Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Schaffen des katholischen Deutschland
überflutende Produktion oder gar Ueüer-
produktion und begrüßt sie sogar als
erfreuliches Zeichen geistiger Regsamkeit;
bezeugt ihm ja ein Ergebnis moderner
kunsthistorischer Forschung, daß schon ein-
mal in unserer deutschen Geschichte eine
ähnliche Welle mystischer Erregung durch
das Volk ging und einen Frühling tief-
beseelter Kunst, in Plastik und Malerei
besonders, hervorgebracht hat. Ist die
heutige Bewegung echt, müßten gleiche
Ursachen auch gleiche Wirkung erzielen
und so auch die Künste zur Echtheits-
probe beitragen. In einigem Gegensatz
zur mittelalterlichen Bewegung der
„Gottesfreunde" scheint in unserer Zeit
Frauenmystik und das Interesse an ihr
zu überwiegen. Richstätters neues Buch
bietet einen lesenswerten Beitrag zur
neueren Frauenmystik. Die größere Hälfte
der Schrift nimmt das Zeit- und Lebens-
bild der Schwester Emilie Schneider,
Oberin der Düsseldorfer Kongregation
der Töchter vom heiligen Kreuz (1820
bis 1859), ein. Im zweiten Teil folgen
„mystische Briefe" der gottbegnadeten
Seele aus den Jahren 1854 bis 1858.
Auf Drängen ihres erprobten Seelen-
führers, Rektor Joseph von der Burg,
des Gründers der ersten katholischen
Studentenverbindung in Deutschland
(Bavaria in Bonn), schrieb die Oberin
des großen Krankenhauses die Briefe
nieder, welche die ganze Entwicklung
ihres religiösen Innenlebens bis zur
Höhe mystischer Beschauungsgnaden auf-
zeigen und nach dem sachkundigen Urreil
des Jesuiten Karl Richstätter zu dem
Besten gehören, was die mystische Litera-
tur hervorgebracht hat, trotz ihrer naiven
Einfalt. Die 7. Auflage binnen fünf
Jahren spricht für die Wahrheit unseres
ersten und letzten Satzes.

Wolff E., Frauengenerationen in Bil-
dern. 8°. 227 S. 1928. Berlin W. 35,
Flothwellstr. 4. F. A. Herbig. Brosch.
Mk. 5.—.

Aufsätze und Bilder von bleibendem
Wert hat Emmy Wolff im Zusammen-
hang mit der Abteilung „Frau und
Presse" der internationalen Presseaus-
stellung in Köln herausgegeben. Unter

all den vielen kulturhistorischen Be-
ziehungen des Frauenlebens zum Schrift-
tum sind in dem trefflichen Sammelwerk
besonders die geistigen und sozialen
herausgehoben und von berufenen Be-
arbeiterinnen des Ausstellungsmaterials
verfaßt. Auch der Anteil hochstehender
katholischer Frauen am Geistesleben des
Mittelalters, der Barockzeit, wie der Ge-
genwart, ist gebührend dargestellt. (G.
Krabbel, M. Buczkowska). Daß neben
der musikalischen und der Tanzkunst
weiblicher Kreise der bildenden Kunst in
Frauenhünden nicht ein Kapitel zuge-
wiesen wurde, fällt einigermaßen auf;
nur ein Porträt der Adele Schopenhauer
als Malerin ist beigegeben. An Stoff von
Angelika Kaufmann bis Käthe Kollwitz
oder Ruth Schaumann hätte es nicht ge-
fehlt.

Stintzi, P„ Die Sagen des Elsasses. 8".

300 S., 1 Titelkunstblatt und 26 Ab-
bildungen. Soeiöte d'Edition Alsatia,

Kolmar. Brosch. 24 Franken.

Ein heimattreuer Elsässer, Paul
Stintzi, hat aus den zahlreichen gedruck-
ten Quellen, besonders der vorbildlichen,
bald hundert Jahre alten Vorarbeit Stö-
bers (Sagen des Elsasses, 1836), aber
auch aus mündlicher Volksüberlieferung
den alten, köstlichen Sagenschatz des
Vogesenlandes neu herausgegeben und
„dem elsässischen Volk gewidmet". Der
Antiqadruck der soliden Ausgabe, die
Bezeichnung des für gute Ausstattung
besorgten Verlags: „Socistö d'Edition
Alsatia" in Kolmar, und die Klänge lei-
ser Wehmut und lauter Vaterlandsliebe
im Vorwort des hochverdienten Heraus-
gebers lassen auch in diesem Dokument
den grausamen Wechsel der Geschicke des
herrlichen Landes erkennen. In zwei
Abschnitten werden 125 Sagen aus dem
Oberelsaß und ebensoviele aus dem Un-
terelsaß, meist getreu nach der Original-
überlieferung, teilweise auch in freier
Ueberarbeitung geboten. Was das sanges-
und sagenlustige Gemüt des stammver-
wandtenAlemannenvolkes an idyllischem,
komischem oder tragischem Sagenstoff mit
seiner Heimat Bergen und Burgen, sei-
nen Kirchen und Klöstern und anderen
Denkmälern der Vergangenheit ver-

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