-Pustet 1928,
8°. 146 S. Lwd. Mk. 7.50). Jeder ein-
zelnen Anrufung dieser Gebetskette sind
auf der einen Seite des Kunftdruck-
papiers Stellen aus dem kirchlichen Ge-
betsschatz (Lesungen, Ovationen, Anti-
phonen), auf der andern Marienbilder
alter Meister in herrlichem Farbendruck
des Originals beigegeben. Neben Ita-
liener wie Rafael, Leonardo da Vinci,
Garbo, Lippi, Botticelli, Perugini, Fran-
cia, Giotto, Duccio, Correggio, Saffo-
ferrato, Cerezo, Credi, Signorelli, Ghir-
landajo, Pinturicchio, Angelico Man-
tegna und dm Spanier Murillo sind auch
deutsche Maler wie Burgkmaier, Kranach,
Lochner, Schongauer, Holbein und die
Niederländer van der Goes und Rubens
vertreten. Ein prächtiges Festgeschenk für
Marienkinder aus dem Geist der litur-
gischen Bewegung geboren, am Busen
der christlichen Kunst genährt, wie ge-
schaffen für stille Stunden der Betrach-
tung an Marientagen; möge der hohe,
im Verhältnis zur Ausstattung nicht zu
hohe Preis, des Herausgebers Wunsch
nicht vereiteln, beizutragen, daß es nicht
„manchmal doch so schnell, so überhastend
beim gemeinsamen Gebet dieser bitt-
reichen unserer Litaneien geht", und der
Dreiklang zwischen religiöser Kunst (Er-
hebung), Marienlob der Liturgie (Be-
schauung) und Bittanruf der Litanei
(Gebet) erzielt wird!

Der oben („Archiv" 1928 H. 1 S. 21)
angezeigten vornehmen Philoteaausgabe
läßt der Verlag Ars sacra, Joseph
Müller in München eine deutsche
Uebersetzung der Nachfolge C h r i st i
von Otto Karrer mit Bildern von
Gebhard F u g e l folgen. 16°. 483 S.
Ballonleinen Mk. 5.—. Neben dem klaren
Offsetdruck, den Fugelschen Bibelbildern
in Kupfertiefdruck, dem Gebetsanhang
aus älteren deutschen Mystikern und der
sprachlichen Flüssigkeit der Uebersetzung
ist an dieser neuen empfehlenswerten
Imitatio-Ausgabe als begrüßenswerte
Neuigkeit besonders hervorzuheben, daß

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