Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 44.1929

Seite: 125
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Christi) ganz ausgezeichnete Vertreter finden. W. Eberbachs Jonas im Fisch ist ein
Blatt von miniaturenhafter Schönheit.

Ueberblickt man das Gesamtergebnis der diesjährigen Ausstellung religiöser
Kunst der Gegenwart innerhalb der evangelischen Landeskirche Württembergs und
vergleicht man es mit der vorjährigen Kirchlichen Kunstschau, die der Rottenburger
Diözesankunstverein veranstaltet hat im gleichen Rahmen des Württemberg. Kunst,-
vereins, so kann niemand des Eindrucks sich erwehren, daß sowohl quantitativ wie
qualitativ das neue Gegenstück hinter dem älteren Vorgang zurückbleibt. In welchem
Maß dieses ungünstige Verhältnis sich entwickelt hat, mag an Stelle des Bericht-
erstatters der Referent des Schwäb. Merkurs«) feststellen: „Es ist darum (bei der
traditionellen Einstellung der Kirche der Reformation und dem mangelnden Sinn
vieler evangelischer Geistlichen für religiös kirchliche Kunst) doppelt schade, wenn man
bei der Betrachtung der jetzigen Ausstellung feststellen muß, daß ihr jede stärkere
Werbe- und Stoßkraft fehlt, fehlen muß, weil sie ohne leitende Idee, ohne Gesicht,
ohne Ziele und ohne Richtung ist. Sie besteht aus einer mehr oder weniger zufällig
zusammengestellten Auswahl von Werken der Malerei, der Plastik und der Baukunst,
die alle, sagen wir einmal, Beziehung zur Religion haben. Es sind aber durchaus
nicht alle, wie der Titel der Ausstellung erwarten läßt, Werke kirchlicher Zweckkunst...
Auch ist die Ausstellung weit entfernt davon, ein lebendiges Bild der auf dem Gebiet
religiöser Kunst schaffenden Kräfte in Württemberg zu geben. Die Auswahl^) ist
willkürlich, zufällig und nicht immer glücklich."

Auffallend ist nicht nur die verhältnismäßig geringe Zahl der ausstellenden
Künstler. Leider ist kein Katalog von der veranstaltenden Kommission herausgegeben
worden, nicht einmal wie bei der letztjährigen Ausstellung des Rottenburger Diözesan-
kunstvereins ein Verzeichnis der Namen der Künstler mit Angabe der Räume, in
denen sich Werke der Aussteller befinden, was doch wohl die kürzeste und billigste
Handreichung für die Ausstellungsbesucher geboten hätte. Wer die auf allen drei
bezw. vier Kunstgebieten ausfallend geringe Auswahl von Werken christlicher Kunst
bestimmt hat und nach welchen Grundsätzen die Auswahl von Künstlern und Kunst-
werken bestimmt ward, ist dem Verfasser unbekannt, muß ja selbst der Berichterstatter
des Schwäbischen Merkur in seiner äußerst sachkundigen und eingehenden Besprechung
der Ausstellung") bekennen, die diesjährige Ausstellung, die das Gegenstück zu der
rühmlich anerkannten, von katholischer Seite ausgehenden Kunstschau von 1928 bilde,
sei von evangelischer Seite, vom Verein für christliche Kunst ausgegangen; wer aber
des Näheren für sie verantwortlich sei, wisse er nicht, habe sich aber gefreut über die
Ankündigung der Ausstellung: „Schien es doch, als ob der gerade in der evangelischen
Kirche Württembergs sehr vernachlässigte Sinn für die bildende Kunst dadurch neue
Anregungen und Impulse erhalten könnte." Er begviißt zwar warmherzig „die
neueren Bestrebungen von evangelisch-kirchlicher Seite nach der langen Vernach-
lässigung der Pflege christlicher Kunst, speziell der Malerei und Plastik, zur Aus-
schmückung der nüchternen Kirchenräume seitens des bilderfeindlichen Protestantismus
auch wieder bildenden Künste mehr in den Dienst der evangelischen Kirche zu stellen."
So sehr diese Bemühungen von kunstfreundlicher Seite zu begrüßen seien, so beklagt
sich doch der Stuttgarter Kunstkritiker, diese Ansätze seien noch viel zu schwach. „Leider
gibt es gerade in Württemberg viel zu wenig evangelische Geistliche, deren Sinn für
die durch die bildende Kunst möglich gemachten Verschönerungen der Kirche und des
Ritus genug geweckt wäre, um diesen Bestrebungen einen aufnahmefähigen Boden
zu bereiten." Es sei ferne von dem „Spectator alter", diese Aeußerung aus dem
anderen Lager mit einem hämischen Blick der Schadenfreude zu begleiten, sintemalen 9 10

9) 24. Juli 1929 Nr. 342.

10) Wie Prof. Hölzel und Altherr in Stuttgart, fehlt z. B. auch Pros. W. Fehrle-Gmüud.

") Nr. 342. 24. Juli 1929.

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