Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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Sippendarstellungen, nichtgewirkte, sondern aufgemalte Vorlagenbilder, Gobe-
lins mit gewirkten altdeutschen Heldensagen. Von den gotischen Stollen-
schränken, kostbaren Waffen-, Horn-, Glas-, Zinn- und Eisenarbeiten, Minne-
kästchen, Kassetten, Keramiken, (Siebenbürger Schnallen), Scheiben zu schweigen,
sei nur noch auf die Pretiosen von Goldschmiedarbeiten kirchlicher und
profaner Zweckbestimmung hingewiesen. Kleinodien fast einziger Art sind dar-
unter, wie die eucharistische Taube mit Emaileinlagen, Aquamanile in Tier-
form, romanisches Vortragskreuz, Weihwasserkessel aus Reichenau (10. Iahrh.),
Reliquiare, Paxtafel, kostbare Monstranzen, Kelche und andere Kirchengeräte
(Kelch mit Silberschmelzbilder, 14. Iahrh.), älteste Limoges-Emailarbeiten mit
wunderbarer Lucida; Ringe, Dosen, Uhren, Specksteinreliefs, Elfenbeineinlagen
in Waffen, darunter ein Hubertus-Schieber von Maucher-Gmünd-

Mit diesem letzten raschen Gang durch die Sigmaringer Sammlung, wie ihn
persönliche Erinnerung aus fast jährlich (seit 1906) wiederholten Besuchen und
jüngste literarische Arbeiten ermöglichten, scheiden wir von der geweihten, fast
entweihten Stätte. Es ist ein Abschied für immer. Der einzige Trost bei diesem
wehmutvollen Scheiden ist die Hoffnung, der junge Fürst, gebunden durch den
in den letzten Lebenstagen abgeschlossenen väterlichen Vertrag, werde, wie man
schon vor der Aufteilung und Verschickung hören konnte, alles daran setzen,
gerade die schwäbischen Tafelmalereien der Schule wieder zurückzuerwerben.
Immerhin ist unser verarmtes Deutschland um eine Kulturstätte ärmer geworden.

5. Das Hohenzollern-Sigmaringer Museum heute.

Gerade ein Jahr nachdem diese Zeilen wehmütigen Herzens geschrieben und
das Schicksal der alten Sigmaringer Sammlung entschieden war, haben sich die
Pforten des neuen Fürstlich-Hohenzollernschen Museums wieder geöffnet. Aus
der großen herrlichen Kunstsammlung universaler Richtung, deren Schätze die
heutige wirtschaftliche Rot anderen Händen ausgeliefert hat, — der Frank-
furter Ausstellung folgte im Dezember 1928 die in Rewyork — ist ein kleines
Heimatmuseum geworden, beschränkt auf den schwäbischen Kunst- und Kultur-
kreis. Unter großen, nicht hoch genug zu schätzenden Opfern des Fürsten Friedrich
von Hohenzollern-Sigmaringen sind mehrere spezifisch schwäbische Meisterwerke
spätgotischer Malerei und Plastik wieder erworben worden, so der Enne-
tacher Altar, mehrere Bilder von Z e i t b l o m (jüngst wieder Bernhard
Striegel aus Memmingen zugeschrieben), Porträt des Hans von Schönitz, Hof-
junkers Albrechts, des Kurfürsten von Mainz, von Konrad Faber, zahlreiche
Gemälde des Meisters von Sigmaringen und von Meßkirch, die vier Peters-
hauser Stationen von 1491, neuestens durch G. Otto dem Friedrich Schramm
von Ravensburg zugeschrieben, die Monstranz des Augsburger Bischofs Friedrich
von Hohenzollern (st 1505), ein Kleinod spätgotischer Goldschmiedekunst. Dank
der Findigkeit des neuen Museumsleiters, des fürstl. Archivdirektors vr. Heb-
eisen, ist es sogar gelungen, einige wertvolle Ergänzungen zu dem alten Rest
schwäbischer spätmittelalterlicher Kunstwerke zu erwerben, so besonders vier
Altarflügel vom Meister von Meßkirch, die aus englischem Kunsthandel den Weg
in die Heimat wieder fanden. Sie stellen das Marienleben dar. Als Hintergrund
ist auf zwei Flügeln die Burg Wildenstein gewählt. Eines seiner besten Werke
ist das Porträt des Grafen Eitel Friedrich von Hohenzollern (st 1525). Der

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