Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

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1846 in die Kunstgeschichte eingeführte Meister von Sigmaringen ist nunmehr
gar mit 19 Werken der Tafelmalerei vertreten. Von beiden brachten mir je
eine Abbildung. Wir beglückwünschen die fürstliche Familie und Residenzstadt
wie die neue Direktion zur Wiedereröffnung des neuen hohenzollernfchen
Museums in Sigmaringen, die im Lauf des Jahres erfolgte, und wenn auch mehr
als einem Besucher der alten und neuen Kunstsammlung das biblische Wort
von den weinenden Israeliten beim Vergleich zwischen dem alten und neuen
Tempel von Jerusalem einfallen wird, gilt es doch über das wenige Wieder-
gewonnene sich zu freuen und dem Urteil eines Fachmannes, wie des Frankfurter
Generaldirektors Prof. vr. Swarzenfki/ch des Hauptkäufers, zuzustimmen: „Für
alle Freunde einer verständigen musealen Denkmalspflege und zugleich für alle,
denen Sigmaringen als ein Stück einzigartiger deutscher Natur und Kunst ein
Erlebnis war, wird es eine freudige Genugtuung fein, daß hiedurch das
Sigmaringer Museum als eine hervorragende Sammlung schwäbischer, boden-
ständiger Kunst weiterleben wird".

72) Zeitschrift für bildende Kunst 1929 H. 11.

Kirchliche Kunst Ser Kegenwsrt auf Ser Stuttgarter Ausstellung
Ses evgl. ISereins für chrifll. Kunst 1929.

Bon Dr. N. A. Spectator.

Seit dem Jahre 1911 hat die Hauptstadt Württembergs unter den jährlich, ja
oft fast monatlich wechselnden Kunstausstellungen keine Uebersicht über religiöse oder-
kirchliche Kunst — im Grund und Wesen nicht ganz identische Begriffe — zu schauen
Gelegenheit bekommen, bis voriges Jahr nach der Feier des hundertjährigen Be-
stehens des Bistums Rottenburg der Kunstverein der Diözese eine Ausstellung,
Religiöse Kunst der Gegenwart, im neuen Kunstgebäude veranstaltete. Unvergessen
in der Geschichte der schwäbischen Kunstpflege, hat jene vor 18 Jahren durch Pazaurek,
den hochverdienten Direktor des Landesgewerbemuseums zuweggebrachte Ausstellung
retrospektiven Charakter gehabt und die kunstgeschichtliche Forschung, besonders in
altdeutscher Plastik und Goldschmiedekunst, bis heute mächtig gefördert?) Die nach
langem, allzulangem Zwischenraum ihr folgende kirchliche Kunstausstellung vom Jahr
1928 wollte von der Kunst der Vergangenheit, auch der jüngeren ganz abfehen und
einen Ueberblick über das gegenwärtige Schaffen auf dem Gebiet der Architektur,
Plastik, Malerei und Graphik mit Ausschluß des Kunstgewerbes, soweit es religiösen
und kirchlichen Zwecken dient, und zwar in der Formensprache neuester künstlerischer
Bestrebungen bieten — im Wirrwarr neuester Gegenwartskunst ein Wagnis, das
aber nach dem Rückblick von heute gelungen ist.

Ein interessantes Gegenstück zu der letztjährigen Stuttgarter Ausstellung des
Kunstvereins für die Diözese Rottenburg bildet die Schau kirchlicher Kunst der Gegen-
wart in Württemberg, die der e v a n g e l i s ch e Verein für christliche Kunst in den
gleichen Räumen des Wiirtt. Kunstvereins jüngst veranstaltete. Weite Kreise inner-
halb wie außerhalb der evangelischen Landeskirche haben nach ihrer Ankündigung in

ch Vgl. Baum, Deutsche Bildwerke des 10.—18. Jahrhunderts. 1917. G. Pazaurek,
Katalog der Ausstellung 1911; Schwäbische Goldschmiedearbeiten 1912. Prof. Dr. L. Baur
im Archiv für christliche Kunst. 1911. Seite 97 ff.

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