Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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ARCHIV

FÜR CHRISTLICHE KUNST

Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins

Redigie-rt von Professor Di. A. Nägele, Schwöb. Gmünd, Vogelhof 3.

Eigentum des Rottenburger Diözefan-
Kun stv ere ins e. V. / Komm.-Verlag
der Sehwabenverlag Akt -Ges. Stuttgart.

Erscheint vierteljährl. / Bezugspreis jährl.

7.50. / Bestellungen nehmen sämtl. Buch-
handlungen sowie auch derBerlag entgegen.

XLIV

4. tzeft

1929

Die |für(1lifl)^of)eniollernfri]e fiunflfammlung in Sigmaringen

einsl unO jetzt.

Von Prof. Or. A. Nägele in Gmünd.

(Schluß.)

4. Besondere Kleinodien schwäbischer Plastik und Malerei.

Von den Kunstwerken, die aus unserer engeren Heimat nach Besitz oder
Werkstattherkunft stammen, sei vor allem der große Ennetacher Altar
erwähnt. Vier mächtige Tafelbilder gehören nachweisbar zu dem Flügelaltar,
der von Jörg Stöckers Hand — trotz des zweimaligen, von einem mut-
willigen Lehrling an Kleidersäumen von Hauptgestalten der Außenflügel an-
gebrachten „Martin" (zweimal) und gar noch „Martin Schaffner" (am Mantel-
saum Christi) — gemalt ist. Nur noch kümmerliche Ueberreste sind am ursprüng-
lichen Standort in der Pfarrkirche zu E n n e t a ch (= innerhalb, zwischen den
Wassern — der Ablach und Donau) bei Mengen erhalten nebst der Meister-
inschrift. Verkündigung, Geburt, Anbetung der hl. Dreikönige, Beschneidung
stellen die vier Tafeln des Restes des Wandelaltares dar, der geschloffen eine
figurenreiche, auf beide Tafeln verteilte Kreuztragung zeigt. Jeder Flügel mißt
2,05 m in der Höhe, 1,48 m in der Breite. Phantastische Aufschriften, Zahlen,
Namen wie Wieland, lateinische und hebräische Alphabetstücke und Worte an
Mantelsäumen geben neben der Frage der Schulzugehörigkeit, Zusammensetzung
und Plastikverteilung (Spuren von Flachreliefs am Sigmaringer Altar an den
Innenseiten der inneren Flügel und Reste der Predella u. a. in Ennetach) noch
manches Rätsel auf. Wenn je das Werk aus den Händen der Käufer und Ver-
käufer gerettet und dem Museum als ein Glanzstück altschwäbischer Malerei Vor-
behalten bliebe, würde er bei besserer Placierung, richtiger Ergänzung und
Wiederzusammensetzung nach dem ursprünglichen Aufstellungsplan eine ganze,
ihrer Schätze beraubte Wand füllen. Schrein, Flügelreliefs, Predella und Auf-
satz in Holzplastik, bis auf wenige Reste spurlos verschwunden, und die erhaltenen

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